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Stürmische Heimkehr

„Sturmtief Herwart fegt über Deutschland.“ So titelte die Tagesschau – und wir waren mittendrin. Eigentlich sollte unsere Transatlantik-Passage mit der Queen Mary 2 gestern Abend in Hamburg enden, heute wollten wir schon in Berlin bei Hannah und Lissy sein. Doch das Wetter wollte es anders…

Über weite Teile von Norddeutschland zog Sturmtief Herwart in der Nacht hinweg und brachte Böen in Orkanstärke mit sich. Unser Kapitän hatte uns schon mittags darauf vorbereitet, dass die See im Lauf des Tages rauer werden wird.Und sie wurde so rau, dass die Hamburger Hafenbehörde uns aus Sicherheitsgründen die Einfahrt in die Elbe nicht erlauben konnte. Wir hatten also eine ziemlich stürmische Nacht und verbrachten heute einen zusätzlichen Tag am Schiff.

Seit dem späten Nachmittag hat sich die Lage zum Glück beruhigt, hin und und wieder kam sogar die Sonne durch. Gegen 14 Uhr fuhren wir dann schließlich von der Nordsee in die Elbe ein und nähern uns jetzt langsam dem Hamburger Hafen. Um 21 Uhr sollen wir dort einlaufen, noch ein letztes Mal im sicheren Hafen übernachten und morgen an Land gehen.

Die Weltreise ist damit wirklich zu Ende – mit einer ziemlich stürmischen Rückkehr nach Deutschland. Wer weiß, wofür das ein Zeichen ist?

Mit der Queen Mary 2 über den Atlantik

„Good afternoon ladies and gentlemen – this is your captain.“ Mit diesen Worten beginnt Christopher Wells jeden Mittag pünktlich um 12 Uhr seine offizielle Durchsage. Wir befinden uns an Bord der Queen Mary 2 auf der letzten Etappe unserer Reise um die Welt. Nun geht es „nur noch“ von New York nach Hamburg, einmal quer über den Atlantik. Neun Tage dauert diese Reise mit dem Schiff statt neun Stunden mit dem Flugzeug. Ganz bewusst haben wir uns für diese langsame Art des Reisens entschieden, denn wir wollen uns behutsam der alten Heimat und der Rückkehr in ein normales Leben nähern.

Entdeckt haben wir die Schiffspassage – wie so viele Dinge auf dieser Reise – durch einen Zufall. Als wir im April dieses Jahres zum zweiten Teil unserer Weltreise aufbrechen, sehe ich im Flugzeug von Madrid nach Buenos Aires eine Anzeige. Im Bordmagazin wirbt die Reederei Cunard Lines für ihre unterschiedlichen Transatlantik-Passagen – und bietet im Oktober besonders günstige Kabinen an. Wer mich kennt, weiß, dass ich Schnäppchen liebe – und so nehme ich die Anzeige mit in unser airbnb-Apartment in Buenos Aires. Wir erkunden die Stadt, wir nehmen Spanischunterricht, wir wagen einen Tangoabend – und wir sprechen hin und wieder über das Schiff: Wollen wir uns jetzt schon festlegen, wann wir zurückfahren? Hat das Angebot einen Haken? Passt diese Art des Reisens zu uns?

Nach einigem Hin und Her, entscheiden wir uns dafür, schließlich wollen wir auf der Reise auch immer wieder Neues ausprobieren. Und die Vorstellung, am Ende ganz langsam nach Hause zu fahren und noch einmal Zeit zum Nachdenken zu haben, spricht uns an. Über Herbert Bröckel, unseren Reiselotsen in Deutschland, buchen wir die Passage, wissen alles bestens geregelt und erkunden Lateinamerika auf eigene Faust.

Ein echter Ozeandampfer

Inzwischen ist es sieben Monate später, und wir sind wirklich an Bord der Queen Mary 2. Zusammen mit 2.498 anderen Passagieren aus insgesamt 31 Nationen. Die meisten sind US-Amerikaner, Briten und Deutsche, denn das Schiff startet in New York, legt in Southampton an und endet schließlich im Hamburger Hafen. Offizielle Bordsprache ist Englisch, aber wir hören auch ganz viel Deutsch und lernen an Bord einige nette Landsleute kennen. Das langsame Annähern an die Heimat beginnt also schon hier.

Wir führen – bei gutem Essen und einem Gläschen Wein – angeregte Gespräche über Kunst, Kultur und Politik. Und auch unsere Kleidung verrät nicht mehr, dass wir in den letzten Wochen im Zelt übernachtet und tagsüber meist in T-Shirt und kurzen Hosen herumgelaufen sind. An Bord des Ozeandampfers gilt eine strenge Kleiderordnung – was wir bei der Buchung nicht wirklich bedacht haben – und vor allem ich mache mich in ein paar Tage vor dem Ablegen des Schiffs ziemlich verrückt. In New York suche ich ewig nach einem kleinen Schwarzen, das mir passt und bezahlbar ist. Dazu kommen dann noch Schuhe, und am Freitag morgen – nur ein paar Stunden bevor wir auf das Schiff gehen – kaufe ich mir noch panisch eine schwarze Hose und schwarze Bluse. Wolfgang nimmt das Ganze viel gelassener, kauft sich aber auch einen blauen Anzug und später an Bord noch eine Fliege (!). So sind wir gerüstet für die Abende an Bord, die formale Kleidung erfordern…

An Pier 12 in Brooklyn wird es ernst

Das Gute an diesen Vorgaben ist, dass ich in New York gar keine Zeit mehr habe, über die Heimreise, über das Ende der Weltreise, über das Leben danach nachzudenken. Viel lieber genieße ich New York in vollen Zügen – und erst als wir in das Uber-Taxi steigen, das uns zum Pier 12 in Brooklyn bringt, werde ich deswegen nervös. Sind wirklich schon eineinhalb Jahre vorbei? Wie wird es zuhause sein? Können wir nicht einfach in New York bleiben? Fragen über Fragen schießen mir durch den Kopf während ich aus dem Fenster schaue und wir von Harlem an Manhattan vorbei nach Brooklyn fahren. Gestern sind wir noch – wie Hunderte andere Touristen – von Brooklyn nach Manhattan über die Brooklyn Bridge gelaufen, heute fahren wir mit dem Auto in die andere Richtung und sehen von der Brücke aus die Queen Mary 2 am Pier liegen. Ein stolzes und schönes Schiff. Ein Schiff, auf das der Begriff Ozeandampfer noch zutrifft.

