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„Unterwegs im Auftrag des Herrn“

Seit deutlich mehr Flüchtlinge nach Europa kommen, ist Afrika bei uns verstärkt ins Blickfeld gerückt. Meist geht es dabei um die gravierenden Probleme, die dieser Kontinent noch immer hat, seltener um die positiven Entwicklungen und Chancen. Eine faire Entwicklungspolitik soll helfen, die Fluchtursachen zu bekämpfen, darüber sind sich (fast) alle einig. „Schluss mit unserem Kolonialismus!“ fordert daher Gerd Müller, CSU-Mitglied (!) und derzeit Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Andere Stimmen hingegen warnen, dass sich Afrika selbst helfen müsse. Der Anspruch, dass die armen Länder Afrikas mit Entwicklungsgeld zu retten seien, sei viel zu ambitioniert.

Sich dazu eine eigene Meinung zu bilden, ist gar nicht so einfach. Auch auf unserer Weltreise waren wir ja vielfach mit diesen Fragen konfrontiert gewesen. Da traf es sich gut, dass die Akademie Caritas Pirckheimer Haus in Nürnberg (CPH) im Januar 2018 eine Reise in das westafrikanische Land Senegal organisierte. Anlass war die alljährliche Feier der Partnerschaft zwischen der Diözese Thiès und dem Erzbistum Bamberg.  Mit Siegfried Grillmeyer, dem Direktor des CPH, hatten wir denn auch einen sehr engagierten Delegationsleiter. So organisierte er auch medizinisches Material und Schreibmaterialen zum Mitnehmen. Die Reisegruppe selbst war durchaus heterogen: Neben Siegfried und seinem Sohn Leonhard noch der Verwaltungsleiter CPH („Bruder Klaus“), dazu Mitglieder des Lions-Clubs Nürnberg-Franken. Und ich: weder – noch. Nur recht kirchenfern…

Vom Schneesturm in den Senegal: In Nürnberg ging es mit Verzögerung los, in Paris wurde das Flugzeug erst repariert – dann endlich Ankunft im Maison Dupretre, Thiès

Einblicke in die Bistumspartnerschaft

Bei unserer „Senegalexpedition“ sollte es darum gehen, sich die konkreten Projekte, die im Rahmen dieser Partnerschaft entstanden sind, anzuschauen, die beteiligten Menschen (insbesondere die auf senegalesischer Seite) kennen zu lernen und so ein wenig mehr von der afrikanischen Lebenswirklichkeit zu erfahren – und darüber zu berichten. Ob auch ein Blick hinter die Kulissen möglich sein würde? Auf jeden Fall würde diese Reise eine gute Möglichkeit sein, unsere (Vor)Urteile über Afrika auf den Prüfstand zu stellen.

Der Zugang zur afrikanischen Realität durch die Institution katholische Kirche und ihre Weltsicht war für mich recht gewöhnungsbedürftig. Als „katholisch erzogener Agnostiker“ habe ich keinerlei Talent, diese „Sichtweise aus dem Glauben heraus“ zu teilen. Was mich letztlich aber interessiert, ist die Frage, wie im Kleinen eine gelingende Zusammenarbeit in konkreter Form aussehen kann. Oder anders gesagt: Auf der Suche nach Großem im Kleinen fündig werden. Dahinter steht letztlich aber auch die Frage, ob sich kleinteilige Entwicklungsarbeit überhaupt „lohnt“ oder doch nur den Effekt hat, das eigene Gewissen zu beruhigen. Oder, wie in diesem Fall, vorrangig der Missionsarbeit dient.

Katholisch und farbenfroh: kirchliches Leben im Senegal.

Ein dichtes Besuchsprogramm

Für nur eine Woche Aufenthalt war das Programm sehr ambitioniert: Zahlreiche Begegnungen und Gespräche mit den Akteuren vor Ort, also Vertretern der Diözese Thiès, insbesondere mit Bischof André Gueye, aber auch des Erzbistums Bamberg mit Weihbischof Gössl und einigen Mitarbeitern. Dazu etliche Besichtigungen kirchlich getragener Bildungs- und Sozialprojekte in Thiès und auf dem Land, Besuch von Klöstern und einer großen Moschee in Touba im Landesinneren. Kirchlicher Höhepunkt war ein großer Festgottesdienst in der Kirche von Bambey aus Anlass des elfjährigen Bestehens der Partnerschaft. Ein Highlight war für mich der Empfang beim deutschen Botschafter in Dakar. Dazu gleich mehr.

Zu Besuch: beim großen Schulfest, in einer Grundschule – und in der klösterlichen Hostienbäckerei.

Ergänzt wurde das Besuchsprogramm durch touristische Ziele wie den Besuch der Insel Gorée mit einem historischen Gebäude, in dem Westafrikaner, die als Sklaven nach Amerika verschleppt wurden, zusammengetrieben wurden. Heute ist das Haus ein Erinnerungsort für den Sklavenhandel, die Insel selbst ist seit 1978 UNESCO Weltkulturerbe. Allerdings vermittelt sich dem Besucher kaum die besondere Tragik des Ortes, eher wirken Gebäude und Insel heute heiter, ja fast mediterran…

Tragischer und idyllischer Ort: Die Insel Gorée.

