Autor: Wolfgang

Bach im Teatro Colón

Was wir am Palmsonntag im Teatro Colón machen, fragt uns der Taxifahrer – eine Führung? Als er erfährt, dass wir dort hinfahren, um Musik von Johann Sebastian Bach zu hören, ist er begeistert. Da er etwas Deutsch kann, entspinnt sich eine lebendige Unterhaltung. Ja, natürlich kenne er Bach, un Gran Compositor de Alemania. Und dann noch im Colón, dem Stolz der Stadt, das zu den berühmtesten Opernhäusern der Welt gehöre! Hier hätten sie schon alle auf der Bühne gestanden, die großen Stars der Opernwelt wie die Callas oder der Caruso; aber auch Dirigenten wie Toscanini, Bernstein und Barenboim. Das Teatro Colón – ein Prachtbau Er hat nicht zu viel versprochen. Das nach Christoph Columbus benannte Opernhaus von Buenos Aires, 1908 eröffnet, ist ein klassisch-schöner Musiktempel im Stil der Mailänder Scala, so prächtig und glanzvoll, dass wir aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Und es ist groß, sehr groß sogar: Alles in allem bietet es dreieinhalbtausend Besuchern Platz, verteilt auf Parkett und sechs (!) Ränge. Trotz dieser Größe ist es auch berühmt wegen seiner wunderbaren Akustik. Dass …

Frühstücks-Blues und große Oper

Zwei Orte, zwei Zufälle, zweimal wundervolle Musik! Das eine Mal Blues zum Camper-Frühstück an der Mystery Bay an der wilden Küste von New South Wales. Das andere Mal eine Operngala im neuen ICC Sydney Theatre unmittelbar am Darling Harbour im Stadtzentrum. Vor etwa einer Woche lauschten wir Frank aus Brisbane, einem sympathischen Blues-und-Folk-Sänger mit seiner Gitarre. Und gestern Abend José Carreras, dem weltberühmten katalanischen Tenor, der zur Zeit auf seiner Welt-Abschiedstour „A Life in Music“ ist. So unterschiedlich beide Erlebnisse, die Orte und die Akteure waren, so ist ihnen doch eines gemeinsam: Musik bringt Menschen zusammen! Wie kam’s dazu? Frank Stoové und seine Frau Jane lernten wir als Nachbarn auf einem sehr einfachen, aber wunderschön gelegenen Campground kennen. Frank spielte abends und morgens fleißig auf seiner Gitarre, und Elke meinte, er erinnere sie ein wenig an Eric Clapton… Bluesmusik vor dem Campervan Ich sprach ihn morgens darauf an – und nach kurzer Zeit saßen alle vor unserem Camper und wir bekamen Kostproben aus seinem Repertoire zu hören, verbunden mit guten Gesprächen und heißem Kaffee. Dabei stellte sich …

„Frühstück mit Kängurus“ von Bill Bryson

Weder der Name des Autors (ein US-Bestsellerautor, oh mein Gott!;-) noch der deutsche Titel klingen vielversprechend. Eines von vielen seichten Reisebüchern, könnte man denken. Und dennoch habe ich Bryson’s Buch mit großem Vergnügen gelesen. Warum? Nun, Bryson hat sich auf zahlreichen Reisen durch Australien und durch sorgfältige Recherchen, darunter auch zu heiklen Themen, kundig gemacht, dies aber in sehr menschliche Geschichten verpackt. Er ist ein glänzender Erzähler, ausgestattet mit viel Witz und Ironie. Tatsächlich habe ich bei der Lektüre immer wieder lauthals über seinen skurrilen Humor gelacht. Und als Reise- und Wissenschaftsjournalist verkörpert er die angelsächsische Tugend, auch komplexe Sachverhalte unterhaltsam rüberzubringen. Die Originalausgabe erschien unter dem Titel „In a Sunburned Country“ und trifft es ebenso wenig, worum es in dem Buch geht. Er stellt nämlich gleich zu Beginn fest, wie ignorant der Rest der Welt mit Australien umgeht, wenn es den Kontinent auf Kängurus, Ayers Rock, das Great Barrier Reef, das Opera House von Sydney und AC/DC reduziert. Dann vielleicht noch die beliebten Horror-Geschichten über hochgiftige Spinnen und Schlangen, gefräßige Krokodile und Haie. Letztere …

