Autor: Wolfgang

New York,
New York!

Der nette Taxifahrer muss ihn suchen, den kleinen, etwas versteckt liegenden Jazzclub in Harlem, wo wir uns mit Monika verabredet haben. Monika kommt aus Duisburg, lebt aber schon seit einigen Jahren in Harlem, New York City, und hat dort eine hübsche kleine Wohnung, in der wir für eine Woche ein Zimmer beziehen. So kommt es, dass wir im Norden Manhattans wohnen, jenseits der 96th Street, einer Straße, die in den 80ern noch eine klare Grenze zwischen weiß und schwarz darstellte und die Gentrifizierung noch nicht im vollen Gange war. Der Norden Manhattans war seinerzeit „no go area“. Heute ist Harlem bunt, an den Ufern des Hudson sind die teureren Wohnlagen, auf den Hügeln hingegen wohnen „Hispanics“ und, im Bezirk um die 125th Street, die „Schwarzen“. Jazz in Harlem Als wir den Veterans Club betreten, fängt uns gleich die besondere Atmosphäre ein. An den Wänden hängen Photos von würdig dreinblickenden älteren Herren mit Militärkäppi, also eben den Kriegsveteranen, denen dieser Club gewidmet ist. Als die Band, deren Zusammensetzung im Laufe des Abends mehrfach wechselt, loslegt, hören …

Elisa und Roy,
Hornby Island

25. August. Wehmütiger Abschied von Hornby Island, vor allem von Elisa und Roy, unseren großzügigen Gastgebern. Wir sitzen im IslandLinkBus nach Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, etwa 200 Kilometer weiter südlich. Gerade entdecke ich den aktuellen Farewell-Facebook-Post von Elisa, die uns erst vor einer Stunde über Denman Island an die Fähre nach Buckley Bay gefahren hatte. Wir sind wieder on the road. Zwei schöne, abwechslungsreiche Wochen auf Hornby sind vorbei. Zwei Wochen, in denen wir nicht nur die wunderschöne kleine Insel erkundeten, sondern auch so etwas wie kanadisches Landleben erleben konnten. Einfach und gut. Couchsurfen Rückblick: Ohne unsere Tochter Lisa wären wir nie nach Hornby Island gekommen. Sie war gegen Ende ihrer fünfmonatigen Work & Travel-Kanadareise als Couchsurferin unterwegs und bei Elisa und Roy die erste, die das dort machte. Sie war zwar nur drei Tage dort – aber so begeistert von den beiden, dass sie uns aufgetragen hat: „Da müsst ihr hin, die müsst ihr kennen lernen“. Elisa ihrerseits erzählt die Geschichte so, dass sie von Lisa so angetan war, dass sie auch den Papa …

Was für ein Paar!

Obwohl sie ein höchst spannendes und abenteuerliches Leben in Chiapas/Mexiko geführt haben, sind beide bei uns wohl weitgehend unbekannt: Frans Blom, dänischer Archäologe und Trudy Duby-Blom, Photographin und Umweltschützerin aus der Schweiz. Wir sind auf sie gestoßen, als wir das Museum Na Bolom in San Christobal de las Casas besucht haben. Ein Ort, an dem viele Geschichten erzählt werden: über die Lacandonen-Indianer, einen kleinen, fast verschwundenen Stamm aus dem Grenzgebiet zwischen Chiapas und Guatemala, über die Entdeckungsgeschichte der Maya-Ruinen im tiefen Urwald dieser Region, über das stattliche Anwesen selbst (das früher ein Kloster war), vor allem aber über dessen einstigen Bewohner. Ein Leben für die Ureinwohner Gertrude Duby aus dem Berner Oberland hatte sich schon früh politisch und publizistisch engagiert, war in der deutschen Widerstandsbewegung gegen Hitler aktiv und war deshalb sogar kurze Zeit in einem Lager interniert. 1940 konnte sie aber nach Mexiko fliehen, wo sie sich zunächst als Sozialarbeiterin engagierte. Doch erst als sie 1948 auf den dänischen Archäologen Frans Blom traf, der den Urwald von Chiapas nach Maya-Ruinen durchstreifte, fand sie ihre …

„Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano

Ob ich „den Galeano“ kenne? Auf unseren Reisen durch Argentinien, Chile, Bolivien und Peru wurde ich zum wiederholten Male auf dieses Buch angesprochen, vor allem von jungen Leuten. Tenor: Eine Art „Bibel der Unterdrückten“ und Pflichtlektüre, wenn ich mehr über die historischen und politischen Zusammenhänge Lateinamerikas erfahren wolle. Und mehr über die Ursachen der andauernden ökonomischen und politischen Krisen der Länder dort, über deren jahrhundertelange systematische Ausbeutung und Abhängigkeiten vom Weltmarkt, insbesondere im Zeichen des „Freihandels“. Zwar schon 1971 veröffentlicht, aber immer noch hochaktuell. Geschichtsschreibung mit Leidenschaft Tatsächlich hatte ich „den Galeano“ schon kurz nach seinem Erscheinen verschlungen, vermutlich 1974/75, also während meines Studiums der Geschichte. Ich hatte ihn in mehreren Nächten gelesen und war begeistert: von der Klarheit und Leidenschaftlichkeit, mit der der aus Uruguay stammende Autor die Geschichte Lateinamerikas von der Unterwerfung und Kolonisation durch die Spanier und Portugiesen bis zu den Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts und deren westliche Helfer (allen voran die USA)  in einem großen Wurf dargestellt hat. Dies ganz bewusst nicht aus der Sicht „der Sieger“, sondern aus der Perspektive der …

Auf den Spuren der Inkas

Cusco im Süden Perus. Wir sehen die Silhouette einer schönen, fast mediterran anmutenden Stadt, erbaut im spanischen Kolonialstil. Überall macht- und prachtvolle barocke Kirchen, allen voran die riesige Kathedrale an der Plaza de Armas. Darum das Häusermeer mit den typischen Atriumhäusern. In den Straßen quirliges Leben. Nahezu nichts erinnert baulich daran, dass dies einstmals die Hauptstadt des riesigen Inkareiches war und für die damaligen Menschen der Mittelpunkt der Welt. Die goldgierigen Spanier eroberten Anfang des 16. Jahrhunderts im Auftrag der Krone und im Zeichen des Kreuzes nahezu im Handumdrehen das Inkareich. Sie raubten, mordeten oder versklavten die Einwohner und löschten bewusst alles aus, was diese erschaffen hatten. Nichts sollte mehr an die Inkas, ihre Kulturleistungen und ihren Glauben erinnern. Bittere Ironie der Geschichte: Es waren die Inkas selbst, die etwa 300 Jahre lang andere Völker wie die Nasca, die Mochica und die Huari unterworfen und jegliche Erinnerung an deren hochstehende Kulturen unterdrückt hatten. Die Sieger schreiben ihre Geschichte eben stets aus ihrer Perspektive. Peru und sein reiches Erbe Doch beiden Eroberern, weder den Inkas noch …

Das weiße Meer –
der Salar de Uyuni

Mit mehr als 10.000 Quadratkilometern ist er der größte Salzsee der Welt. Und, da er auf einer Höhe von 3.650 Metern liegt, auch der höchstgelegene. Vor circa 10.000 Jahren ist hier ein See ausgetrocknet, der keinen Abfluss hatte. Zurück blieb eine Salzpfanne, deren Kruste bis zu 220 Meter dick ist. Dem nächstgelegenen Uyuni, einer staubige Wüstenstadt im bolivianischen Hochland, verdankt er seinen Namen: Salar de Uyuni. Mit Salzabbau verdienen Menschen hier ihr Einkommen. Zudem beherbergt der Salar de Uyuni eines der weltweit größten Lithiumvorkommen, ein äußerst begehrter und deshalb wertvoller Rohstoff. Soweit die nüchternen geographischen und geologischen Angaben. Gleißendes Licht Wir stehen inmitten dieser Salzwüste. Die Luft ist trocken, der Himmel blauweiß. Das Licht hier ist so gleißend, dass man ohne Sonnenbrille die Augen kaum aufmachen kann. Um uns herum schier unendliche Weiten. Man könnte meinen, auf einem anderen Planeten gelandet zu sein. So surreal, so unwirtlich und, ja, außerirdisch ist diese Landschaft im Südwesten Boliviens. Fast alles, was unseren Sinne vertraut ist, kommt hier nicht vor. Stattdessen ein Meer, weiß wie Schnee, das irgendwo …

Alexander von Humboldt
und die Entdeckung der Natur

Vor uns die Wüste, am nahen Horizont die schneebedeckten Andengipfel. Diese zauberhafte Landschaft hätte Alexander von Humboldt auch fasziniert. Er war zwar nie in der Atacama-Wüste – wo wir gerade sind -, aber er hatte auf seiner berühmten Südamerikareise Andengipfel bestiegen, Regenwälder durchquert und war von der üppigen Flora und Fauna ebenso begeistert wie von kargen Steppen- und Wüstenlandschaften, die wir hier im Norden Chiles vorfinden. Besonders schlugen ihn Vulkane und Geysire in seinen Bann – auch die erleben wir hier geradezu hautnah. Alles hat er systematisch erforscht, aber im Gegensatz zu anderen Naturforschern war Humboldt nicht darauf aus, Objekte zu sammeln und in Kategorien zu stecken. Vielmehr interessierten ihn die großen Zusammenhänge in der Natur und zwischen Kosmos, Natur und Mensch. Humboldt neu zu entdecken und seinen modernen Blick auf die Natur zu begreifen, ist das Verdienst der großartigen Humboldt-Biographie von Andrea Wulf. Seit ich sie gelesen habe, sehe auch ich die Natur mit etwas anderen Augen. Aguas Calientes mit Blick auf die Anden Eine neue Sicht auf Humboldt Ein ganz Großer der Forschung, …