Der Senegal, eine stabile Demokratie

Im scharfen Kontrast dazu steht das Festland. Die Hauptstadt Dakar ist zwar eine pulsierende westafrikanische Metropole, doch gleich dahinter breitet sich ein staubiges, armes Land aus. Das Klima im Norden ist – bis auf die Regenzeit im Sommer – heiß und trocken, entsprechend herrscht Savanne vor, Landwirtschaft ist daher mühsam. Amtssprache ist seit der Kolonialzeit Französisch, die Staatsform Republik. Erfreulicherweise gehört der Senegal, der erst 1960 politisch unabhängig wurde, zu den stabilen Demokratien Afrikas. Zu den positiven Entwicklungen gehört auch das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Ethnien und Religionen. Senegal ist ein islamisch dominiertes Land (90%), das Christentum nur sehr gering verbreitet (ca. 5%), doch das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen ist von gegenseitigem Respekt geprägt.

Stabile Demokratie, aber ärmliche Lebensverhältnisse: Alltagsszenen 

Ein smarter Botschafter

Interessante Hintergrundinformationen bekamen wir beim Besuch der Deutschen Botschaft in Dakar. Botschafter Stephan Röken sprach beispielsweise die rasche Bevölkerungsentwicklung im Senegal als fundamentales Problem an. So wuchs die Bevölkerung zwischen 1960 und 2017 von 3 auf 16 Millionen an, davon sind aktuell 60% unter 20 Jahre alt. Migration ist deshalb ein großes Thema, sowohl innerhalb des Senegal (in die Städte) als auch nach Europa und in die USA. Bevorzugtes Ziel der Auswanderung ist Frankreich, wo bereits Hunderttausende Senegalesen leben. Nach Deutschland kommen hingegen nur wenige: circa 1.500 Senegalesen leben zurzeit in Deutschland, einige davon sind übrigens in der zentralen Asylbewerber-Aufnahmeeinrichtung Oberfranken in Bamberg untergebracht.

Im Gespräch: Runde mit dem Botschafter Stephan Röken und Siegfried Grillmeyer in harter Missionsarbeit mit dem Autor

 

Das Problem der Migration

Da der Senegal als sicheres Herkunftsland gilt, haben Asylbewerber praktisch keine Chance auf Anerkennung. Interessanterweise wies Botschafter Röken darauf hin, dass es häufig einen erheblichen Druck seitens der Familien im Senegal gebe, einen der ihren zur Auswanderung nach Europa zu drängen, stellen die dann zu erwarteten Überweisungen doch eine erhebliche Einnahmequelle dar. Werden die jungen Senegalesen dann zurückgeschickt, bedeute das für sie und ihre Familien, dass sie versagt hätten. Allerdings erweise sich die Rückführung als schwierig, weil der Staat sie nicht wiederhaben wolle. Um einer Flucht nach Deutschland schon im Mutterland vorzubeugen, wurde just in der Woche, in der wir dort waren, von deutscher Seite ein Migrationszentrum in Dakar eingerichtet. Dort sollen potenzielle Auswanderer über die Risiken illegaler Migration informiert und Rückkehrern finanzielle Hilfe geleistet werden. Auch investiert Deutschland im Senegal zusätzliche 5,6 Millionen Euro in Projekte, die gezielt Rückkehrern helfen und Arbeitsmöglichkeiten für junge Senegalesen schaffen sollen. Das klingt sehr sinnvoll.

Kirchliche Projekte als Lerngemeinschaft

Auch unsere Gastgeber von der Diözese Thiés kümmern sich darum, jungen Senegalesen eine Perspektive zu geben und Familien vor Ort praktisch zu unterstützen: Letztere durch landwirtschaftliche Projekte und sogenannte Mikrokredite, vornehmlich an Frauen. Erstere durch gute schulische Angebote wie im College St. Gabriel mit 2.300 Schülerinnen und Schülern – von denen übrigens etwa die Hälfte muslimisch ist! Im Gegensatz zu den öffentlichen Schulen, die heillos unterfinanziert sind, gibt es dort hohe Abschlussquoten. Der Staat zahlt zwar nur sehr geringe Zuschüsse, das Schulgeld ist dementsprechend teuer, aber durch Schülerpatenschaften – derzeit um die 900, wiederum aus Oberfranken (!) – können doch auch viele Kinder und Jugendliche aus armen Familien an guter Bildung teilhaben. Das verdient Respekt! Wenn ihr das unterstützten wollt, hier der Link zur Aktion Schulgeld. Das große, lebendige Schulfest, an dem wir als Gäste teilnahmen, war für mich denn auch einer der Höhepunkte der Reise. Begrüßt wurden wir übrigens durch den Schülersprecher – auf Deutsch. So überraschte es dann auch kaum, dass es dort einen „Deutschclub“ gibt.

