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Brahms in Hanoi

Zufälle gibt’s! Noch ziemlich im Jetlag, bekamen wir am Morgen unserer Ankunft in Vietnam auf der Straße einen Zettel in die Hand gedrückt. Er hat uns sofort elektrisiert, denn es war die Ankündigung für ein Konzert im Opernhaus von Hanoi für den 13. Oktober – da würden wir also noch in der Stadt sein. Da mussten wir hin, noch dazu, weil sie so besonders war: Zur Aufführung sollte – sogar erstmalig in Vietnam – Johannes Brahms’ „Ein deutsches Requiem“ kommen, ein eindrucksvolles Werk für Orchester, Chor und zwei Solostimmen. Und „zufällig“ stand da dann noch der Name des Gewandhauschores Leipzig auf dem Programm, und – als Kooperationspartner – das hiesige Goethe Institut.

Die zwei Karten waren rasch besorgt, und als wir beim Frühstück in unserem Hotel unserer sehr netten, gut deutschsprechenden Bedienung Bing davon erzählten, wollte sie mit. Sie hatte drei Jahre in Deutschland studiert und – tatsächlich! – so etwas wie Heimweh nach Deutschland und insbesondere der deutschen Kultur. Ihr Lieblingsfilm ist „Metropolis“ von Fritz Lang, den sie sich immer wieder gerne anschaut. Klar, dass wir gleich beschlossen, dass wir zu dritt ins Konzert gehen.

Ein Opernhaus mit bewegter Geschichte

Das Opernhaus in Hanoi ist ein repräsentativer Prachtbau. Von den französischen Kolonialherren nach Pariser Vorbild im Beaux-Arts-Stil errichtet und 1911 eröffnet, hat es eine wechselvolle Geschichte hinter sich. So diente es einige Zeit auch als Versammlungsstätte der revolutionären Viet Minh. 1945 holten diese dann erstmalig die Trikolore ein und ersetzten sie durch ihre rote Flagge mit dem goldenen Stern. Auf dem Dach des frisch renovierten Opernhauses weht sie übrigens noch heute. Das hat schon was…

Musik verbindet – quer durch Kulturen

Der Abend war, wie sollte es anders sein, beeindruckend. Natürlich wollten wir schon vor dem Konzert da sein, das schöne Haus genießen und das ankommende Publikum beobachten: Eine Mischung aus Einheimischen aller Altersstufen und zahlreichen Deutschen, die offenbar im Goethe Institut arbeiten oder zum Freundeskreis gehören. Auch dessen Leiterin war zugegen und „hielt Hof“.

Dann das Konzert: Den Orchesterpart übernahm das Vietnam National Symphony Orchestra unter der Leitung des japanischen Dirigenten Honna Tetsuji, auch die beiden Solostimmen waren hervorragend besetzt. Wer Brahms kennt und schätzt, der weiß, dass das Erlebnis seiner Musik stets sehr intensiv und berührend ist. So erging es auch uns beim „deutschen Requiem“ in Hanoi. Auch Bing war begeistert und so gerührt, dass sie kaum ihr Tränen zurückhalten konnte. Die Sprache der Musik verbindet.

Wie gesagt: Zufälle gibt’s – glücklicherweise können wir uns auf dieser Reise endlich die Zeit nehmen, sie auch wahrzunehmen…

Hier noch ein paar Fotos von diesem schönen Abend in der Oper und dem vorherigen Besuch in einem tollen Restaurant. Bitte einfach auf ein Bild in der Galerie klicken, dann wird es größer.

2 Kommentare

  1. gUDRUN! sagt

    Wow, Brahms in Hanoi! Das ist wahrhaft ein beneidenswerter Glücksfall. Wünsche euch davon noch viele mehr – …und wäre gern dabei gewesen!

    • Die Crew sagt

      Ja, wir hoffen der nächste Glücksfall ist dann so schöner Jazz wie Du ihn singst 😊

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