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Be bear aware!

Ganz am Ende sehen wir tatsächlich noch einen: Im Grand-Teton-Nationalpark, auf einer kleinen Nebenstrecke, tappt zwei Autos vor uns ein Braunbär ganz gemütlich über die Straße. Schon seit vier Tagen werden wir dauernd vor ihm und anderen Bären gewarnt, denn wir wandern und zelten im Yellowstone- und im Grand-Teton-Nationalpark – und beide sind bear country.

Doch zurück zum Anfang: Vor fünf Tagen haben wir am Flughafen von Seattle unseren Mietwagen abgeholt. Dank unseres hervorragenden Reiselotsen Herbert Bröckel ist es ein ziemlich großes Auto – ein Hyundai Santa Fe – für einen ziemlich guten Preis und ohne Einweggebühr. Unser fünf-wöchiger Roadtrip von Seattle durch die Nationalparks im Nord- und Südwesten der USA bis hinunter nach San Francisco kann also beginnen.

Großeinkauf fürs Campen

Erster Stopp ist ein großer Walmart in der Nähe des Flughafens. Nach eineinhalb Stunden haben wir ein Zelt, eine Luftmatratze, Kopfkissen und Bettdecken, Campingstühle und -tisch, Propanflaschen und Kocher, Töpfe, Geschirr und Besteck, eine Kühlbox und viel Kleinkram gekauft. Knapp dreihundert Dollar geben wir dafür aus, so viel kosten hier schon zwei Nächte in einem günstigen Hotel. Und an diesem Wochenende sind ohnehin alle Unterkünfte besonders teuer und schon lange im Voraus ausgebucht. Am Montag ist Labour Day, im ganzen Land ist also langes Wochenende – und weil danach die Schule wieder angeht, sind wirklich alle noch einmal mit der gesamten Familie unterwegs.

Die ersten Nächte im Zelt

Zum Glück finden wir irgendwo auf dem Weg knapp zwei Fahrstunden nordöstlich von Seattle einen kleinen Campingplatz, der noch ein paar Plätze frei hat. Hier schlagen wir zum ersten Mal seit sehr sehr vielen Jahren unser Zelt auf – und sind begeistert, wie einfach das inzwischen geht. Nach zehn Minuten ist das kleine gelb-graue Zelt fertig aufgebaut, und noch einmal zehn Minuten später ist unser „Glamping“-Bett hergerichtet. Nach einem harmlosen Abendessen, mit dem wir unseren Kocher und das Geschirr eingeweiht haben, schlüpfen wir zufrieden in unsere Schlafsäcke und fühlen uns pudelwohl.

Zwei Tage später sieht das schon ein wenig anders aus. Wir sind inzwischen im Yellowstone Nationalpark angekommen und zelten zwei Nächte auf dem Bridge Bay Campground auf mehr als 2.300 Metern Höhe. Während es tagsüber wunderbar sonnig ist, wird es nachts richtig kalt. Das Thermometer sinkt unter Null – und für uns beide ist es das erste Mal, dass wir bei Minusgraden zelten. Trotz Skiunterwäsche, Daunenjacke, Schlafsack und Zudecken frieren wir ganz schön und brauchen am Morgen mehrere Tassen heißen Tee zum Wärmen. In der zweiten Nacht schlafen wir übrigens im Kofferraum unseres Autos – bei der Auswahl des Wagens hatten wir eigens darauf geachtet, dass wir die Rückbank umklappen und eine Luftmatratze reinlegen können. Wie gut! Denn im Auto ist es doch ein paar Grad wärmer als im Zelt.

Das Essen kommt in die Box

Die Teebeutel für den Frühstückstee haben wir – wie das Wasser und alle anderen Lebensmittel und Kochutensilien – in einer großen Box aus Metall gelagert, die nur mit einem ganz besonderen Handgriff geöffnet werden kann. Solche food storages gibt es auf allen Campingplätzen in bear country, manchmal sogar an Wanderwegen und Badeseen. Denn Bären haben einen feinen Geruchssinn und werden von allem, was nach Essen riecht, magisch angezogen. So kommt es pro Jahr im Durchschnitt zu 14 tödlichen Begegnungen zwischen Mensch und Bär. Schützen kann man sich mit Bärenspray, das man hier bei jeder noch so kleinen Wanderung mitnehmen soll.

Farbenprächtige Naturwunder

Tagsüber schauen wir uns die Highlights des Yellowstone-Nationalparks an: Den Old Faithful, der zwar noch zuverlässig, aber wenig beeindruckend ist; das Midway Geysir Basin, den Grand Prismatic Spring, den Grand Canyon of the Yellow Stone, den Yellowstone Lake und die Mammoth Hot Springs Terraces. Überall sprudelnde Geysire, farbenfrohe Bassins, heiße Quellen, schroffe Felsen – und immer wieder auch große Bisonherden, die in der weiten Hochebene grasen.

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Außer uns sind gefühlt alle US-Amerikaner, die keine schulpflichtigen Kinder mehr haben, gerade im Yellowstone-Nationalpark unterwegs und nutzen die Nachsaison. Das führt zu Staus (!) auf den Straßen durch den Nationalpark und zu völlig überfüllten Parkplätzen. Einsame und unberührte Natur hatten wir zwar nicht wirklich erwartet, einen solchen Ansturm Anfang September aber auch nicht.

Berge im Rauch

Der benachbarte Grand-Teton-Nationalpark, den wir als nächstes ansteuern, ist genauso voll. Alle wollen die majestätische Bergkette sehen, die uns Europäer stark an die Alpen erinnert.

Pech ist nur, dass seit rund sechs Wochen unzählige, großflächige Waldbrände in den nordwestlichen US-Bundesstaaten Washington, Idaho und Montana toben und der Himmel fast immer rauchverhangen ist. Die schönen Berge sind deshalb nur zu erahnen, von klarer Sicht kann keine Rede sein. Während in den internationalen Medien vom Hochwasser in Houston die Rede ist, haben die Menschen hier genau das gegenteilige Problem: Die lokalen Zeitungen in Montana titeln mit der schlimmsten Dürre seit Jahren.

Auch wir erleben das Thema Waldbrand schon seit Kanada mit. In Vancouver und auf Hornby Island war der Himmel fast immer smokey, die grandiose Bergkulisse sahen wir nur selten. Und als wir dann in den USA mit unserem Mietwagen von Seattle nach Yellowstone fuhren, hatten wir in einer Region schon nachmittags um drei einen so rauchig-dunklen Himmel, dass es wie abends um acht aussah.

Morgen fahren wir weiter in Richtung Süden. Da soll die Sicht wieder besser sein – und vielleicht läuft uns auf dem Weg dorthin ja noch einmal ein Bär über den Weg.

2 Kommentare

  1. Renata sagt

    Hallo Elke

    Ich verfolge Eure spannenden Reiseberichte und so habe ich erfahren dass Ihr demnächst in san Francisco sein werdet. Ich bin geschäfrlich von 20.-26.10. auch dort. Habt ihr vielleicht Lust aue ein Treffen?

    Renata
    (Aus Madagaskar)

    • Hallo Renata,

      Wir würden uns sehr gerne mit dir treffen, sind aber Ende Oktober schon auf dem Schiff von New York zurück nach Deutschland. Wird als in SF Leider nicht klappen. Aber ab November wohnen wir für fünf Monate in Konstanz, da ist es ja nicht weit in die Schweiz. Vielleicht klappt es da mal?

Wir freuen uns über Eure Kommentare!