Oberfrankenpower

Dass auch unsere Gastgeber in Thiés, Bischof Guèye und alle Abbés (Pfarrer), sehr gut Deutsch sprechen, verwundert ebenfalls nicht, da sie als Urlaubsvertretungen lange Jahre in oberfränkischen Pfarreien tätig waren oder noch sind. Sympathisch auch, dass es auf der Ebene der „katholischen Landvolkbewegung“ (ich wusste gar nicht, dass es so etwas noch gibt) zahlreiche Besuche und Begegnungen zwischen Menschen aus Oberfranken und Thiés gibt. Wohl deshalb trafen wir dort auch drei junge Oberfränkinnen, die in Thiés ihr freiwilliges soziales Jahr im kirchlichen Kontext machen, unter ihnen Nena Sünkel aus Burgkundstadt – der berühmten Heimatstadt Elkes.

Mein Resümee

Mein persönliches Fazit zu unserer kurzen Senegalreise: Wir trafen im Land auf sehr freundliche, hilfsbereite und unkomplizierte Gastgeber, die uns Einblick gaben in ihre engagierte kirchliche Arbeit und – dies allerdings weit weniger – in den Alltag der Menschen dort. Manche Projekte, die wir besuchen durften, waren vorbildlich, andere warfen schon Fragen nach dem Sinn und Zweck auf – und nach der Nachhaltigkeit solcher Entwicklungsvorhaben. Bei einigen Stationen unseres Besuchsprogramms hätten wir gerne mehr erfahren, bekamen aber nur zögerliche Auskünfte. Allerdings waren wir auch zu kurz dort, um wirklich „hinter die Kulissen“ schauen zu können. Und, wie ein Teilnehmer meinte, wir haben’s sehr katholisch gesehen. Na klar, schließlich waren wir ja „im Auftrag des Herrn unterwegs.“ Alles in allem war diese Reise ein intensives Erlebnis, voller nachwirkender Bilder und Eindrücke. Ich bin gespannt, was wir Teilnehmenden daraus machen und wie es nun weitergeht. Die Wege des Herrn sind bekanntlich ja unergründlich…

2018: Aufbruch zu Neuem

Das Jahr 2017 ist vorbei, damit auch unser Trip um die Welt. 19 Monate unterwegs zu sein, ohne festen Wohnsitz, dafür mit immer neuen Eindrücken und Begegnungen in den verschiedensten Ländern und Erdteilen – das war eine grandiose Erfahrung. Wir sind uns einig: Das war das Beste, was wir tun konnten. Diese Entscheidung war goldrichtig!

Allerdings hat unser Leben dadurch auch seine Richtung geändert. Wir leben bewusster, wohl auch intensiver. Und wir sehen manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Das hat auch dazu geführt, dass uns manches hierzulande fremd geworden ist: Sei es die – aus unserer Sicht – eigentümlich respektlose, ja unfreundliche Art und Weise des Umgangs miteinander, die verbreitete Rechthaberei, die eigenartig unzufriedene Grundstimmung. Auch das politische Klima ist spürbar rauer geworden, der Ton lauter und schärfer, vor allem im rechten Lager. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass wir sensibler als früher darauf reagieren. Wir nehmen uns jedenfalls vor, gelassen und optimistisch zu bleiben.

Sehr eigene Erfahrungen

Wir sind nach wie vor sehr dankbar, dass wir auf unserer Tour immer gesund geblieben sind. Wichtig war auch die Erfahrung, wie wenig wir eigentlich zu einem glücklichen Leben brauchen. Wir haben die Masse an Dingen, die den Alltag hier ausmachen, jedenfalls nicht vermisst. Auch nicht vermisst haben wir die vertrauten bürokratischen Zumutungen wie Steuererklärung und Versicherungsabrechnung und die aufwändige Planerei des Alltags. Wie viel Zeit das frisst! Was uns hingegen riesig freut, sind die zahlreichen Menschen, die uns via Blog oder auf anderen Wegen auf unserer Reise begleitet – und auch ermuntert – haben. Und auch danach. Niemals hätten wir gedacht, dass wir so viele Klicks (immerhin schon knapp 58.000) bekommen würden. Besonders haben wir uns über jeden Kommentar gefreut – und sei er auch noch so kurz. Für uns war die unmittelbare Resonanz auf unsere Beiträge nicht nur ein schönes Lebenszeichen aus der Heimat, sondern auch ein Signal der aktiven Anteilnahme. Generell gesprochen ist Resonanz ja letztlich das, was wir von anderen, vor allem von unseren Freunden erhoffen oder erwarten – und natürlich gilt das auch umgekehrt.

Neue Freundschaften

Neue Freundschaften sind unterwegs und auch zuhause entstanden, alte haben sich gefestigt – oder manche auch gelockert. Natürlich freuen wir uns, wenn wir hier von unserer Reise erzählen können. Doch wir machen derzeit die Erfahrung, dass sich das Interesse sehr in Grenzen hält – ausgenommen bei Freunden, die selbst schon viel unterwegs gewesen und immer wieder mal zu neuen Ufern aufgebrochen sind. Vielleicht hängt das ja damit zusammen, dass die Erfahrungshorizonte sich auseinander entwickelt haben. Vielleicht sind wir manchen ja auch selbst fremd geworden. Deswegen erzählen wir eher wenig – und empfinden das mittlerweile auch als ganz normal. Das „Schwelgen in Erinnerungen“ liegt uns ohnehin nicht so. Gestern, am Silvesterabend, haben wir uns tatsächlich das erste Mal gemeinsam Fotos von unserer Reise angeschaut.

