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4.000 Kilometer „Reisen auf Sicht“

Von Nürnberg ans Kaspische Meer: Nie im Leben kämen wir auf die Idee, diese Strecke mit dem Auto zurückzulegen, denn es sind mehr als 4.000 Kilometer. In Südafrika dagegen suchen wir uns in Kapstadt einen robusten Mietwagen aus – zum Glück ohne Kilometerbegrenzung – fahren los, und haben dreieinhalb Wochen später mal eben 4.000 Kilometer zurückgelegt. Kein Wunder, sind wir doch vom Kap bis zum Krüger-Park gefahren. Dies alles ohne große Planung, getreu unserem Motto, dass wir „auf Sicht reisen“ wollen.

Was heißt das genau? Nun ja: Wir machen – anders als das bisher in unser beider Leben war – keinen großen „Masterplan“, sondern überlegen uns eigentlich immer nur das nächste Ziel und eine ganz grobe Richtung. Hier in Südafrika haben wir nach den vier Wochen „festem Wohnsitz“ in Kapstadt damit begonnen und sind im wahrsten Sinne des Wortes gut damit gefahren.

Treffpunkt Port Elizabeth

Zunächst einmal sind wir von Kapstadt aus jedoch getrennte Wege gegangen: Ich habe mit Heike sehr genau durchgetaktet einen Teil der Gardenroute gemacht – von Kapstadt über Hermanus nach Knysna und weiter in den Addo Elephant National Park – während Wolfgang eher „aufs Geradewohl“ in die Karoo gefahren ist. Beide Reisen waren sehr schön, wenn auch bewusst ganz unterschiedlich. Und in Port Elizabeth haben wir uns dann am Airport getroffen und zusammen unsere Freundin Heike zum Flieger gebracht. Wird wohl leider sehr lange dauern, bis wir uns wiedersehen…

Heike und Elke unterwegs auf der Gardenroute und im Addo Elephant National Park:

Erster außerplanmäßiger Stopp an der Ostküste

In Port Elizabeth verbringen Wolfgang und ich eine Nacht in einem harmlosen, aber netten Bed and Breakfast und befragen den Inhaber, wo denn ein guter Stopp auf dem Weg in Richtung Durban sei. Er rät zur „Coffee Bay“, ein Name der schon ein paar Mal gefallen ist, und der Wolfgang als Cappucino-Fan natürlich besonders anspricht. Doch weil es in einem „Schlag“ dorthin zu weit ist, verbringen wir eine Nacht in der Nähe von Chintsa.

Über Booking haben wir uns eine Unterkunft herausgesucht, die vielversprechend aussieht, in der Realität aber sehr abgelegen und nicht besonders freundlich ist. Deshalb fahren wir gleich am nächsten Morgen ohne Frühstück in den kleinen Ort Chintsa und wollen dort schnell einen Kaffee trinken. Neben dem einzigen Cafe im Ort entdecken wir ein kleines Office, das mit Volunteer-Work und „sustainable tourism“ wirbt. Ich gehe kurz rein, stoße auf eine junge deutsche Frau, die hier als Volunteer arbeitet und uns das „buccaneers backpackers“ wärmstens empfiehlt. So kommt es, dass wir beide nach mehr als zwanzig Jahren mal wieder in einem Backpackers absteigen und es uns in diesem außerplanmäßigen Stopp so gut gefällt, dass wir gleich vier Nächte bleiben.

Und wieder keine „Coffee Bay“

Als nächstes wollen wir wirklich in die „Coffee Bay“ fahren, doch einen Tag vorher sehen wir einen Facebook-Post von Doreen, unserer Gastgeberin in Kapstadt. Sie hat einen Beitrag einer jungen Südafrikanerin geteilt, die einen Besuch in „Bulungula“ empfiehlt. Dieses soziale und nachhaltige Projekt liegt ganz in der Nähe der Coffee Bay, ist noch viel schwerer zu erreichen, hört sich aber sehr vielversprechend an. Unser Auto – ein Two-Wheel-Drive – wird bei der Anfahrt ganz schön auf die Probe gestellt. Denn die knapp 70 Kilometer von der Hauptstraße zur abgeschiedenen „Wild Coast“ sind ungeteerte Sand- und Staubpisten mit vielen tiefen Schlaglöchern. Die Fahrt durch wunderbare, aber abgeschiedene Landschaft dauert dann auch mehr als drei Stunden, und wir sind sehr froh als wir endlich dort sind. Was wir dort erlebt haben, könnt Ihr in Wolfgangs Beitrag „Tradition und Moderne in Bulungula“ lesen.