Bei strahlendem Sonnenschein checken wir am 20. Oktober nachmittags um 15.30 Uhr ein. Die Formalitäten gehen schnell und absolut unkompliziert über die Bühne, obwohl wir aus den USA ausreisen. Und schon eine halbe Stunde später sind wir in unserer Kabine mit der Nummer 4101 und finden eine kleine Flasche Sekt zur Begrüßung. So kann es gerne weiter gehen…

Mit Blick auf die Freiheitsstatue und die Skyline von Manhattan stoßen wir an und legen ein paar Stunden später vor dieser wunderbaren Kulisse ab. Inzwischen ist es dunkel geworden, und wir sehen zum Abschied das Lichtermeer von Manhattan, die beleuchtete Brooklyn Bridge und das Empire State Building, dessen Spitze heute lila strahlt.

Pianomen aus dem Allgäu

Abends gehen wir zum ersten Mal in das schicke Britannia Restaurant, in dem nun jeden Abend ein Tisch für uns reserviert ist. Das viergängige Menü hier ist auch in der vegetarischen Variante sehr gut. Und danach können wir jeden Abend aussuchen, ob wir noch einen Drink in der Bar nehmen (immer), uns ein Musical im Bordtheater (manchmal) anschauen oder zum Maskenball (nie) gehen. Das Programm ist bunt und bietet jeden Tag die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Uns beeindrucken vor allem die Vorträge von Mark Landler, er ist Journalist der New York Times und seit Jahren deren White House Correspondent.

Und wir genießen die beiden Konzerte von Pianotainment von Stephan Weh und Marcel Dorn. Im Cafe lernen wir die beiden „Jungs“ aus dem Allgäu, die mit ihrem Programm um die ganze Welt reisen, später auch noch persönlich kennen.

Europa rückt näher

Inzwischen ist schon Tag fünf unserer Seereise angebrochen. Kapitän Wells erläutert uns – gewürzt mit einer Prise britischen Humors – dass wir seit New York schon 2.300 Seemeilen zurückgelegt haben und damit zum ersten Mal auf dieser Seereise näher an Europa als am amerikanischen Kontinent sind. Die Stelle, an der die Titanic vor 105 Jahren gesunken ist, haben wir übrigens schon vorgestern Nacht ohne Zwischenfälle passiert. Jeden Tag nach der Durchsage des Kapitäns wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Aus 12 Uhr mittags wird ganz schnell 13 Uhr Bordzeit. Der Zeitunterschied zur Heimat wird jeden Tag ein bisschen weniger, die Tage vergehen schnell an Bord – und am Sonntag wird unsere Reise dann wirklich zu Ende sein.

Grüne Promenade mitten in Manhattan

New York ist nicht nur die aufregendste Stadt der Welt, sondern an einigen Stellen auch richtig grün und erholsam. Für Leserin Susanne Böck aus Nürnberg schauten wir uns bei der monatlichen Wunschaktion  den High Line Park an. „Wie ist es, durch diese grüne Ader zu laufen, während in der Mega-City das Leben tobt?“, wollte sie wissen.

Den Artikel findet Ihr auf der online-Reise-Seite der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung und in der Printausgabe von diesem Wochenende. Bilder gibt es auch schon hier:

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Danke fürs Mitmachen!

Durch die Wunschaktion habe ich viele interessante Menschen kennengelernt, neue Dinge ausprobiert und spannende Einblicke bekommen. Danke an alle, die mitgemacht haben. Und danke an Gudrun Bayer und Matthias Niese von der Reiseredaktion.

New York,
New York!

Der nette Taxifahrer muss ihn suchen, den kleinen, etwas versteckt liegenden Jazzclub in Harlem, wo wir uns mit Monika verabredet haben. Monika kommt aus Duisburg, lebt aber schon seit einigen Jahren in Harlem, New York City, und hat dort eine hübsche kleine Wohnung, in der wir für eine Woche ein Zimmer beziehen. So kommt es, dass wir im Norden Manhattans wohnen, jenseits der 96th Street, einer Straße, die in den 80ern noch eine klare Grenze zwischen weiß und schwarz darstellte und die Gentrifizierung noch nicht im vollen Gange war. Der Norden Manhattans war seinerzeit „no go area“. Heute ist Harlem bunt, an den Ufern des Hudson sind die teureren Wohnlagen, auf den Hügeln hingegen wohnen „Hispanics“ und, im Bezirk um die 125th Street, die „Schwarzen“.

Jazz in Harlem

Als wir den Veterans Club betreten, fängt uns gleich die besondere Atmosphäre ein. An den Wänden hängen Photos von würdig dreinblickenden älteren Herren mit Militärkäppi, also eben den Kriegsveteranen, denen dieser Club gewidmet ist. Als die Band, deren Zusammensetzung im Laufe des Abends mehrfach wechselt, loslegt, hören wir begeistert den Sound, der zu Harlem gehört: swingender Groove von exzellenten Musikern, angeführt von ausdrucksstarkem Saxofonspiel.