Züricher Freunde: Karin und Beni aus der Schweiz haben wir in Laos kennengelernt und haben sie nun in Zürich besucht.

Vieles ist offen

Nun gilt es für uns, sich neue, gemeinsame Ziele zu stecken. Wie viel Aufbruch, wie viel Veränderung muten wir uns selbst (weiterhin) zu? Oder wollen bzw. brauchen wir jetzt wieder mehr Alltag, mehr Vertrautes, mehr Beständigkeit? Vieles ist derzeit noch offen: Wie genau wir leben wollen. Und wo. Gibt es ein neues Projekt, das uns gemeinsam begeistern könnte? Wenn ja, starten wir das dann hier – oder doch im Ausland?

Da wir noch bis März 2018 in unserem Winterquartier in Konstanz bleiben werden, haben wir noch etwas Zeit für die Klärung.

Klar ist bislang eigentlich nur, dass wir auch weiterhin viel reisen wollen. Elke würde ohnehin lieber heute als morgen nach Kapstadt fliegen. Oder mit einen orangen VW-Bus durch Europa fahren. Ich hingegen hänge der Idee an, zu Fuß eine längere Alpendurchquerung von Ost nach West zu machen. Oder mit einem Boot von der nördlichen Adria bis in die Ägäis segeln. Man wird sehen, was uns das Jahr 2018 bringt. Unser derzeitiger Lieblingsspruch kann uns dabei vielleicht leiten:

„Kühner als das Unbekannte zu erforschen kann es sein, Bekanntes infrage zu stellen“ (frei zitiert nach Paul Watzlawick )

„Unser erstes Mal“ als neue Rubrik

Da wir vieles auf unserer Reise das erste Mal gemacht haben, wollen wir darüber auch in diesem Blog berichten und haben die neue Rubrik „unser erstes Mal“ eingerichtet. Lasst Euch überraschen, welche Geschichten von unserer Weltreise wir da so erzählen werden. Für uns beide war (und ist) es auf jeden Fall immer wieder eine schöne Erfahrung, Neues auszuprobieren – egal, wie gut oder schlecht wir uns dabei anstellen. Demnächst also dazu mehr.

Auch das Reisen bleibt natürlich ein Thema: Da ich im Januar an einer „Multiplikatorenreise“ in das westafrikanische Land Senegal teilnehmen werde, möchte ich auch darüber berichten. Seit zehn Jahren besteht nämlich zwischen der Diözese Thiés im Senegal und der Erzdiözese Bamberg eine Partnerschaft. Mit Siegfried Grillmeyer, dem Leiter der Akademie caritas-pirckheimer-haus in Nürnberg und Organisator der Reise, werde ich die Möglichkeit bekommen, in die Komplexität afrikanischer Lebenswelten fernab touristischer Wege einzutauchen und einige Sozial- und Bildungsprojekte zu besuchen. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet! Einen Bericht wird es in der Rubrik Afrika geben, denn wir haben unsere Artikel nun nach Kontinenten im Menü geordnet.

Alles Gute für 2018

Wir wünschen euch von Herzen alles Gute für 2018, natürlich Glück und Gesundheit, aber auch viele schöne Reisen und spannende neue Erfahrungen.

Stürmische Heimkehr

„Sturmtief Herwart fegt über Deutschland.“ So titelte die Tagesschau – und wir waren mittendrin. Eigentlich sollte unsere Transatlantik-Passage mit der Queen Mary 2 gestern Abend in Hamburg enden, heute wollten wir schon in Berlin bei Hannah und Lissy sein. Doch das Wetter wollte es anders…

Über weite Teile von Norddeutschland zog Sturmtief Herwart in der Nacht hinweg und brachte Böen in Orkanstärke mit sich. Unser Kapitän hatte uns schon mittags darauf vorbereitet, dass die See im Lauf des Tages rauer werden wird.Und sie wurde so rau, dass die Hamburger Hafenbehörde uns aus Sicherheitsgründen die Einfahrt in die Elbe nicht erlauben konnte. Wir hatten also eine ziemlich stürmische Nacht und verbrachten heute einen zusätzlichen Tag am Schiff.

Seit dem späten Nachmittag hat sich die Lage zum Glück beruhigt, hin und und wieder kam sogar die Sonne durch. Gegen 14 Uhr fuhren wir dann schließlich von der Nordsee in die Elbe ein und nähern uns jetzt langsam dem Hamburger Hafen. Um 21 Uhr sollen wir dort einlaufen, noch ein letztes Mal im sicheren Hafen übernachten und morgen an Land gehen.

Die Weltreise ist damit wirklich zu Ende – mit einer ziemlich stürmischen Rückkehr nach Deutschland. Wer weiß, wofür das ein Zeichen ist?