Australian Open 2017: Die Federer-Festspiele

Aktualisiert am 29. Januar 2017 mit Bildern des Turniergewinners Roger Federer (in der Mitte des Artikels). Wir waren mit unseren Ground Pass beim Public Viewing im Gelände der Australian Open. Und nach der Siegerehrung in der Rod Laver Arena zeigte der Champion seinen Pokal auch den Fans, die keine Karten für das Endspiel hatten. Was für ein Erlebnis! Ich bin mit Björn Borg groß geworden, dem schwedischen Tennishelden der 70er Jahre.  Vermutlich hat er mich zum Tennisspiel animiert. Sein besonderer Spielstil (er galt als Revolutionär des Tennis), vielleicht aber mehr noch seine lange blonde Mähne haben mich – der Zeitgeist lässt grüßen –  für ihn eingenommen. Mit dem konnte ich mich identifizieren! Lange blonde Haare hatte ich damals auch. Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten. Während mein Tennis nie über die Kreisklasse hinauskam, gewann er sage und schreibe elf Grand Slam Titel, darunter mehrmals die Australian Open. Neben dem Tennismekka Wimbledon waren es genau diese Australian Open in Melbourne, die für mich damals eine Art Mythos waren. Einmal dorthin fahren und live dabei sein – das wär’s! Nun hat’s also geklappt, endlich! …

Die Schönen von Melbourne

Schönheit ist bekanntlich keine Frage des Alters. Von zwei Schönen will ich hier schwärmen: Die eine ist schon 161 Jahre alt, die andere gerade mal wenige Jahre. Die Rede ist von zwei Bibliotheken in Melbourne, die mich begeistert haben, obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Die eine, die State Library 0f Victoria, wurde 1856 eröffnet, ist ein repräsentativer Prachtbau und gilt als schönste klassische Bibliothek Australiens. Die andere ist ein Musterbeispiel für eine Bibliothek des 21. Jahrhunderts, besticht durch ihre überzeugende Architektur, ihr Konzept und die exzellente Lage am Ufer des rundum modernisierten Hafenbeckens von Victoria Harbour in Melbournes Docklands: die städtische Library at The Dock. Eine stolze Dame, altehrwürdig und quicklebendig Die State Library of Victoria ist Australiens älteste öffentliche Bibliothek und eine der ersten frei zugänglichen Bibliotheken der Welt. Was den Gründern wichtig war, ist, wie ich finde, aktueller denn je. Sie glaubten daran, dass der freie, ungehinderte Zugang zu Wissen entscheidend für die Entwicklung einer bürgerschaftlichen und florierenden Gesellschaft sei und konzipierten die Bibliothek als „the people’s university“ – ein Ort des Lernens …

Von Bauern, Banknoten und Teebeuteln

Was haben alltägliche Dinge wie Teebeutel, Kaffeefilter und Banknoten gemeinsam? Nun, sie werden aus Spezialpapier gemacht, das aus dem Rohstoff Abacafaser produziert wird. Abaca ist eine Pflanze, die nur auf den Philippinen wächst und aus deren Stamm lange, haarartige Fasern gewonnen werden. Die Philippinen beliefern damit nahezu allein den Weltmarkt – ein Top-Exportartikel also. Das Fatale ist nur: Die Produzenten, die philippinischen Bauern, verdienen bisher nur sehr wenig daran. Hier kommt mein Freund Matthias ins Spiel, den wir mit seiner Familie in Manila besucht haben. Nach seinem Master in Kulturgeographie hat er sich entschlossen, für die deutsche Entwicklungsarbeit tätig zu werden. Für drei Jahre betreut er auf den Philippinen mehrere Projekte. Was also lag näher, als ihm dazu ein paar Fragen zu stellen? Matthias, worum geht es bei deinen Projekten? Was sind die Ziele? Ziel ist es, die Einkommensgrundlage von Kleinbauern zu verbessern und die Produktion von Agrarprodukten (wie Abaca, Kokosöl oder Reis) nachhaltig zu gestalten. Der Großteil der philippinischen Kleinbauern besitzt nur kleine Parzellen von wenigen Hektar Land, wirtschaftet meist sehr extensiv und erreicht oftmals …

Die netten Rezeptionistinnen in Makati mit ihren Santa-Claus-Mützen

Santa Claus statt Buddha

Statt goldglänzender Tempel, Stupas und Buddhas, wie wir sie zuletzt in Nepal, Vietnam und Laos zuhauf gesehen haben, fallen uns auf den Philippinen sofort die aus Europa vertrauten Symbole des Christentums auf: Kreuze, Kirchen, Heilige. Aktuell, genauer gesagt seit September, kommen noch die überladenen Weihnachtsbäume und das ganze Lametta hinzu – und das bei tropischen Temperaturen um die 30 Grad. Da kommt so richtig besinnliche Adventsstimmung auf…   Der vorweihnachtliche Konsumrausch, der hier in Manilas heruntergekühlten Shopping Malls noch extremer ausfällt als zuhause, kann nicht verdecken, dass der Glaube bei den Filipinos tief verwurzelt, Religion im Alltag allerorten präsent ist. 333 Jahre spanische Kolonialgeschichte haben die Philippinen zu einer christlichen Bastion inmitten buddhistischer und islamischer Nachbarregionen (Indonesien, Malaysia) gemacht. Über 90 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum christlichen Glauben bzw. gehören der katholischen Kirche an. Wessen die Herrschaft, dessen die Religion, gilt also bis heute noch – 120 Jahre nach dem Ende der Herrschaft Spaniens über die Philippinen. Katholische Kirche in Bacalor nördlich von Manila: Das koloniale Erbe Schon in Afrika, Indien und Südostasien hat …