Über Leben in Buenos Aires

Hola amigos, como estáis? Bevor wir Buenos Aires morgen Richtung Mendoza verlassen, hier ein kleines Fazit unserer Eindrücke. Wie ihr wisst, wollen wir auf unserer Reise ein wenig hinter die Kulissen einer Stadt oder eines Landes schauen. Nicht nur ihre touristischen Schauseiten sehen, die üblichen Reiseführer-Tipps und Highlights, sondern so etwas wie die Normalität erleben, also auch die „Rückseiten“ der bereisten Länder erkunden. Doch was ist das, die „Normalität“ einer Megacity wie Buenos Aires, die mit allen Vorstädten etwa 13 Millionen Einwohner hat? Lässt sie sich für Reisende wie uns überhaupt erschließen? Wohl kaum, wenn dazu noch die Sprachbarriere kommt, wie das bei mir der Fall ist. Zwar habe ich hier recht fleißig Spanisch gelernt, aber über einfache Sätze komme ich natürlich (derzeit noch?) nicht hinaus. Zum Glück spricht Elke schon viel fließender, zudem beherrschen etliche jüngere Leute auch Englisch. Stadtwanderungen und Begegnungen Das Leben hier nach nur einem Monat verstehen oder gar beurteilen zu wollen, wäre vermessen – viele Argentinier verstehen ihre Metropole wohl selbst kaum. Ich beschränke mich hier also darauf, meine persönlichen Eindrücke wiederzugeben. …

Bach im Teatro Colón

Was wir am Palmsonntag im Teatro Colón machen, fragt uns der Taxifahrer – eine Führung? Als er erfährt, dass wir dort hinfahren, um Musik von Johann Sebastian Bach zu hören, ist er begeistert. Da er etwas Deutsch kann, entspinnt sich eine lebendige Unterhaltung. Ja, natürlich kenne er Bach, un Gran Compositor de Alemania. Und dann noch im Colón, dem Stolz der Stadt, das zu den berühmtesten Opernhäusern der Welt gehöre! Hier hätten sie schon alle auf der Bühne gestanden, die großen Stars der Opernwelt wie die Callas oder der Caruso; aber auch Dirigenten wie Toscanini, Bernstein und Barenboim. Das Teatro Colón – ein Prachtbau Er hat nicht zu viel versprochen. Das nach Christoph Columbus benannte Opernhaus von Buenos Aires, 1908 eröffnet, ist ein klassisch-schöner Musiktempel im Stil der Mailänder Scala, so prächtig und glanzvoll, dass wir aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Und es ist groß, sehr groß sogar: Alles in allem bietet es dreieinhalbtausend Besuchern Platz, verteilt auf Parkett und sechs (!) Ränge. Trotz dieser Größe ist es auch berühmt wegen seiner wunderbaren Akustik. Dass …

Frühstücks-Blues und große Oper

Zwei Orte, zwei Zufälle, zweimal wundervolle Musik! Das eine Mal Blues zum Camper-Frühstück an der Mystery Bay an der wilden Küste von New South Wales. Das andere Mal eine Operngala im neuen ICC Sydney Theatre unmittelbar am Darling Harbour im Stadtzentrum. Vor etwa einer Woche lauschten wir Frank aus Brisbane, einem sympathischen Blues-und-Folk-Sänger mit seiner Gitarre. Und gestern Abend José Carreras, dem weltberühmten katalanischen Tenor, der zur Zeit auf seiner Welt-Abschiedstour „A Life in Music“ ist. So unterschiedlich beide Erlebnisse, die Orte und die Akteure waren, so ist ihnen doch eines gemeinsam: Musik bringt Menschen zusammen! Wie kam’s dazu? Frank Stoové und seine Frau Jane lernten wir als Nachbarn auf einem sehr einfachen, aber wunderschön gelegenen Campground kennen. Frank spielte abends und morgens fleißig auf seiner Gitarre, und Elke meinte, er erinnere sie ein wenig an Eric Clapton… Bluesmusik vor dem Campervan Ich sprach ihn morgens darauf an – und nach kurzer Zeit saßen alle vor unserem Camper und wir bekamen Kostproben aus seinem Repertoire zu hören, verbunden mit guten Gesprächen und heißem Kaffee. Dabei stellte sich …