nach der Weltreise, Europa
Kommentare 2

2018: Aufbruch zu Neuem

Das Jahr 2017 ist vorbei, damit auch unser Trip um die Welt. 19 Monate unterwegs zu sein, ohne festen Wohnsitz, dafür mit immer neuen Eindrücken und Begegnungen in den verschiedensten Ländern und Erdteilen – das war eine grandiose Erfahrung. Wir sind uns einig: Das war das Beste, was wir tun konnten. Diese Entscheidung war goldrichtig!

Allerdings hat unser Leben dadurch auch seine Richtung geändert. Wir leben bewusster, wohl auch intensiver. Und wir sehen manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Das hat auch dazu geführt, dass uns manches hierzulande fremd geworden ist: Sei es die – aus unserer Sicht – eigentümlich respektlose, ja unfreundliche Art und Weise des Umgangs miteinander, die verbreitete Rechthaberei, die eigenartig unzufriedene Grundstimmung. Auch das politische Klima ist spürbar rauer geworden, der Ton lauter und schärfer, vor allem im rechten Lager. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass wir sensibler als früher darauf reagieren. Wir nehmen uns jedenfalls vor, gelassen und optimistisch zu bleiben.

Sehr eigene Erfahrungen

Wir sind nach wie vor sehr dankbar, dass wir auf unserer Tour immer gesund geblieben sind. Wichtig war auch die Erfahrung, wie wenig wir eigentlich zu einem glücklichen Leben brauchen. Wir haben die Masse an Dingen, die den Alltag hier ausmachen, jedenfalls nicht vermisst. Auch nicht vermisst haben wir die vertrauten bürokratischen Zumutungen wie Steuererklärung und Versicherungsabrechnung und die aufwändige Planerei des Alltags. Wie viel Zeit das frisst! Was uns hingegen riesig freut, sind die zahlreichen Menschen, die uns via Blog oder auf anderen Wegen auf unserer Reise begleitet – und auch ermuntert – haben. Und auch danach. Niemals hätten wir gedacht, dass wir so viele Klicks (immerhin schon knapp 58.000) bekommen würden. Besonders haben wir uns über jeden Kommentar gefreut – und sei er auch noch so kurz. Für uns war die unmittelbare Resonanz auf unsere Beiträge nicht nur ein schönes Lebenszeichen aus der Heimat, sondern auch ein Signal der aktiven Anteilnahme. Generell gesprochen ist Resonanz ja letztlich das, was wir von anderen, vor allem von unseren Freunden erhoffen oder erwarten – und natürlich gilt das auch umgekehrt.

Neue Freundschaften

Neue Freundschaften sind unterwegs und auch zuhause entstanden, alte haben sich gefestigt – oder manche auch gelockert. Natürlich freuen wir uns, wenn wir hier von unserer Reise erzählen können. Doch wir machen derzeit die Erfahrung, dass sich das Interesse sehr in Grenzen hält – ausgenommen bei Freunden, die selbst schon viel unterwegs gewesen und immer wieder mal zu neuen Ufern aufgebrochen sind. Vielleicht hängt das ja damit zusammen, dass die Erfahrungshorizonte sich auseinander entwickelt haben. Vielleicht sind wir manchen ja auch selbst fremd geworden. Deswegen erzählen wir eher wenig – und empfinden das mittlerweile auch als ganz normal. Das „Schwelgen in Erinnerungen“ liegt uns ohnehin nicht so. Gestern, am Silvesterabend, haben wir uns tatsächlich das erste Mal gemeinsam Fotos von unserer Reise angeschaut.

Züricher Freunde: Karin und Beni aus der Schweiz haben wir in Laos kennengelernt und haben sie nun in Zürich besucht.

Vieles ist offen

Nun gilt es für uns, sich neue, gemeinsame Ziele zu stecken. Wie viel Aufbruch, wie viel Veränderung muten wir uns selbst (weiterhin) zu? Oder wollen bzw. brauchen wir jetzt wieder mehr Alltag, mehr Vertrautes, mehr Beständigkeit? Vieles ist derzeit noch offen: Wie genau wir leben wollen. Und wo. Gibt es ein neues Projekt, das uns gemeinsam begeistern könnte? Wenn ja, starten wir das dann hier – oder doch im Ausland?