Drei perfekte Tage in Durban

Nach zwei Nächten ohne Strom, ohne Dusche und ohne WLAN fahren wir am dritten Tag dann doch ganz gerne nach Durban, die drittgrößte Stadt Südafrikas, die direkt am Indischen Ozean liegt. Es ist eine siebenstündige Fahrt, und wir sind froh, dass unser kleines Hotel in Durban uns sofort sympathisch ist. Wir finden „The Concierge“ ziemlich cool und bleiben drei statt zwei Nächte. Fast hätten wir noch eine Nacht drangehängt. Denn die Vorzüge einer Stadt – vom netten Sonntagsmarkt bis zum Museum der „Kwazulu Natal Society of Arts“, in dem es zeitgenössische südafrikanische Kunst zu sehen und ein Klavier für die besondere Aktion zu finden gibt – überzeugen uns doch sehr. Doch in Südafrika steht ein verlängertes Wochenende an, an dem viele Südafrikaner an die Küste reisen, und wir müssen tatsächlich mal aufpassen, dass wir trotz Nebensaison eine Unterkunft finden.

Quirliges Leben in Durban:

„Glamping“ in St. Lucia

Unser nächstes Ziel ist St. Lucia im Isimangaliso-Wetland-Park, das nur zweieinhalb Autostunden nördlich von Durban liegt. Im „Lonely Planet“ haben wir eine Unterkunft mit festen Safari-Zelten entdeckt – und wir lernen den für uns neuen Begriff des „Glamping“ kennen, also Camping mit einem gewissen Glamourfaktor – will heißen – Komfort. Tatsächlich sind die großen Zelte auf einer Holzterrasse sehr schön. Unser Zelt hat ein Doppelbett mit dem hier wichtigen Moskitonetz, ein eigenes Bad – und draußen in der Gemeinschaftsfläche ist eine bestens ausgestattete Küche, in der wir abends mal wieder selbst unsere Pasta kochen können. Weiterer Pluspunkt: Es gibt einen Fernseher, so dass wir hier das – leider eher langweilige – Fußballspiel der deutschen gegen die polnische Nationalmannschaft sehen können. Highlight am nächsten Morgen ist dann aber eine dreistündige Kayakfahrt auf dem Fluss, bei der wir Hippos und Krokodilen (!) ziemlich nahe kommen.

Unsere erste gemeinsame Kayakfahrt:

Nach drei Nächten fahren wir wieder weiter und folgen erneut einem Tipp, der sich aus einem Gespräch ergeben hat. Unser Ziel ist die „Cosy Bay“ ganz im Norden Südafrikas und direkt an der Grenze zu Mosambik gelegen. Wir fahren und fahren und fahren und erwarten ein wundervolles Naturparadies. Am Ende kommen wir jedoch in einer Gegend an, die uns nicht wirklich gefällt. Wir finden keine schöne Unterkunft und übernachten in einer abgelegenen „Lodge“, die ihre besten Tage schon weit hinter sich gelassen hat. Das Naturparadies ist wohl eher für Angler gedacht, was viele Südafrikaner ganz offenkundig sind, und für große Familien, die abends vor der Holzhütte den tagsüber geangelten Fisch grillen wollen.

„Flucht“ nach Nelspruit

Unser Ding ist das alles nicht, so dass wir am nächsten Morgen eher fluchtartig das Gelände verlassen und uns für zehn Stunden „on the road“ begeben. Da das Gebiet so abseits liegt, dauert es schon allein drei Stunden, bis wir wieder auf der Nationalstraße N2 sind, die dann wegen der Grenze zu Swasiland ziemlich weite Windungen macht. Unser Ziel ist der kleine Ort Barberton, denn der „Lonely Planet“ spricht von einer „friendly, walkable little town with quiet leafy streets“ und „beautifully preserved historical buildings“. Zum Glück haben wir – nach der Erfahrung der letzten Nacht – vorab kein Quartier übers Internet gebucht. Denn Barberton, das wir am Nachmittag erreichen, ist ein echtes Nest mit lieblos heruntergekommenen statt „beautifully preserved“ alten Häusern. Wie sich die Wahrnehmungen doch unterscheiden können…