Zu Fuß im laotischen Bergland

Nach den entspannten Tagen in Luang Prabang fahren wir weiter nördlich ins Bergland von Laos, um dort für ein paar Tage zu wandern und abgelegene Bergdörfer zu besuchen. Interessant ist diese Region durch die dort lebenden Hmong, eine von nicht weniger als 49 Ethnien im Vielvölkerstaat Laos. Da jede dieser Ethnien ihre eigene Sprache spricht, viele der Bergbauern zudem kein Laotisch können, ist es wichtig, einen Guide zu haben, der ihre Sprache beherrscht. Mit Sii, einem jungen Mann aus der Nähe von Luang Prabang, haben wir Glück. Er spricht nicht nur Hmong, sondern auch recht gut Englisch und kennt sich mit der Natur und den ländlichen Lebensweisen hier oben gut aus. Von Nong Khiaw, einer schön am Nam Ou Fluss und inmitten einer eindrucksvollen Felslandschaft gelegenen Kleinstadt, machen wir uns auf den Weg. Die Sonne brennt schon am frühen Vormittag erbarmungslos, als wir unsere Wanderung durch Reisfelder beginnen. So sind wir dankbar, dass wir schon bald den Dschungel erreichen, der uns für die nächsten Stunden vor der prallen Sonne schützen wird. Allerdings schauen wir zunächst …

„Der stille Amerikaner“ von Graham Greene

Wie aktuell kann ein Roman über Machtpolitik und Moral, Krieg und Kriegsberichterstattung, Rolle des Westens und dessen folgenschwere Politik in den Kolonialgebieten sein, der in den 50er Jahren in Vietnam geschrieben wurde? Noch dazu, wenn er zugleich eine Geschichte erzählt, bei der zwei Männer zu Rivalen um eine attraktive Vietnamesin werden? Ich verspreche es: Sehr aktuell! Das Buch, das der britische Autor Graham Greene in der ersten Hälfte der 50er Jahre bei seinen Aufenthalten in Vietnam geschrieben hat, hat schon bei seiner Veröffentlichung 1955 eine ungewöhnlich starke politische Wirkung entfaltet. Und es erwies sich geradezu als prophetisch, was die Rolle der USA in Vietnam betrifft. Heute gelesen, drängen sich Vergleiche zu Lybien, Irak und Syrien geradezu auf. Doch zurück zum Buch. Da ist zum einen der Ich-Erzähler Thomas Fowler, ein vietnamerfahrener, abgebrühter britischer Korrespondent, der über den unerbittlich geführten Krieg der französischen Kolonialmacht gegen die immer stärker werdenden kommunistischen Vietminh im Norden berichtet, sich aber aus allem raushalten möchte. Schließlich sei das nicht „sein Krieg“. Das ändert sich allmählich, als er Alden Pyle kennenlernt, einen …

Brahms in Hanoi

Zufälle gibt’s! Noch ziemlich im Jetlag, bekamen wir am Morgen unserer Ankunft in Vietnam auf der Straße einen Zettel in die Hand gedrückt. Er hat uns sofort elektrisiert, denn es war die Ankündigung für ein Konzert im Opernhaus von Hanoi für den 13. Oktober – da würden wir also noch in der Stadt sein. Da mussten wir hin, noch dazu, weil sie so besonders war: Zur Aufführung sollte – sogar erstmalig in Vietnam – Johannes Brahms’ „Ein deutsches Requiem“ kommen, ein eindrucksvolles Werk für Orchester, Chor und zwei Solostimmen. Und „zufällig“ stand da dann noch der Name des Gewandhauschores Leipzig auf dem Programm, und – als Kooperationspartner – das hiesige Goethe Institut. Die zwei Karten waren rasch besorgt, und als wir beim Frühstück in unserem Hotel unserer sehr netten, gut deutschsprechenden Bedienung Bing davon erzählten, wollte sie mit. Sie hatte drei Jahre in Deutschland studiert und – tatsächlich! – so etwas wie Heimweh nach Deutschland und insbesondere der deutschen Kultur. Ihr Lieblingsfilm ist „Metropolis“ von Fritz Lang, den sie sich immer wieder gerne anschaut. Klar, …