Nicht allzu weit weg von hier liegt übrigens das berühmte Apollo Theater in der 125th Str., in dem sie alle einmal aufgetreten sind, die Größen des Jazz und Blues: Billie Holiday, Etta James, Aretha Franklin, Little Richard, Quincy Jones und viele mehr. Auch das Apollo sieht von außen eher unscheinbar aus; rein schaffen wir’s dann leider nicht mehr. New York hat eben so viel zu bieten, dass eine Woche bei weitem nicht ausreicht…

NYC – immer im Wandel

New York hat eine einmalige Museumslandschaft. Den besten Ruf unter Kunstfreunden hat das MoMA, das Museum of Modern Art in Midtown Manhattan. Um es gleich zu sagen: Das hochberühmte MoMA hat uns diesmal eher enttäuscht. Ein Kunsttempel, der so hoffnungslos überfüllt war, dass einem keinerlei Platz und Muße für die Betrachtung der Werke blieb. Vor allem die chinesischen Reisegruppen belagerten die Objekte regelrecht, schoben sich selbst und die Kunst fotografierend vor alle anderen Betrachter, so dass wir schnell die Flucht ergriffen. Außerdem kann es, was das Konzept und die originelle, neugierig machende Auswahl anbelangt, in keiner Weise mit dem tollen MoMA in San Francisco mithalten.

Natürlich waren wir auch im „Met“, dem Metropolitan Museum of Art, an der Ostseite des Central Park mit seinen riesigen Sammlungen. Auf Empfehlung stiegen wir zuerst dem Met aufs Dach, denn von der Terrasse im 5. Stock hat man einen atemberaubenden Blick auf die Skyline von Midtown Manhattan und den Central Park.

Den Park haben wir dann ein paar Tage später mit dem Leihfahrrad abgeradelt, wobei mir gerade dabei aufgefallen ist, was sich seit meinen ersten Besuchen in New York – angefangen von den 80er Jahren – geändert hat: die Stadt ist wesentlich aufgeräumter, sauberer und geregelter geworden. So ist der Parcours für Radfahrer im Park durchweg vorgeschrieben, es geht nur in eine Richtung, überall stehen Ge- und Verbotsschilder und sogar Ampeln (wohlgemerkt, für Fußgänger und Radfahrer). Das hatte ich anders in Erinnerung: bunter, freier, lässiger. Natürlich ist die City nach wie vor laut, schnell und wohl auch hart, ihre Atmosphäre vom ersten Augenblick an aber auch ansteckend und inspirierend. Drogen und Obdachlosigkeit sind – zumindest in Manhattan – aus dem öffentlichen Leben so gut wie verschwunden.

Grüne Oasen

Gleichzeitig wurden immer mehr Stadtbezirke von Grund auf edelsaniert, so zum Beispiel Chelsea in der Nähe des Hudson River, früher der so genannte Meat Packing District, heute ein Trendviertel. Sahnestück ist der neue Highline Park, der auf der Hochtrasse einer aufgegebenen Stadtbahn entstanden ist. Die Verwaltung wollte sie abreißen, doch die Bürger setzten sich erfolgreich dafür ein, ihn zu sanieren und zu einer schön angelegten, begrünten „Fußgängerzone auf Stelzen“ umzugestalten. Heute ist er eine der großen Attraktionen New Yorks, ermöglicht er doch entspanntes, autofreies Bummeln mitten durch die Stadt mit tollen Ausblicken auf den Hudson River und Bauwerke unterschiedlichster Architekturepochen. New York/Manhattan ist so noch ein bisschen grüner geworden und öffnet sich heute- stärker noch als früher, wie ich finde – dem umgebenden Wasser, seien es Hudson und East River oder dem Meer.

Brooklyn

Das wird uns auch besonders bewusst bei dem Besuch von Brooklyn. Auch hier sind ehemalige Industrieviertel in schicke Wohn- und Bürokomplexe mit zahlreichen Galerien und Cafes samt Uferparks umgewandelt worden, wie zum Beispiel das DUMBO, das unter und zwischen der Manhattan- und der Brooklyn-Brücke liegt. Gleich nebenan finden wir in den Brooklyn Heights wunderschöne und vergleichsweise ruhige Wohngegenden. Begeistert lese ich auf einem kleinen, eher unauffälligem Schild, dass Arthur Miller hier gelebt hat, der große US-Schriftsteller und Dramatiker („Tod eines Handlungsreisenden“). Seine Autobiographie gehört zum Kanon meiner wichtigsten Bücher.

Am Pier 12 in Brooklyn wird die Queen Mary 2 liegen, mit der wir schon am nächsten Tag New York Richtung Hamburg verlassen werden. Wir versuchen, einen Blick von ihr zu erhaschen, können sie aber in dem unübersichtlichen Hafen nicht finden. Erst als wir anderntags auf dem Weg zu ihr über die Brooklyn Bridge fahren, sehen wir erstmals das riesige, elegante Schiff – und sind beeindruckt und erstaunlich nervös.

Reise durch die Naturgeschichte

Dem Tipp eines Freundes folgend, nehme ich mir zum Ende unseres New York Aufenthalts noch das American Museum of Natural History vor, ebenfalls direkt am Central Park gelegen, an seiner Westseite. Er schrieb mir, dass dies ein perfekter Ort sei, um unsere Reise um den Globus abzurunden.