“Keiner kommt von einer Reise so zurück, wie er weggefahren ist.“(Graham Greene)

Highlight 2017:
Mit der Queen Mary 2 über den Atlantik

„Good afternoon ladies and gentlemen – this is your captain.“ Mit diesen Worten beginnt Christopher Wells jeden Mittag pünktlich um 12 Uhr seine offizielle Durchsage. Wir befinden uns an Bord der Queen Mary 2 auf der letzten Etappe unserer Reise um die Welt. Nun geht es „nur noch“ von New York nach Hamburg, einmal quer über den Atlantik. Neun Tage dauert diese Reise mit dem Schiff statt neun Stunden mit dem Flugzeug. Ganz bewusst haben wir uns für diese langsame Art des Reisens entschieden, denn wir wollen uns behutsam der alten Heimat und der Rückkehr in ein normales Leben nähern.

Entdeckt haben wir die Schiffspassage – wie so viele Dinge auf dieser Reise – durch einen Zufall. Als wir im April dieses Jahres zum zweiten Teil unserer Weltreise aufbrechen, sehe ich im Flugzeug von Madrid nach Buenos Aires eine Anzeige. Im Bordmagazin wirbt die Reederei Cunard Lines für ihre unterschiedlichen Transatlantik-Passagen – und bietet im Oktober besonders günstige Kabinen an. Wer mich kennt, weiß, dass ich Schnäppchen liebe – und so nehme ich die Anzeige mit in unser airbnb-Apartment in Buenos Aires. Wir erkunden die Stadt, wir nehmen Spanischunterricht, wir wagen einen Tangoabend – und wir sprechen hin und wieder über das Schiff: Wollen wir uns jetzt schon festlegen, wann wir zurückfahren? Hat das Angebot einen Haken? Passt diese Art des Reisens zu uns?

Nach einigem Hin und Her, entscheiden wir uns dafür, schließlich wollen wir auf der Reise auch immer wieder Neues ausprobieren. Und die Vorstellung, am Ende ganz langsam nach Hause zu fahren und noch einmal Zeit zum Nachdenken zu haben, spricht uns an. Über Herbert Bröckel, unseren Reiselotsen in Deutschland, buchen wir die Passage, wissen alles bestens geregelt und erkunden Lateinamerika auf eigene Faust.

Ein echter Ozeandampfer

Inzwischen ist es sieben Monate später, und wir sind wirklich an Bord der Queen Mary 2. Zusammen mit 2.498 anderen Passagieren aus insgesamt 31 Nationen. Die meisten sind US-Amerikaner, Briten und Deutsche, denn das Schiff startet in New York, legt in Southampton an und endet schließlich im Hamburger Hafen. Offizielle Bordsprache ist Englisch, aber wir hören auch ganz viel Deutsch und lernen an Bord einige nette Landsleute kennen. Das langsame Annähern an die Heimat beginnt also schon hier.

Wir führen – bei gutem Essen und einem Gläschen Wein – angeregte Gespräche über Kunst, Kultur und Politik. Und auch unsere Kleidung verrät nicht mehr, dass wir in den letzten Wochen im Zelt übernachtet und tagsüber meist in T-Shirt und kurzen Hosen herumgelaufen sind. An Bord des Ozeandampfers gilt eine strenge Kleiderordnung – was wir bei der Buchung nicht wirklich bedacht haben – und vor allem ich mache mich in ein paar Tage vor dem Ablegen des Schiffs ziemlich verrückt. In New York suche ich ewig nach einem kleinen Schwarzen, das mir passt und bezahlbar ist. Dazu kommen dann noch Schuhe, und am Freitag morgen – nur ein paar Stunden bevor wir auf das Schiff gehen – kaufe ich mir noch panisch eine schwarze Hose und schwarze Bluse. Wolfgang nimmt das Ganze viel gelassener, kauft sich aber auch einen blauen Anzug und später an Bord noch eine Fliege (!). So sind wir gerüstet für die Abende an Bord, die formale Kleidung erfordern…

An Pier 12 in Brooklyn wird es ernst

Das Gute an diesen Vorgaben ist, dass ich in New York gar keine Zeit mehr habe, über die Heimreise, über das Ende der Weltreise, über das Leben danach nachzudenken. Viel lieber genieße ich New York in vollen Zügen – und erst als wir in das Uber-Taxi steigen, das uns zum Pier 12 in Brooklyn bringt, werde ich deswegen nervös. Sind wirklich schon eineinhalb Jahre vorbei? Wie wird es zuhause sein? Können wir nicht einfach in New York bleiben? Fragen über Fragen schießen mir durch den Kopf während ich aus dem Fenster schaue und wir von Harlem an Manhattan vorbei nach Brooklyn fahren. Gestern sind wir noch – wie Hunderte andere Touristen – von Brooklyn nach Manhattan über die Brooklyn Bridge gelaufen, heute fahren wir mit dem Auto in die andere Richtung und sehen von der Brücke aus die Queen Mary 2 am Pier liegen. Ein stolzes und schönes Schiff. Ein Schiff, auf das der Begriff Ozeandampfer noch zutrifft.