Da wir noch bis März 2018 in unserem Winterquartier in Konstanz bleiben werden, haben wir noch etwas Zeit für die Klärung.

Klar ist bislang eigentlich nur, dass wir auch weiterhin viel reisen wollen. Elke würde ohnehin lieber heute als morgen nach Kapstadt fliegen. Oder mit einen orangen VW-Bus durch Europa fahren. Ich hingegen hänge der Idee an, zu Fuß eine längere Alpendurchquerung von Ost nach West zu machen. Oder mit einem Boot von der nördlichen Adria bis in die Ägäis segeln. Man wird sehen, was uns das Jahr 2018 bringt. Unser derzeitiger Lieblingsspruch kann uns dabei vielleicht leiten:

„Kühner als das Unbekannte zu erforschen kann es sein, Bekanntes infrage zu stellen“ (frei zitiert nach Paul Watzlawick )

„Unser erstes Mal“ als neue Rubrik

Da wir vieles auf unserer Reise das erste Mal gemacht haben, wollen wir darüber auch in diesem Blog berichten und haben die neue Rubrik „unser erstes Mal“ eingerichtet. Lasst Euch überraschen, welche Geschichten von unserer Weltreise wir da so erzählen werden. Für uns beide war (und ist) es auf jeden Fall immer wieder eine schöne Erfahrung, Neues auszuprobieren – egal, wie gut oder schlecht wir uns dabei anstellen. Demnächst also dazu mehr.

Auch das Reisen bleibt natürlich ein Thema: Da ich im Januar an einer „Multiplikatorenreise“ in das westafrikanische Land Senegal teilnehmen werde, möchte ich auch darüber berichten. Seit zehn Jahren besteht nämlich zwischen der Diözese Thiés im Senegal und der Erzdiözese Bamberg eine Partnerschaft. Mit Siegfried Grillmeyer, dem Leiter der Akademie caritas-pirckheimer-haus in Nürnberg und Organisator der Reise, werde ich die Möglichkeit bekommen, in die Komplexität afrikanischer Lebenswelten fernab touristischer Wege einzutauchen und einige Sozial- und Bildungsprojekte zu besuchen. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet! Einen Bericht wird es in der Rubrik Afrika geben, denn wir haben unsere Artikel nun nach Kontinenten im Menü geordnet.

Alles Gute für 2018

Wir wünschen euch von Herzen alles Gute für 2018, natürlich Glück und Gesundheit, aber auch viele schöne Reisen und spannende neue Erfahrungen.

2 Kommentare

  1. Dogan sagt

    Kritik an der Zitat von Paul Watzlawick: Ihr “fremdelt“ hier in der Heimat weil ihr eben neues “erforscht“ habt. Ihr habt mit euren Erfahrungen während der Reise einen neuen Standpunkt erreicht. Ohne neues zu erforschen, kann man auch das bestehende nicht hinterfragen. Die ganze Welt verändert sich seit überall internet verfügbar ist. Die Menschen haben durch den geballten Informationsfluss aus dem Internet, die Grundlage erlangt ; das es so etwas wie Freiheit gibt und fordern es von der Regierung.(Syrien, Iran usw.) Um Walther Rathenau zu Zitieren: “Denken heißt vergleichen“ um zu vergleichen muss man neues erleben oder erforschen.
    Grüße aus Nürnberg und frohes neues Jahr 2018 weiterhin mit vielen neuen Eindrücken.
    Dogan Balban

    • Hallo Dogan Balban, ein interessanter Kommentar – danke für die Resonanz! Hierzu eine Textstelle, die ich kürzlich gefunden habe: „Reisen ist mehr eine innere Bewegung als eine von A nach B. Es ist vor allem die Bereitschaft, eine Position – eine emotionale oder intellektuelle, vielleicht auch eine religiöse oder philosophische – zu verlassen und sich zu einer anderen Position zu bewegen. Das hat keinen geografischen Rahmen.“ So der von mir geschätzte Christoph Ransmayr. Er fügt allerdings hinzu: „Wenn wir unsere Köpfe und Herzen mit Bildern aus dem Leben anderer Menschen und Kulturen und mit den dazugehörigen Landschaften versorgen wollen, dann muss es natürlich immer wieder einige Leute geben, die sich tatsächlich auf den Weg machen.“

Wir freuen uns über Eure Kommentare!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.