Ich wusste zwar nicht genau, was er damit meinte, aber er hatte recht. Es erzählt nicht nur anschaulich die Naturgeschichte Nordamerikas und präsentiert eine unglaublich große Saurier-Sammlung, sondern schildert auch systematisch die Geschichte der gesamten globalen Flora und Fauna sowie der Entwicklung der tierischen Lebewesen und der Entstehung der Arten. Darwin lässt grüßen. Überhaupt lässt sich das ganze Museum als äußerst anschauliche Darstellung seiner Evolutionstheorie begreifen. Gerade in der heutigen Zeit, in der sogenannte „Kreationisten“ in den USA – aktuell auch in der Türkei – diese infrage stellen, kommt ihm eine wichtige aufklärerische Rolle zu. Hier fällt mir auch Alexander von Humboldt wieder ein, dessen eindrucksvolle Biographie ich erst vor ein paar Monaten in Südamerika gelesen hatte und die mir den Blick geschärft und das Verständnis geweitet hatte für die Natur. Spannend war ja auf der ganzen Reise, zu erleben, wie sich Naturphänomene, Landschaften und auch Kulturen in den unterschiedlichsten Regionen der Welt ähneln können, wenn sie der gleichen Klimazone angehören.

Besonders interessant war für mich die hervorragende Abteilung über die Frühgeschichte der Menschen, genauer gesagt über die Entwicklung vom Primaten zum heutigen Menschen. Hatte ich doch vor kurzem Yuval Noah Hararis Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ gelesen (ebenfalls auf die Empfehlung eines Freundes hin), das ebenso gut zur Abrundung unserer Reise durch unterschiedliche Weltregionen und deren Kulturen passte wie diese sehr anschaulich und lebendig gestaltete Abteilung. Ich gebe beides gerne als Empfehlung weiter, das Buch und das Museum…

Im Rausch der Formen und Farben

Zuerst begeistert uns noch die ungewohnte Weite der Landschaft: Fast jede Straße auf unserem Roadtrip durch den Südwesten der USA führt kilometerlang geradeaus, nur selten kommt uns ein Auto entgegen, rechts und links sehen wir nichts außer Gras, Steppe und manchmal einem Busch. Doch dann fahren wir in die Nationalparks – und mit ihnen setzt ein Rausch der Formen und Farben ein:

Dinosaur Nationalpark

Nach dem Yellowstone und Grand Teton Nationalpark landen wir eher zufällig im wenig bekannten Dinosaur Nationalpark in Utah. Hier schauen wir uns im Museum die 149 Millionen Jahre alten Dinosaurier-Fossilien an, wandern auf dem Sound of Silence Trail, bewundern die Petroglyphen im roten Fels und zelten auf der wunderschönen Green River Campsite.

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Arches Nationalpark

Nächste Station ist der Arches Nationalpark bei Moab in Utah. Schon als wir morgens zum Parkeingang fahren, wissen wir, dass wir hier nicht allein sein werden. Ein Auto reiht sich an das andere! Trotzdem machen wir auch hier wieder Wanderungen und sehen wunderbare Natur: hochaufragende Felsen in bizarren Formationen, jahrtausendealte Petroglyphen und natürlich die berühmten Bögen und Brücken aus rotem Fels, die dem Park seinen Namen gaben.

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Mesa Verde

Grüner Tisch bedeutet Mesa Verde auf Deutsch und ist der Name eines ganz besonderen Nationalparks in Colorado: Er ist der einzige Nationalpark in den gesamten USA, der zum Schutz eines archäologischen Ortes und nicht zum Schutz der Natur eingerichtet wurde. Erhalten sind Siedlungen mitten im Fels dieses Tafelbergs, in denen frühe Anasazi-Stämme rund 700 Jahre lang – von ca. 600 bis 1300 nach Christus – lebten. Mit einer Rangerin erkunden wir die alten Felssiedlungen und dürfen uns dabei durch enge Höhlen zwängen und auf luftigen Leitern nach oben klettern.

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Monument Valley

Unzählige Western und so mancher Werbefilm wurden schon im Monument Valley gedreht, das im Vier-Länder-Eck zwischen Utah, Arizona, Colorado und New Mexiko liegt. Die roten Tafelberge eignen sich bestens als Kulisse für jede Form von Wild-West-Feeling. Da wir selbst aber mit dem Auto statt dem Pferd gekommen sind, verbringen wir hier nur ein paar Stunden und genießen die spektakuläre Aussicht.

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Glen Canyon Nationalpark

Die Glen Canyon National Recreation Area ist so groß, dass sie auf dem Gebiet von gleich zwei Bundesstaaten – Arizona und Utah – liegt. Wir zelten am Lake Powell, machen eine Bootstour in den Antelope Canyon, wandern den einsamen Wiregrass Trail und und genießen am Horseshoe Bend die Aussicht auf den Colorado River in Hufeisenform.

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Grand Canyon Nationalpark

Zum North Rim des Grand Canyon fahren wir am 24. September – und hier liegt, genau drei Monate vor Weihnachten,  der erste Schnee. Ganz zart weiß gepudert ist der Waldboden hie rin Arizona, und gleichzeitig leuchten die Blätter der Birken golden und rot in der Herbstsonne. Was für ein Rausch der Farben! Und ein paar Kilometer weiter dann der Blick in den Grand Canyon.

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Bryce Canyon

Absoluter Höhepunkt ist der Bryce Canyon in Utah. Ein Paradies für Naturliebhaber und Fotografen, denn die Felspyramiden, die hier hoodoos heißen, schimmern je nach Tageszeit und Sonnenlicht mal braun-weiß, ocker-golden oder leuchtend rot. Während es hier oben auf rund 2.400 Metern tagsüber ordentlich heiß ist, sind wir beim Sonnenauf- und untergang sehr froh über unsere Daunenjacken.

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America the Beautiful Pass

Zum Schluss noch ein ganz praktischer Tipp: Wenn Ihr selbst mal die Nationalparks in den USA bereisen wollt, kauft Euch den  America the Beautiful Pass. Er kostet nur 80 Dollar und gilt für zwei Personen in allen Nationalparks. Ein echtes Schnäppchen, das man hier sonst lange suchen muss.