Bei strahlendem Sonnenschein checken wir am 20. Oktober nachmittags um 15.30 Uhr ein. Die Formalitäten gehen schnell und absolut unkompliziert über die Bühne, obwohl wir aus den USA ausreisen. Und schon eine halbe Stunde später sind wir in unserer Kabine mit der Nummer 4101 und finden eine kleine Flasche Sekt zur Begrüßung. So kann es gerne weiter gehen…

Mit Blick auf die Freiheitsstatue und die Skyline von Manhattan stoßen wir an und legen ein paar Stunden später vor dieser wunderbaren Kulisse ab. Inzwischen ist es dunkel geworden, und wir sehen zum Abschied das Lichtermeer von Manhattan, die beleuchtete Brooklyn Bridge und das Empire State Building, dessen Spitze heute lila strahlt.

Pianomen aus dem Allgäu

Abends gehen wir zum ersten Mal in das schicke Britannia Restaurant, in dem nun jeden Abend ein Tisch für uns reserviert ist. Das viergängige Menü hier ist auch in der vegetarischen Variante sehr gut. Und danach können wir jeden Abend aussuchen, ob wir noch einen Drink in der Bar nehmen (immer), uns ein Musical im Bordtheater (manchmal) anschauen oder zum Maskenball (nie) gehen. Das Programm ist bunt und bietet jeden Tag die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Uns beeindrucken vor allem die Vorträge von Mark Landler, er ist Journalist der New York Times und seit Jahren deren White House Correspondent.

Und wir genießen die beiden Konzerte von Pianotainment von Stephan Weh und Marcel Dorn. Im Cafe lernen wir die beiden „Jungs“ aus dem Allgäu, die mit ihrem Programm um die ganze Welt reisen, später auch noch persönlich kennen.

Europa rückt näher

Inzwischen ist schon Tag fünf unserer Seereise angebrochen. Kapitän Wells erläutert uns – gewürzt mit einer Prise britischen Humors – dass wir seit New York schon 2.300 Seemeilen zurückgelegt haben und damit zum ersten Mal auf dieser Seereise näher an Europa als am amerikanischen Kontinent sind. Die Stelle, an der die Titanic vor 105 Jahren gesunken ist, haben wir übrigens schon vorgestern Nacht ohne Zwischenfälle passiert. Jeden Tag nach der Durchsage des Kapitäns wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Aus 12 Uhr mittags wird ganz schnell 13 Uhr Bordzeit. Der Zeitunterschied zur Heimat wird jeden Tag ein bisschen weniger, die Tage vergehen schnell an Bord – und am Sonntag wird unsere Reise dann wirklich zu Ende sein.

Grüne Promenade mitten in Manhattan

New York ist nicht nur die aufregendste Stadt der Welt, sondern an einigen Stellen auch richtig grün und erholsam. Für Leserin Susanne Böck aus Nürnberg schauten wir uns bei der monatlichen Wunschaktion  den High Line Park an. „Wie ist es, durch diese grüne Ader zu laufen, während in der Mega-City das Leben tobt?“, wollte sie wissen.

Den Artikel findet Ihr auf der online-Reise-Seite der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung und in der Printausgabe von diesem Wochenende. Bilder gibt es auch schon hier:

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Danke fürs Mitmachen!

Durch die Wunschaktion habe ich viele interessante Menschen kennengelernt, neue Dinge ausprobiert und spannende Einblicke bekommen. Danke an alle, die mitgemacht haben. Und danke an Gudrun Bayer und Matthias Niese von der Reiseredaktion.

Highlight 2017:
New York, New York!

Der nette Taxifahrer muss ihn suchen, den kleinen, etwas versteckt liegenden Jazzclub in Harlem, wo wir uns mit Monika verabredet haben. Monika kommt aus Duisburg, lebt aber schon seit einigen Jahren in Harlem, New York City, und hat dort eine hübsche kleine Wohnung, in der wir für eine Woche ein Zimmer beziehen. So kommt es, dass wir im Norden Manhattans wohnen, jenseits der 96th Street, einer Straße, die in den 80ern noch eine klare Grenze zwischen weiß und schwarz darstellte und die Gentrifizierung noch nicht im vollen Gange war. Der Norden Manhattans war seinerzeit „no go area“. Heute ist Harlem bunt, an den Ufern des Hudson sind die teureren Wohnlagen, auf den Hügeln hingegen wohnen „Hispanics“ und, im Bezirk um die 125th Street, die „Schwarzen“.

Jazz in Harlem

Als wir den Veterans Club betreten, fängt uns gleich die besondere Atmosphäre ein. An den Wänden hängen Photos von würdig dreinblickenden älteren Herren mit Militärkäppi, also eben den Kriegsveteranen, denen dieser Club gewidmet ist. Als die Band, deren Zusammensetzung im Laufe des Abends mehrfach wechselt, loslegt, hören wir begeistert den Sound, der zu Harlem gehört: swingender Groove von exzellenten Musikern, angeführt von ausdrucksstarkem Saxofonspiel.