Gleichwohl befragen wir wieder unseren Reiseführer und entdecken in der nächst größeren Stadt Nelspruit ein gut besprochenes kleines Guesthouse. Dort rufen wir an und haben Glück. Eine Stunde später checken wir im „Utopia of Africa“ ein – und aus der geplanten einen Nacht werden ganz schnell drei. Wir fühlen uns hier sehr wohl, denn die Besitzerin ist sehr herzlich, das Zimmer groß und schön – und ein paar Tage Ruhe an einem festen Ort tun uns ganz gut. Hier können wir mal wieder in Ruhe ein Buch lesen, Postkarten schreiben, Blogbeiträge verfassen, die Reisetasche auspacken, Wäsche waschen, ein Bad nehmen (!), Joggen gehen – all das eben, was auf einer Reise dafür sorgt, dass man sich wohl und zuhause fühlt.

Doch noch zum Krüger-Park

Ungeplant sind wir in Nelspruit nun doch noch ganz in der Nähe des Krüger-Parks angekommen. Da wir in Namibia und Botswana schon viele Nationalparks besucht und etliche Pirschfahrten, die hier „Game Drive“ heißen, gemacht haben, wollten wir eigentlich gar nicht mehr in diesen größten Nationalpark Südafrikas gehen. Doch nun hat uns unsere „Wir-reisen-auf-Sicht“-Route ganz in die Nähe geführt – und wir haben noch knapp eine Woche Zeit, bis wir unseren Mietwagen in Johannesburg zurückgeben müssen. Wir machen uns also doch auf den Weg zum großen Park, übernachten auf dem Weg dorthin noch einmal in Graskop, wo wir am nächsten Tag den beeindruckenden Blyde River Canyon besuchen und endlich mal eine dreistündige Wanderung machen. Denn in den letzten Tagen bestand unsere Reise schon sehr aus „eat, sleep, drive“.

Ausflug zum Blyde River Canyon:

Genau diese Worte wird am Abend die Besitzerin unserer schönen Lodge in Hoedspruit verwenden, wenn sie von ihren eigenen Reiseerfahrungen spricht. Und um das zu ändern, bleiben wir in dieser sehr schönen „Unembeza Lodge“ dann auch wieder drei Tage – um weniger zu fahren und von der Lodge aus mal eine kleine Tour mit dem Mountainbike zu machen, und am Pool zu liegen, was wir bisher noch gar nicht gemacht haben.

Hier sind wir beim Mountainbiken im Hoedspruit Game Reserve:

Der erste Tag steht aber trotzdem ganz im Zeichen von „drive“, denn der 60 Kilometer entfernt liegende Krüger-Park lockt uns doch – und wir werden mit vier von den „Big Five“ belohnt: Elefanten, Löwen, Büffel und am Ende auch noch zwei „Rhinos“. Nur den scheuen Leoparden haben wir noch nicht gesehen.

Wilde Tiere ganz nah im Krüger-Park:

Nächster Stopp Madagaskar

Morgen geht unsere Fahrt übrigens weiter nach Johannesburg, von wo wir nach Madagaskar fliegen werden. Auch das war so nicht geplant: Irgendwann in den letzten Tagen haben wir sehr kurz entschlossen einen Flug dorthin gebucht. Die Flugverbindung ist deutlich besser als nach Sansibar, dieser legendären Insel, mit der wir eigentlich geliebäugelt hatten. Das Problem mit unserem neuen Ziel ist allerdings: Wir wissen im Moment sehr wenig darüber. Da wir hier keinen Reiseführer auftreiben können und das Internet nicht immer zuverlässig funktioniert, hilft uns gerade ein ehemaliger Kollege von Wolfgang per E-Mail mit vielen Infos und Tipps – er war schon zweimal länger auf dieser großen Insel im Indischen Ozean. Und unser „Doc Plank“ in Nürnberg gab uns noch wertvolle medizinische Hinweise. Jetzt brauchen wir nur noch einen „Lonely Planet“ über Madagaskar, der uns das weitere „Reisen auf Sicht“ etwas erleichtert.

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