Eine Stadt zum Auswandern?

Kunst und Künstler. Auf Schritt sind sie präsent in Santa Fe, der Hauptstadt New Mexikos im Südwesten der USA. Auf unserem Roadtrip durch die Vereinigten Staaten machen wir hier Station, und ich erkunde für Heike Hofmann bei der monatlichen Wunschaktion das besondere Flair dieser Stadt. Denn hierhin ist die  Schweizer Bestsellerautorin Milena Moser ausgewandert und hat darüber zwei Bücher geschrieben. Wäre das auch was für uns?

Verliebt in ein Haus

Den Artikel findet Ihr auf der online-Reise-Seite der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung und in der Printausgabe von diesem Wochenende. Die beiden Bücher „Das Glück sieht immer anders aus“ und „Hinter diesen blauen Bergen“ finde ich übrigens richtig gut. Aber selbst in einer Casita in Santa Fe zu leben, können wir uns gar nicht vorstellen – obwohl es viele schöne Ecken gibt:

Ein Wunsch für New York?

Die letzte große Station unserer Weltreise ist New York im Oktober. Habt Ihr einen Wunsch, den ich dort erfüllen kann? Oder ein besonderes Thema, über das ich berichten soll? Da wir danach zurück nach Deutschland fahren, könnte ich auch was mitbringen…

Also: Macht doch bitte mit und schickt Eure Wünsche bis zum 3. Oktober direkt an magazinaktion@pressenetz.de

Be bear aware!

Ganz am Ende sehen wir tatsächlich noch einen: Im Grand-Teton-Nationalpark, auf einer kleinen Nebenstrecke, tappt zwei Autos vor uns ein Braunbär ganz gemütlich über die Straße. Schon seit vier Tagen werden wir dauernd vor ihm und anderen Bären gewarnt, denn wir wandern und zelten im Yellowstone- und im Grand-Teton-Nationalpark – und beide sind bear country.

Doch zurück zum Anfang: Vor fünf Tagen haben wir am Flughafen von Seattle unseren Mietwagen abgeholt. Dank unseres hervorragenden Reiselotsen Herbert Bröckel ist es ein ziemlich großes Auto – ein Hyundai Santa Fe – für einen ziemlich guten Preis und ohne Einweggebühr. Unser fünf-wöchiger Roadtrip von Seattle durch die Nationalparks im Nord- und Südwesten der USA bis hinunter nach San Francisco kann also beginnen.

Großeinkauf fürs Campen

Erster Stopp ist ein großer Walmart in der Nähe des Flughafens. Nach eineinhalb Stunden haben wir ein Zelt, eine Luftmatratze, Kopfkissen und Bettdecken, Campingstühle und -tisch, Propanflaschen und Kocher, Töpfe, Geschirr und Besteck, eine Kühlbox und viel Kleinkram gekauft. Knapp dreihundert Dollar geben wir dafür aus, so viel kosten hier schon zwei Nächte in einem günstigen Hotel. Und an diesem Wochenende sind ohnehin alle Unterkünfte besonders teuer und schon lange im Voraus ausgebucht. Am Montag ist Labour Day, im ganzen Land ist also langes Wochenende – und weil danach die Schule wieder angeht, sind wirklich alle noch einmal mit der gesamten Familie unterwegs.

Die ersten Nächte im Zelt

Zum Glück finden wir irgendwo auf dem Weg knapp zwei Fahrstunden nordöstlich von Seattle einen kleinen Campingplatz, der noch ein paar Plätze frei hat. Hier schlagen wir zum ersten Mal seit sehr sehr vielen Jahren unser Zelt auf – und sind begeistert, wie einfach das inzwischen geht. Nach zehn Minuten ist das kleine gelb-graue Zelt fertig aufgebaut, und noch einmal zehn Minuten später ist unser „Glamping“-Bett hergerichtet. Nach einem harmlosen Abendessen, mit dem wir unseren Kocher und das Geschirr eingeweiht haben, schlüpfen wir zufrieden in unsere Schlafsäcke und fühlen uns pudelwohl.

Zwei Tage später sieht das schon ein wenig anders aus. Wir sind inzwischen im Yellowstone Nationalpark angekommen und zelten zwei Nächte auf dem Bridge Bay Campground auf mehr als 2.300 Metern Höhe. Während es tagsüber wunderbar sonnig ist, wird es nachts richtig kalt. Das Thermometer sinkt unter Null – und für uns beide ist es das erste Mal, dass wir bei Minusgraden zelten. Trotz Skiunterwäsche, Daunenjacke, Schlafsack und Zudecken frieren wir ganz schön und brauchen am Morgen mehrere Tassen heißen Tee zum Wärmen. In der zweiten Nacht schlafen wir übrigens im Kofferraum unseres Autos – bei der Auswahl des Wagens hatten wir eigens darauf geachtet, dass wir die Rückbank umklappen und eine Luftmatratze reinlegen können. Wie gut! Denn im Auto ist es doch ein paar Grad wärmer als im Zelt.

Das Essen kommt in die Box

Die Teebeutel für den Frühstückstee haben wir – wie das Wasser und alle anderen Lebensmittel und Kochutensilien – in einer großen Box aus Metall gelagert, die nur mit einem ganz besonderen Handgriff geöffnet werden kann. Solche food storages gibt es auf allen Campingplätzen in bear country, manchmal sogar an Wanderwegen und Badeseen. Denn Bären haben einen feinen Geruchssinn und werden von allem, was nach Essen riecht, magisch angezogen. So kommt es pro Jahr im Durchschnitt zu 14 tödlichen Begegnungen zwischen Mensch und Bär. Schützen kann man sich mit Bärenspray, das man hier bei jeder noch so kleinen Wanderung mitnehmen soll.

