Alle Artikel in: gute Bücher

Gute Bücher

Eine Stadt zum Auswandern?

Kunst und Künstler. Auf Schritt sind sie präsent in Santa Fe, der Hauptstadt New Mexikos im Südwesten der USA. Auf unserem Roadtrip durch die Vereinigten Staaten machen wir hier Station, und ich erkunde für Heike Hofmann bei der monatlichen Wunschaktion das besondere Flair dieser Stadt. Denn hierhin ist die  Schweizer Bestsellerautorin Milena Moser ausgewandert und hat darüber zwei Bücher geschrieben. Wäre das auch was für uns? Verliebt in ein Haus Den Artikel findet Ihr auf der online-Reise-Seite der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung und in der Printausgabe von diesem Wochenende. Die beiden Bücher „Das Glück sieht immer anders aus“ und „Hinter diesen blauen Bergen“ finde ich übrigens richtig gut. Aber selbst in einer Casita in Santa Fe zu leben, können wir uns gar nicht vorstellen – obwohl es viele schöne Ecken gibt: Ein Wunsch für New York? Die letzte große Station unserer Weltreise ist New York im Oktober. Habt Ihr einen Wunsch, den ich dort erfüllen kann? Oder ein besonderes Thema, über das ich berichten soll? Da wir danach zurück nach Deutschland fahren, könnte ich auch was mitbringen… Also: Macht …

„Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano

Ob ich „den Galeano“ kenne? Auf unseren Reisen durch Argentinien, Chile, Bolivien und Peru wurde ich zum wiederholten Male auf dieses Buch angesprochen, vor allem von jungen Leuten. Tenor: Eine Art „Bibel der Unterdrückten“ und Pflichtlektüre, wenn ich mehr über die historischen und politischen Zusammenhänge Lateinamerikas erfahren wolle. Und mehr über die Ursachen der andauernden ökonomischen und politischen Krisen der Länder dort, über deren jahrhundertelange systematische Ausbeutung und Abhängigkeiten vom Weltmarkt, insbesondere im Zeichen des „Freihandels“. Zwar schon 1971 veröffentlicht, aber immer noch hochaktuell. Geschichtsschreibung mit Leidenschaft Tatsächlich hatte ich „den Galeano“ schon kurz nach seinem Erscheinen verschlungen, vermutlich 1974/75, also während meines Studiums der Geschichte. Ich hatte ihn in mehreren Nächten gelesen und war begeistert: von der Klarheit und Leidenschaftlichkeit, mit der der aus Uruguay stammende Autor die Geschichte Lateinamerikas von der Unterwerfung und Kolonisation durch die Spanier und Portugiesen bis zu den Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts und deren westliche Helfer (allen voran die USA)  in einem großen Wurf dargestellt hat. Dies ganz bewusst nicht aus der Sicht „der Sieger“, sondern aus der Perspektive der …

Alexander von Humboldt
und die Entdeckung der Natur

Vor uns die Wüste, am nahen Horizont die schneebedeckten Andengipfel. Diese zauberhafte Landschaft hätte Alexander von Humboldt auch fasziniert. Er war zwar nie in der Atacama-Wüste – wo wir gerade sind -, aber er hatte auf seiner berühmten Südamerikareise Andengipfel bestiegen, Regenwälder durchquert und war von der üppigen Flora und Fauna ebenso begeistert wie von kargen Steppen- und Wüstenlandschaften, die wir hier im Norden Chiles vorfinden. Besonders schlugen ihn Vulkane und Geysire in seinen Bann – auch die erleben wir hier geradezu hautnah. Alles hat er systematisch erforscht, aber im Gegensatz zu anderen Naturforschern war Humboldt nicht darauf aus, Objekte zu sammeln und in Kategorien zu stecken. Vielmehr interessierten ihn die großen Zusammenhänge in der Natur und zwischen Kosmos, Natur und Mensch. Humboldt neu zu entdecken und seinen modernen Blick auf die Natur zu begreifen, ist das Verdienst der großartigen Humboldt-Biographie von Andrea Wulf. Seit ich sie gelesen habe, sehe auch ich die Natur mit etwas anderen Augen. Aguas Calientes mit Blick auf die Anden Eine neue Sicht auf Humboldt Ein ganz Großer der Forschung, …

