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Kunst und Kultur vor Kolumbus

Als er kommt, sind sie schon lange da. Er ist Christoph Kolumbus, genuesischer Seefahrer, der im 15. Jahrhundert im Dienste Spaniens unterwegs ist und 1492 Amerika „entdeckt“. Sie sind die Mapuche, die Ureinwohner des Südens von Chile und Argentiniens, die sich selbst „Menschen der Erde“ nennen und seit jeher in Einklang mit der Natur leben. Wir wollten mehr über sie – und auch über die Kunst und Kultur anderer indigener Völker vor der Entdeckung durch die Europäer – erfahren und besuchten heute das Museo Chileno de Arte Precolombino in Santiago de Chile. Es hat sich gelohnt.

Friedlicher Gott

Am Eingang begrüßt uns eine Steinskulptur, die zur San-Agustín-Kultur im heutigen Südkolumbien zählt. Die Figur ist knapp einen Meter hoch, stammt aus der Zeit um das Jahr 500 nach Christus und zeigt eine friedliche Götterfigur, die einen freundlich in den Museumsräumen empfängt.

Musikalischer Krieger

Gleich daneben sehen wir in der Vitrine einen bewaffneten Krieger (rechte Figur). Er ist knapp 20 Zentimeter hoch und wird der ecuadorianischen Jama-Coaque-Kultur zugeschrieben, die von 600 vor bis 400 nach Christus dauerte. Begleitet wird er von einem Musiker mit Flöte –  beide Figuren sind in vielen amerikanischen Kulturen auf das Engste miteinander verknüpft.

Umfangreiche Sammlung

Weiter geht es mit roten und braunen Schalen aus Ton, mit hölzernen Pfeifen für schamanische Rituale, mit bunt gewebten Tüchern und Teppichen, mit silbernem und goldenem Schmuck, mit kupfernen Masken für Totenzeremonien und, und, und. Das Museum für präkolumbische Kunst mit seiner riesigen Sammlung bietet eine gute Einführung in die Kunst Mittel- und Südamerikas vor den Europäern und auch über die bekannten Kulturen der Maya, Inka und Azteken hinaus.

Entwurzelte Mapuche

Ein Schwerpunkt des Hauses liegt auf den Mapuche, dem indigenen Volk Chiles. Wie ich unter www.blickpunkt-lateinamerika.de/mapuche.html nachlese, sind sie „das einzige indigene Volk Lateinamerikas, das der spanischen Eroberung standhielt und der Krone einen über Jahrhunderte geltenden Status quo abrang. Nach der chilenischen Unabhängigkeit (1818) begann in den 1860er Jahren die Entrechtung: Einmarsch der Armee, Enteignung, Niedergang der eigenen Traditionen und Sprache. Erst seit einigen Jahren beginnt eine Neubesinnung auf die eigene Kultur und Identität.“ Wie bitter: Nicht die spanischen Eroberer, sondern die Generation der chilenischen Staatsgründer ist für die kulturelle Entwurzelung der Mapuche verantwortlich.

Das Museum in der chilenischen Hauptstadt ist eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der Kultur Chiles vor der Gründung des Nationalstaats und zeigt zum Beispiel diese überlebensgroßen Grabfiguren der Mapuche oder üppigen Silberschmuck, den die Frauen noch heute zu besonderen Anlässen tragen.

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