Farbenprächtige Naturwunder

Tagsüber schauen wir uns die Highlights des Yellowstone-Nationalparks an: Den Old Faithful, der zwar noch zuverlässig, aber wenig beeindruckend ist; das Midway Geysir Basin, den Grand Prismatic Spring, den Grand Canyon of the Yellow Stone, den Yellowstone Lake und die Mammoth Hot Springs Terraces. Überall sprudelnde Geysire, farbenfrohe Bassins, heiße Quellen, schroffe Felsen – und immer wieder auch große Bisonherden, die in der weiten Hochebene grasen.

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Außer uns sind gefühlt alle US-Amerikaner, die keine schulpflichtigen Kinder mehr haben, gerade im Yellowstone-Nationalpark unterwegs und nutzen die Nachsaison. Das führt zu Staus (!) auf den Straßen durch den Nationalpark und zu völlig überfüllten Parkplätzen. Einsame und unberührte Natur hatten wir zwar nicht wirklich erwartet, einen solchen Ansturm Anfang September aber auch nicht.

Berge im Rauch

Der benachbarte Grand-Teton-Nationalpark, den wir als nächstes ansteuern, ist genauso voll. Alle wollen die majestätische Bergkette sehen, die uns Europäer stark an die Alpen erinnert.

Pech ist nur, dass seit rund sechs Wochen unzählige, großflächige Waldbrände in den nordwestlichen US-Bundesstaaten Washington, Idaho und Montana toben und der Himmel fast immer rauchverhangen ist. Die schönen Berge sind deshalb nur zu erahnen, von klarer Sicht kann keine Rede sein. Während in den internationalen Medien vom Hochwasser in Houston die Rede ist, haben die Menschen hier genau das gegenteilige Problem: Die lokalen Zeitungen in Montana titeln mit der schlimmsten Dürre seit Jahren.

Auch wir erleben das Thema Waldbrand schon seit Kanada mit. In Vancouver und auf Hornby Island war der Himmel fast immer smokey, die grandiose Bergkulisse sahen wir nur selten. Und als wir dann in den USA mit unserem Mietwagen von Seattle nach Yellowstone fuhren, hatten wir in einer Region schon nachmittags um drei einen so rauchig-dunklen Himmel, dass es wie abends um acht aussah.

Morgen fahren wir weiter in Richtung Süden. Da soll die Sicht wieder besser sein – und vielleicht läuft uns auf dem Weg dorthin ja noch einmal ein Bär über den Weg.

Obdachlos in Seattle

Wer im Internet nach Reisetipps für Seattle sucht, stößt sofort auf einen Filmtitel: „Schlaflos in Seattle“, eine Romanze mit Meg Ryan und Tom Hanks aus dem Jahr 1993. Natürlich habe auch ich den Film damals im Kino gesehen und hinterher Reisepläne für die USA geschmiedet. Viel Zeit ist seitdem vergangen, doch gestern sind wir in Seattle angekommen. Für mich ist es die erste Reise in die Vereinigten Staaten, Wolfgang dagegen war schon ziemlich oft hier – einmal auch in Seattle. Für ihn ist es deshalb nichts Neues, für mich schon: Überall in der Innenstadt gibt es Obdachlose. Männer und Frauen, Alte und Junge, Schwarze und Weiße.

Obdachlos im reichen Land

Schon morgens sehen wir sie in den kleinen Zwischenräumen der großen Einkaufsstraßen. Sie liegen noch schlafend im Eingangsbereich eines Parkhauses. Sie sitzen mit einer Gitarre auf den Stühlen eines Cafés, das noch nicht geöffnet hat. Sie stehen bettelnd an einer Ampel.

Im Lauf des Tages fallen uns auch etliche Polizisten auf, die immer in Zweierteams mit dem Fahrrad in der Innenstadt unterwegs sind und Menschen ohne festen Wohnsitz kontrollieren. Sie zeigen Präsenz und sorgen für ein Gefühl der Sicherheit. Und manchmal helfen sie auch – gleich zweimal sehe ich heute Polizisten, die einen Krankenwagen rufen, weil ein Obdachloser kollabiert ist.

Die Ambulanz hören wir von unserem Hotelzimmer aus nachts auch oft vorbeifahren. Sicher wird sie auch zu anderen Einsätzen gerufen. Aber als wir nach einem frühen Abendessen in Downtown zu unserem Quartier in Japantown gelaufen sind, waren sehr viele Menschen unterwegs, die nur ihr Bündel zum Schlafen oder einen Einkaufswagen mit ihren Habseligkeiten dabeihatten.

Mehr als 500.000 Menschen ohne festen Wohnsitz

Warum gibt es das in einem so reichen Land wie den USA? Warum berührt mich das hier noch mehr als in Indien? Wie sehr wird sich die Lage unter der aktuellen Regierung verschlimmern? Warum soll auch noch der kleine Schutz, den Obamacare bietet, abgeschafft werden? Die Situation macht mich ratlos. Schon jetzt sind laut einer aktuellen Statistik mehr als eine halbe Million US-Bürger/innen ohne festen Wohnsitz, ein Viertel davon Kinder! Darüber hinaus sind rund 60 Prozent der Obdachlosen schwarz, so dass Menschenrechtler auch von einem Rassismusproblem sprechen, denn ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt nur ein Viertel. (Mehr Infos dazu in einem heute-Bericht: http://www.heute.de/san-francisco-rekordsumme-im-kampf-gegen-obdachlosigkeit-47148726.html)

Traurige top five

Seattle gehört übrigens zu den fünf Städten in den USA, in denen die meisten Obdachlosen leben. „Schlaflos in Seattle“ sind hier also sicher sehr viele – aber nicht wegen Liebeskummer.