„Frühstück mit Kängurus“ von Bill Bryson

Weder der Name des Autors (ein US-Bestsellerautor, oh mein Gott!;-) noch der deutsche Titel klingen vielversprechend. Eines von vielen seichten Reisebüchern, könnte man denken. Und dennoch habe ich Bryson’s Buch mit großem Vergnügen gelesen. Warum? Nun, Bryson hat sich auf zahlreichen Reisen durch Australien und durch sorgfältige Recherchen, darunter auch zu heiklen Themen, kundig gemacht, dies aber in sehr menschliche Geschichten verpackt. Er ist ein glänzender Erzähler, ausgestattet mit viel Witz und Ironie. Tatsächlich habe ich bei der Lektüre immer wieder lauthals über seinen skurrilen Humor gelacht. Und als Reise- und Wissenschaftsjournalist verkörpert er die angelsächsische Tugend, auch komplexe Sachverhalte unterhaltsam rüberzubringen. Die Originalausgabe erschien unter dem Titel „In a Sunburned Country“ und trifft es ebenso wenig, worum es in dem Buch geht. Er stellt nämlich gleich zu Beginn fest, wie ignorant der Rest der Welt mit Australien umgeht, wenn es den Kontinent auf Kängurus, Ayers Rock, das Great Barrier Reef, das Opera House von Sydney und AC/DC reduziert. Dann vielleicht noch die beliebten Horror-Geschichten über hochgiftige Spinnen und Schlangen, gefräßige Krokodile und Haie. Letztere …

„Der stille Amerikaner“ von Graham Greene

Wie aktuell kann ein Roman über Machtpolitik und Moral, Krieg und Kriegsberichterstattung, Rolle des Westens und dessen folgenschwere Politik in den Kolonialgebieten sein, der in den 50er Jahren in Vietnam geschrieben wurde? Noch dazu, wenn er zugleich eine Geschichte erzählt, bei der zwei Männer zu Rivalen um eine attraktive Vietnamesin werden? Ich verspreche es: Sehr aktuell! Das Buch, das der britische Autor Graham Greene in der ersten Hälfte der 50er Jahre bei seinen Aufenthalten in Vietnam geschrieben hat, hat schon bei seiner Veröffentlichung 1955 eine ungewöhnlich starke politische Wirkung entfaltet. Und es erwies sich geradezu als prophetisch, was die Rolle der USA in Vietnam betrifft. Heute gelesen, drängen sich Vergleiche zu Lybien, Irak und Syrien geradezu auf. Doch zurück zum Buch. Da ist zum einen der Ich-Erzähler Thomas Fowler, ein vietnamerfahrener, abgebrühter britischer Korrespondent, der über den unerbittlich geführten Krieg der französischen Kolonialmacht gegen die immer stärker werdenden kommunistischen Vietminh im Norden berichtet, sich aber aus allem raushalten möchte. Schließlich sei das nicht „sein Krieg“. Das ändert sich allmählich, als er Alden Pyle kennenlernt, einen …

„Atlas eines ängstlichen Mannes“ von Christoph Ransmayr

„Geschichten ereignen sich nicht, Geschichten werden erzählt.“ Mit diesem einfachen, aber klugen Satz leitet Christoph Ransmayr die Sammlung seiner 70 kurzen Erzählungen aus aller Welt ein. Zugleich erinnert er uns daran, dass wir fast alles, was wir von der Welt zu wissen glauben, nur aus Erzählungen – oder Berichten, Dokumentationen etc. – kennen. Und dass wir das, was wir selbst erlebt haben, zu unseren Geschichten machen, wir also letztlich alle Geschichtenerzähler sind. Und dass man selbst raus muss in die Welt, um zu schauen, zu beobachten, zu verstehen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ransmayr war selbst viel unterwegs, ist viel gereist. Er hat sich dabei an Orte begeben, die oft unscheinbar, aber meist unbequem sind, ist viel gewandert, hat sich teilweise extremen Bedingungen, oft auch Gefahren ausgesetzt. Jeder neue Ort setzt auch eine neue Geschichte in Gang. Dabei ging es ihm offenkundig gerade nicht um die Exotik des Fremden oder Berichte über Sehens- bzw. Merkwürdigkeiten. Eher um Alltägliches, das sich oft erst auf den zweiten Blick erschließt und meist interessanter und anregender, mitunter sogar …

„Gebrauchsanweisung für Indien“ von Ilija Trojanow

Wohl jeder von uns hat seine Bilder von Indien im Kopf: Die farbenfrohen Saris der Frauen, den betörend schönen Taj Mahal, Yoga, Ayurveda und die Gurus, die berühmten heiligen Kühe oder Elendsbilder bitterer Armut. Nicht zu vergessen die „Spiritualität Indiens“, die seit jeher Sinnsucher en Masse in das Land zieht. Aktuell steht Indien aber auch für einen IT- und Software-Boom. Kaum ein Land lädt so zu Abziehbildern ein wie Indien. Dabei ist es ebenso vielfältig wie widersprüchlich. Wer – wie wir – Indien zum ersten Mal bereist, noch dazu gleich zwei Wochen in der 20- Millionen-Metropole Delhi verbringt, erlebt einen Kulturschock. Scheinbar alles ist hier anders: Der Kontrast zwischen arm und reich ist viel schärfer, Armut ist hier überall und drastisch sichtbar, die unglaublich vielen Menschen, die alle ständig unterwegs zu sein scheinen, der chaotische, ohrenbetäubend laute Verkehr, die Strukturlosigkeit der Städte, der Müll. Und überall Symbole einer Religion, der man nachsagt, sie habe so viele Götter, wie es Inder gibt: der Hinduismus. Wie kann man ein solches Land verstehen? Indienkenner Ilija Trojanow Wir greifen – …

