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Farbenfrohe
Meisterwerke von David Hockney

Direkt am Eingang sitzt eine Gruppe älterer Damen und sucht fieberhaft nach einer App fürs iPad. Sie sind wohl ungefähr im Alter von David Hockney – der große britische Maler wird noch in diesem Jahr 80 – und besuchen seine aktuelle Ausstellung „current“ in der National Galerie of Victoria in Melbourne. Und hier sind gleich im Eingangsbereich die Bilder zu sehen, die David Hockney in den letzten Jahren mit dem iPhone und iPad gezeichnet und gemalt hat. Kein Wunder also, dass die Damen inspiriert sind.

Die Ausstellung zeigt mehr als 1.200 Werke des weltberühmten britischen Malers, der unglaublich kreativ und aktiv ist und offenbar jeden Tag gleich mehrere neue Zeichnungen am iPhone und iPad macht, und darüber hinaus natürlich auch weiterhin in herkömmlicher Weise Bilder malt.

Strich für Strich nachvollziehbar

Das Besondere an der Ausstellung: Als Besucher/innen sehen wir, wie die Zeichnungen entstehen. iPhones hängen an der Wand und zeigen im Zeitraffer den Entstehungsprozess der unglaublich farbenfrohen Bilder, daneben sind die Ergebnisse im Ausdruck zu sehen. Die Bilder sind zwischen 2009 und 2016 am iPhone entstanden und zeigen Portraits ebenso wie Alltagsgegenstände: ein Teeglas, eine Wasserflasche, verschiedene Blumensträuße und immer wieder ein Bonsaibäumchen auf dem Fensterbrett.

Farbenfrohe iPhone-drawings:

Seit 2010 malt David Hockney auch auf dem iPad. Und wie es im Ausstellungstext heißt, führte das zu „the largest change in Hockney´s drawing technique at this time (…).“ Denn die Oberfläche des iPads ist viel größer als die des iPhones und einem herkömmlichen Skizzenbuch viel ähnlicher. Zudem ging Hockney am iPad dazu über, mit dem stylus, einem elektronischen Stift, statt mit dem Finger zu malen.

Großformatige iPad-Landschaftsbilder

Diese Technik erlaubt es Hockney, auch großformatige Landschaftsbilder auf dem iPad zu malen. Einige Prints sind bis zu vier Meter hoch  und an einem ebenso großen Screen läuft ein Video, das den Entstehungsprozess eines Landschaftsbildes des Yosemite National Parks in den USA zeigt. Wir sehen, dass Hockney auf seiner elektronischen Palette mal rechts unten einen feinen grünen Strich aufträgt, dann rechts oben ein breites Blau ergänzt, um gleich darauf ein zartes Weiß zu setzen. Vor unseren Augen entsteht eine Landschaft  – und immer, wenn wir denken, dass das Bild fertig ist, setzt er noch einmal an und ergänzt ein paar Nadeln am Baum oder einen Schatten am Berg. Bis das farbenfrohe Meisterwerk fertig ist.

Großformatiges iPad-drawing:

82 Portraits und ein Stillleben

Ein weiteres Highlight der Ausstellung sind 82 Portraits von berühmten und weniger berühmten Menschen, die in der 60 Meter langen Portraithalle gezeigt werden. Ergänzt um ein Stillleben des Stuhls, auf dem alle Portraitierten Modell saßen. Diese Bilder sind ganz konventionell auf der Leinwand entstanden – jedes Bild in lediglich drei Tagen. Gemalt hat David Hockney Familienmitglieder, Freunde und Förderer, aber auch seine Putzfrau und seinen Zahnarzt. Jeder sitzt auf dem gleichen Stuhl vor dem gleichen Hintergrund, und doch ist jedes Porträt sehr individuell durch Kleidung, Körperhaltung, Gesichtsausdruck und durch den Blick das Malers auf die Person. Bei einigen Portraits sind wir uns ziemlich sicher, dass der oder die Portraitierte nicht ganz so glücklich ist über den Eindruck, den das Bild vermittelt. Aber vom berühmtesten zeitgenössischen britischen Maler portraitiert zu werden, ist natürlich so oder so eine Auszeichnung.

82 Portraits auf Leinwand:

In den letzten Ausstellungsräumen sind weitere aktuelle Arbeiten zu sehen, so genannte photographic drawings, in denen sich Hockney mit der Frage auseinandersetzt, ob Fotos tatsächlich immer „the truth“ abbilden. Auch dieses Thema geht er spielerisch und publikumsorientiert an. Die „4 blue stools“ stehen mitten im Raum und laden zum Sitzen und Posieren für das iPhone-Selfie mit Kunstwerk ein.

Die App, mit der David Hockney – und vielleicht auch die alten Damen vom Eingang – am iPad malt, heißt übrigens brushes.  Vielleicht wollt Ihr sie ja auch mal ausprobieren.

Die raumfüllenden Arbeiten „The chairs“ und „4 blue stools“:

Das Ausstellungsplakat und das letzte Kunstwerk der Ausstellung:

Die Ausstellung ist noch bis zum 13. März 2017 täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen:  www.ngv.vic.gov.au

3 Kommentare

  1. Pingback: Alles kostenlos: Fünf Tipps für Melbourne und Umgebung | WELTREISE-logbuch.de

  2. gUDRUN sagt

    D A N K E! mal wieder für einen wunderbaren Artikel! Fast meint man schon selbst in der Ausstellung zu sein bei den tollen Bildern und Beschreibungen die ihr liefert!
    Müsste man nicht einmal um die Welt jetten um diese fantastische Ausstellung zu sehen, ich wäre am Wochenende dort! 😊Liebe Grüße nach down under schickt gUDRUN!

    • Ach wie schön, liebe Gudrun! Ich versuche mal, ein gutes Wort dafür einzulegen, dass die Ausstellung auch noch nach Nürnberg kommt. Ich weiß nur nicht so genau, an wen ich mich da wenden muss…

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