Elisa und Roy,
Hornby Island

25. August. Wehmütiger Abschied von Hornby Island, vor allem von Elisa und Roy, unseren großzügigen Gastgebern. Wir sitzen im IslandLinkBus nach Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, etwa 200 Kilometer weiter südlich. Gerade entdecke ich den aktuellen Farewell-Facebook-Post von Elisa, die uns erst vor einer Stunde über Denman Island an die Fähre nach Buckley Bay gefahren hatte. Wir sind wieder on the road. Zwei schöne, abwechslungsreiche Wochen auf Hornby sind vorbei. Zwei Wochen, in denen wir nicht nur die wunderschöne kleine Insel erkundeten, sondern auch so etwas wie kanadisches Landleben erleben konnten. Einfach und gut.

Couchsurfen

Rückblick: Ohne unsere Tochter Lisa wären wir nie nach Hornby Island gekommen. Sie war gegen Ende ihrer fünfmonatigen Work & Travel-Kanadareise als Couchsurferin unterwegs und bei Elisa und Roy die erste, die das dort machte. Sie war zwar nur drei Tage dort – aber so begeistert von den beiden, dass sie uns aufgetragen hat: „Da müsst ihr hin, die müsst ihr kennen lernen“. Elisa ihrerseits erzählt die Geschichte so, dass sie von Lisa so angetan war, dass sie auch den Papa und seine Frau kennen lernen wollte. Da auf ganz Hornby Island aber zu der Zeit weder ein Zimmer noch ein Campingplatz zu haben sei, müssten sie halt mit ihrem Camper auf ihrem Grundstück übernachten.

 

Mit diesem Ziel und mit einer handgeschriebenen Liste (!) von Lisa, was wir nach ihrer Rückreise nach Deutschland auf Hornby Island alles unternehmen und anschauen müssen, sind wir mit dem Campervan hingefahren. Wir haben Elisa und Roy kennen und schätzen gelernt – und ich will sie euch kurz vorstellen:

Elisa

Elisa ist in Vancouver geboren, ist selbstbewusst und zupackend, herzlich und offen und sagt, was sie denkt. Sie hat schon viel von der Welt gesehen, war in jungen Jahren längere Zeit in Indien und ist mit ihrem Ex-Mann auf einem eigenen 28Fuß-Kutter ein Jahr um die Welt gesegelt. Sie hat zwei Söhne von ihrem zweiten Mann, liebt Musik und fährt gerne Motorrad – so hat sie sich während unseres Aufenthalts eine ältere, sehr schöne und knallgelbe 750er Honda gekauft. Eigentlich hat sie Media Resources studiert, dann aber festgestellt dass das nicht ihr Ding ist. Um sich das Studium zu finanzieren, fing sie mit der professionellen Fischerei an – und blieb dabei hängen. Elisa selbst beschreibt das so: „Fishing enabled travel and an interesting assortment of other opportunities. I met my first husband Bryan, when I was looking to buy my own fishboat… so I could be Captain. Instead I fell in love with a boatbuilder and became part of his dream to sail the world.“ Heute arbeitet sie bei BC Ferries.

Roy

Roy aus dem englischen Manchester ist lebenslustig, voll Schalk (wie ihr auf dem Bild ganz oben seht) und britischem Humor und ein guter Geschichtenerzähler. Über Politik kann man prima mit ihm streiten – er hält nämlich gar nichts davon! Fällt der Name Trump, so erinnert er daran, was für ein Typ Georg Bush war. „They’re all the same!“ Da er auch schon viel herumgekommen und auch mal in Deutschland gelebt und gearbeitet hat, spricht er auch etwas Deutsch – worauf er ein bisschen stolz ist. Sein ganzer Stolz aber ist, dass er Musiker mit eigener Band ist, die auch immer wieder auf Hornby Island auftritt. Wenn sie loslegen, so erzählt Roy sehr gerne, dann rocken sie ihr Publikum und alles tanzt. Die „Roy Slack Band“ bzw. die „Tongue ‚N Groove“ kann man sich übrigens auch bei YouTube reinziehen. Der Motorrad-Freak kam vor etwa 30 Jahren nach Hornby Island, wollte dort eigentlich nur ein paar Tage bleiben, lernte Elisa kennen, wurde ansässig und baut jetzt dort Häuser – natürlich auch die auf dem eigenen Grundstück. Er ist gelernter Chemiker und Ingenieur, Allround-Handwerker und liebt offenkundig das kreative Chaos in seiner Werkstatt.

Wohnen im Wald

Haus und Grund liegen in einem Waldstück, das Elisa und Roy selbst erst vor ein paar Jahren gekauft haben. Alles, was dort heute an Häusern, Schuppen und Garten zu sehen ist, haben sie selbst gebaut bzw. angelegt. Sie begannen buchstäblich damit, den Wald zu roden und lebten die erste Zeit in einem Camper, um den sie herum dann allmählich ihr Wohnhaus gebaut haben, dann eine Werkstatt mit zwei Zimmern darüber und schließlich noch eine Art Musikstudio für Roy und seine Passion für Rock und Folk. Das alles ist auch noch im Werden. Aber der schöne Garten ist schon ziemlich weit gediehen mit all den Gemüsebeeten, aus denen täglich Kräuter und frischer Salat, Kohl, Tomaten und weiteres Gemüse geerntet werden können. Nicht zu vergessen die Hühner, die den beiden fleißig frische Eier liefern.