„Dreizehn Stunden“ von Deon Meyer

Es ist schon komisch: Ich liege spätabends in der Campstreet in Kapstadt auf dem Bett und lese – und die Handlung des spannenden Thrillers „Dreizehn Stunden“ von Deon Meyer spielt direkt vor unserer Haustür. Zwei Morde passieren – natürlich nur im Buch – in Gardens, also dem Stadtteil, in dem wir seit drei Wochen wohnen und uns so wohlfühlen. Und das fiktive Drama nimmt seinen Lauf in einer Bar, die beim richtigen Namen genannt wird und nur 100 Meter Luftlinie von uns entfernt ist. Was nimmt mich daran so mit? Ganz einfach: Die Frage, ob ich der jungen Frau geholfen hätte, wenn sie mich morgens um vier auf der Straße getroffen und um Hilfe gebeten hätte. Doch zunächst zur Geschichte: Die junge amerikanische Rucksacktouristin Erin wird tot in Gardens aufgefunden, und ihre Freundin Rachel ist auf der Flucht vor den Tätern, die auch hinter ihr her sind. Sie rennt und rennt, die Klof Street hoch, die Campstreet (!) entlang, die Straße zum Tafelberg hinauf – und ganze zwei Mal hat sie das Glück, auf jemanden zu treffen. Doch was passiert? Niemand …

„Licht und Schatten in Namibia“ von Anna Mandus

Namibia hat mehr als hohe Dünen, wilde Tiere und weite Landschaften zu bieten. Wer als Reisender hinter die Kulissen blicken und mehr über den Alltag und das öffentliche Leben erfahren will, dem sei ein Buch von Anna Mandus empfohlen: In flott geschriebenen Kapiteln beleuchtet sie die Realität Namibias aus der Sicht einer Deutschen, die 2008 hierher gezogen ist, um einen waschechten „Südwester“ zu heiraten. Mit Humor und ironischem Blick auf typische Namibia-Klischees (so die Schwarzwälder-Kirschtorte, die als Relikt aus der deutschen Kolonialzeit übriggeblieben ist), gelingt es ihr, ein sympathisches, bisweilen aber auch schonungsloses Bild der Verhältnisse zu zeichnen: Hohe Arbeitslosigkeit erzeugt, wie andernorts auch, hohe Kriminalitätsraten, Aids und Alkoholismus plagen das Land. Traditionelles  Stammesdenken und patriarchalische Strukturen prägen das Leben der Schwarzen. Währenddessen bauen die Deutschen hohe Mauern um ihre Grundstücke und schicken ihre Kinder in Schulen, um dort Gedichte aus der Romantik zu interpretieren, aber kaum etwas über die aktuelle politische Situation in Deutschland und Europa zu erfahren. Zugleich schildert sie zahlreiche positive Entwicklungen: Wie die Frauen Namibias sich zu einer neuen Elite formieren, …

„Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ von Benno Martin

Zweieinhalb Jahre Kampf ums Überleben in der Wüste. Zwei deutsche Geologen, die sich seit 1935 zu Forschungszwecken in Namibia aufhalten, verstecken sich 1940 in einem abgelegenen Canyongebiet, um der Internierung durch die südafrikanische Mandatsmacht zu entgehen. In seinem packend geschriebenen Buch beschreibt Benno Martin, wie er, sein Freund und Kollege Hermann Korn und Otto, ihr Hund, in einer extrem menschenfeindlichen Umgebung tagtäglich ums Überleben kämpfen, aber auch, wie sehr sie an dieser Herausforderung wachsen. Gleichzeitig, und das macht dieses Buch wirklich lesenswert, reflektieren sie ihre Situation als „Aussteiger“ zivilisationskritisch: Während Nazi-Deutschland Europa überfällt und brutal unterwirft (was sie von Zeit zu Zeit im Radio verfolgen können), fragen sie sich aus der Sicht unfreiwilliger „Buschmänner“, wie weit es Europa mit seiner Kultur und Zivilisation gebracht hat. Sie können nur deshalb zweieinhalb Jahre im Kuiseb-Canyon überleben, weil sie als Geologen die Gegend schon gut kannten, aber auch, weil sie sich völlig an die Natur anpassten und von ihr lernten. Noch vor Kriegsende mussten sie aber aufgeben, da einer der beiden wegen Vitaminmangel schwer erkrankte. Schlussendlich wurden beide angesehene …