Nicht allzu weit weg von hier liegt übrigens das berühmte Apollo Theater in der 125th Str., in dem sie alle einmal aufgetreten sind, die Größen des Jazz und Blues: Billie Holiday, Etta James, Aretha Franklin, Little Richard, Quincy Jones und viele mehr. Auch das Apollo sieht von außen eher unscheinbar aus; rein schaffen wir’s dann leider nicht mehr. New York hat eben so viel zu bieten, dass eine Woche bei weitem nicht ausreicht…

NYC – immer im Wandel

New York hat eine einmalige Museumslandschaft. Den besten Ruf unter Kunstfreunden hat das MoMA, das Museum of Modern Art in Midtown Manhattan. Um es gleich zu sagen: Das hochberühmte MoMA hat uns diesmal eher enttäuscht. Ein Kunsttempel, der so hoffnungslos überfüllt war, dass einem keinerlei Platz und Muße für die Betrachtung der Werke blieb. Vor allem die chinesischen Reisegruppen belagerten die Objekte regelrecht, schoben sich selbst und die Kunst fotografierend vor alle anderen Betrachter, so dass wir schnell die Flucht ergriffen. Außerdem kann es, was das Konzept und die originelle, neugierig machende Auswahl anbelangt, in keiner Weise mit dem tollen MoMA in San Francisco mithalten.

Natürlich waren wir auch im „Met“, dem Metropolitan Museum of Art, an der Ostseite des Central Park mit seinen riesigen Sammlungen. Auf Empfehlung stiegen wir zuerst dem Met aufs Dach, denn von der Terrasse im 5. Stock hat man einen atemberaubenden Blick auf die Skyline von Midtown Manhattan und den Central Park.

Den Park haben wir dann ein paar Tage später mit dem Leihfahrrad abgeradelt, wobei mir gerade dabei aufgefallen ist, was sich seit meinen ersten Besuchen in New York – angefangen von den 80er Jahren – geändert hat: die Stadt ist wesentlich aufgeräumter, sauberer und geregelter geworden. So ist der Parcours für Radfahrer im Park durchweg vorgeschrieben, es geht nur in eine Richtung, überall stehen Ge- und Verbotsschilder und sogar Ampeln (wohlgemerkt, für Fußgänger und Radfahrer). Das hatte ich anders in Erinnerung: bunter, freier, lässiger. Natürlich ist die City nach wie vor laut, schnell und wohl auch hart, ihre Atmosphäre vom ersten Augenblick an aber auch ansteckend und inspirierend. Drogen und Obdachlosigkeit sind – zumindest in Manhattan – aus dem öffentlichen Leben so gut wie verschwunden.

Grüne Oasen

Gleichzeitig wurden immer mehr Stadtbezirke von Grund auf edelsaniert, so zum Beispiel Chelsea in der Nähe des Hudson River, früher der so genannte Meat Packing District, heute ein Trendviertel. Sahnestück ist der neue Highline Park, der auf der Hochtrasse einer aufgegebenen Stadtbahn entstanden ist. Die Verwaltung wollte sie abreißen, doch die Bürger setzten sich erfolgreich dafür ein, ihn zu sanieren und zu einer schön angelegten, begrünten „Fußgängerzone auf Stelzen“ umzugestalten. Heute ist er eine der großen Attraktionen New Yorks, ermöglicht er doch entspanntes, autofreies Bummeln mitten durch die Stadt mit tollen Ausblicken auf den Hudson River und Bauwerke unterschiedlichster Architekturepochen. New York/Manhattan ist so noch ein bisschen grüner geworden und öffnet sich heute- stärker noch als früher, wie ich finde – dem umgebenden Wasser, seien es Hudson und East River oder dem Meer.

Brooklyn

Das wird uns auch besonders bewusst bei dem Besuch von Brooklyn. Auch hier sind ehemalige Industrieviertel in schicke Wohn- und Bürokomplexe mit zahlreichen Galerien und Cafes samt Uferparks umgewandelt worden, wie zum Beispiel das DUMBO, das unter und zwischen der Manhattan- und der Brooklyn-Brücke liegt. Gleich nebenan finden wir in den Brooklyn Heights wunderschöne und vergleichsweise ruhige Wohngegenden. Begeistert lese ich auf einem kleinen, eher unauffälligem Schild, dass Arthur Miller hier gelebt hat, der große US-Schriftsteller und Dramatiker („Tod eines Handlungsreisenden“). Seine Autobiographie gehört zum Kanon meiner wichtigsten Bücher.

Am Pier 12 in Brooklyn wird die Queen Mary 2 liegen, mit der wir schon am nächsten Tag New York Richtung Hamburg verlassen werden. Wir versuchen, einen Blick von ihr zu erhaschen, können sie aber in dem unübersichtlichen Hafen nicht finden. Erst als wir anderntags auf dem Weg zu ihr über die Brooklyn Bridge fahren, sehen wir erstmals das riesige, elegante Schiff – und sind beeindruckt und erstaunlich nervös.

Reise durch die Naturgeschichte

Dem Tipp eines Freundes folgend, nehme ich mir zum Ende unseres New York Aufenthalts noch das American Museum of Natural History vor, ebenfalls direkt am Central Park gelegen, an seiner Westseite. Er schrieb mir, dass dies ein perfekter Ort sei, um unsere Reise um den Globus abzurunden.