Diese Art des Lebens und Wohnens scheint mir typisch für Nordamerika: Man probiert vieles aus, ständiger Wandel und Neuanfänge sind normal, Lebensläufe voller Umwege und Brüche. Das sieht man auch am Beispiel des Wohnens: Man zieht für ein paar Jahre dorthin, dann wieder woanders hin, vieles wirkt bewusst unfertig, improvisiert. Man klebt nicht am Eigentum. Einen schönen Spruch dazu hab ich gestern aufgeschnappt: „Owns a man a house or owns the house a man?“ Andererseits knüpft man da, wo man sich niedergelassen hat, neue Freundschaften und soziale Netzwerke, weil man sehr offen dafür ist. Hier jedenfalls ist das Haus immer offen für Freunde und sogar für Fremde wie uns. Uns gefällt das…

Housekeeping bei Freunden

Wir haben uns bei den beiden gleich sehr willkommen gefühlt: Abends saßen wir in einer großen Runde am Feuer, lernten viele neue Leute kennen, die wir dann anderntags am Strand auf der kleinen Insel wieder trafen. Sie boten uns spontan ihr Kajak an, mit dem wir dann mehrere Stunden rumgepaddelt sind – alles sehr unkompliziert. Dann mussten wir zurück nach Vancouver, um dort unseren Camper abzugeben und blieben gleich eine Woche dort. Obwohl die Stadt ja als besonders schön gilt, haben wir uns zunehmend  auf die Rückkehr nach Hornby Island gefreut. Wo wir dann nochmals zehn Tage blieben und für eine knappe Woche Haus und Hof hüten durften, da die beiden eine Motorradtour in den nahen Nordwesten der USA machten. Housekeeping nennt man das hier: sich um die schon etwas betagte Hündin Kira kümmern, zwei Katzen und vor allem die vier Hühner füttern, den Garten wässern…

Für uns fühlte es sich ein wenig wie „Alltagsleben“ auf Hornby Island an: Wir hatten zwei Mountainbikes und ein Auto zum Einkaufen im Coop zur Verfügung, brachten den Müll zum Recyclinghof (wo übrigens sehr strikte Mülltrennung praktiziert wird) und lernten den „Freestore“ der Insel kennen. Dies ist ein von der Community geführter Laden, den man sich als permanente Tauschbörse für Gebrauchtes denken kann: Man kann (muss aber nicht) etwas mitbringen und sucht sich Sachen aus, die man umsonst mitnehmen kann, seien es Kleidungsstücke, Haushaltsgeräte oder Spielzeug. Sogar ein Buchladen ist integriert. Das Ganze wird von Ehrenamtlichen gemanagt, die hier wie sonst auch in verschiedenen Bereichen der Community eine wichtige Rolle spielen. Überhaupt haben wir den Eindruck, dass die Community der etwa 800 Insulaner gut funktioniert.

Und als wir samstags klassische Musik im Park und sonntags Livemusik im wunderschönen Obstgarten der nahen Bakery hörten, und montags am Strand mit vielen Einheimischen zusammen die partielle Sonnenfinsternis sahen, die über Nordamerika sichtbar war, fühlten wir uns fast schon wie Insulaner.

Ein Inselsommer voller Musik

Ob Bardentreffen oder Klassik open air: In Nürnberg ist im Sommer richtig viel gute Musik geboten, und wir haben natürlich immer die unterschiedlichsten Konzerte besucht. Deshalb haben wir auch aus der Ferne mitverfolgt, was in diesem Jahr auf dem Programm stand – und hätten uns manchmal ganz gerne hingebeamt. Auf Denman- und Hornby Island hatten wir nun unseren ganz eigenen Inselsommer voller Musik. Von Mozart und Beethoven bis zu Reggae, wunderschön – und gut gegen den Reiseblues, der bei einer so langen Reise auch mal auftaucht.

Mozart auf Denman Island

Das erste Konzert entdeckten wir ganz zufällig. Wir verbrachten in unserem Camper Van eine Nacht auf Denman Island, mussten noch eine Kleinigkeit einkaufen – und dabei sahen wir den Aushang, dass am gleichen Abend ein Konzert ist. Mozart im Rahmen des Kaimerata Concerts Festivals. Wir hörten das Streichquartett in C-Dur K.465 und das Klavierquartett in Es-Dur K.493. Und nach dem Motto the more you know, the more you love gab es am Anfang eine kurze und sehr lockere Einführung in das Werk. Mit Hörbeispielen und kleinen Anekdoten. Warum machen wir das eigentlich in Deutschland nicht?

Reggae auf Hornby Island

Am nächsten Tag kamen wir auf Hornby Island an, wo gerade die ten days of magic des Hornby Festival liefen. An vielen wunderschönen Orten auf der kleinen Insel gab es Konzerte – fast alle mit Blick aufs Meer. Wir ergatterten gerade noch zwei der letzten Karten für den Haupt-Act dieses Jahres, das Reggae-Konzert von Clinton Fearon and the Boogie Brown Band.

Tolle Stimmung vor grandioser Kulisse: Ein riesiges Farmgrundstück direkt am Meer – und das in einer Vollmond-Nacht.

Am nächsten Nachmittag spielte Clinton Fearon ohne Band, er allein auf seiner Gitarre, ganz entspannt an einem kleinen Beach. Das erinnerte uns dann doch ein wenig an das Bardentreffen:

Mozart im Skulpturen-Park

Und weil uns die Insel und ihre Atmosphäre so gut gefallen hat, und wir dank Lisa unglaublich nette Menschen hier kennengelernt haben, kamen wir nach einer Woche Vancouver einfach wieder zurück nach Hornby Island und hüten hier nun ein Haus (Bericht folgt noch). Gestern Mittag radelten wir, bepackt mit einem kleinen Picknick, in den Jeffrey Rubinoff Sculpture Park. Hier kamen wir zu unserer ganz kleinen Ausgabe des Klassik open air: Das Borealis String Quartett  spielte das Streichquartett Nummer 10, Opus 74, von Beethoven. Und wir saßen zusammen mit rund 200 anderen Gästen auf unserer Decke in der Sonne, lauschten der Musik und schauten aufs Meer.