Ich wusste zwar nicht genau, was er damit meinte, aber er hatte recht. Es erzählt nicht nur anschaulich die Naturgeschichte Nordamerikas und präsentiert eine unglaublich große Saurier-Sammlung, sondern schildert auch systematisch die Geschichte der gesamten globalen Flora und Fauna sowie der Entwicklung der tierischen Lebewesen und der Entstehung der Arten. Darwin lässt grüßen. Überhaupt lässt sich das ganze Museum als äußerst anschauliche Darstellung seiner Evolutionstheorie begreifen. Gerade in der heutigen Zeit, in der sogenannte „Kreationisten“ in den USA – aktuell auch in der Türkei – diese infrage stellen, kommt ihm eine wichtige aufklärerische Rolle zu. Hier fällt mir auch Alexander von Humboldt wieder ein, dessen eindrucksvolle Biographie ich erst vor ein paar Monaten in Südamerika gelesen hatte und die mir den Blick geschärft und das Verständnis geweitet hatte für die Natur. Spannend war ja auf der ganzen Reise, zu erleben, wie sich Naturphänomene, Landschaften und auch Kulturen in den unterschiedlichsten Regionen der Welt ähneln können, wenn sie der gleichen Klimazone angehören.

Besonders interessant war für mich die hervorragende Abteilung über die Frühgeschichte der Menschen, genauer gesagt über die Entwicklung vom Primaten zum heutigen Menschen. Hatte ich doch vor kurzem Yuval Noah Hararis Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ gelesen (ebenfalls auf die Empfehlung eines Freundes hin), das ebenso gut zur Abrundung unserer Reise durch unterschiedliche Weltregionen und deren Kulturen passte wie diese sehr anschaulich und lebendig gestaltete Abteilung. Ich gebe beides gerne als Empfehlung weiter, das Buch und das Museum…

Im Rausch der Formen und Farben

Zuerst begeistert uns noch die ungewohnte Weite der Landschaft: Fast jede Straße auf unserem Roadtrip durch den Südwesten der USA führt kilometerlang geradeaus, nur selten kommt uns ein Auto entgegen, rechts und links sehen wir nichts außer Gras, Steppe und manchmal einem Busch. Doch dann fahren wir in die Nationalparks – und mit ihnen setzt ein Rausch der Formen und Farben ein:

Dinosaur Nationalpark

Nach dem Yellowstone und Grand Teton Nationalpark landen wir eher zufällig im wenig bekannten Dinosaur Nationalpark in Utah. Hier schauen wir uns im Museum die 149 Millionen Jahre alten Dinosaurier-Fossilien an, wandern auf dem Sound of Silence Trail, bewundern die Petroglyphen im roten Fels und zelten auf der wunderschönen Green River Campsite.

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Arches Nationalpark

Nächste Station ist der Arches Nationalpark bei Moab in Utah. Schon als wir morgens zum Parkeingang fahren, wissen wir, dass wir hier nicht allein sein werden. Ein Auto reiht sich an das andere! Trotzdem machen wir auch hier wieder Wanderungen und sehen wunderbare Natur: hochaufragende Felsen in bizarren Formationen, jahrtausendealte Petroglyphen und natürlich die berühmten Bögen und Brücken aus rotem Fels, die dem Park seinen Namen gaben.

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Mesa Verde

Grüner Tisch bedeutet Mesa Verde auf Deutsch und ist der Name eines ganz besonderen Nationalparks in Colorado: Er ist der einzige Nationalpark in den gesamten USA, der zum Schutz eines archäologischen Ortes und nicht zum Schutz der Natur eingerichtet wurde. Erhalten sind Siedlungen mitten im Fels dieses Tafelbergs, in denen frühe Anasazi-Stämme rund 700 Jahre lang – von ca. 600 bis 1300 nach Christus – lebten. Mit einer Rangerin erkunden wir die alten Felssiedlungen und dürfen uns dabei durch enge Höhlen zwängen und auf luftigen Leitern nach oben klettern.

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Monument Valley

Unzählige Western und so mancher Werbefilm wurden schon im Monument Valley gedreht, das im Vier-Länder-Eck zwischen Utah, Arizona, Colorado und New Mexiko liegt. Die roten Tafelberge eignen sich bestens als Kulisse für jede Form von Wild-West-Feeling. Da wir selbst aber mit dem Auto statt dem Pferd gekommen sind, verbringen wir hier nur ein paar Stunden und genießen die spektakuläre Aussicht.

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Glen Canyon Nationalpark

Die Glen Canyon National Recreation Area ist so groß, dass sie auf dem Gebiet von gleich zwei Bundesstaaten – Arizona und Utah – liegt. Wir zelten am Lake Powell, machen eine Bootstour in den Antelope Canyon, wandern den einsamen Wiregrass Trail und und genießen am Horseshoe Bend die Aussicht auf den Colorado River in Hufeisenform.

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Grand Canyon Nationalpark

Zum North Rim des Grand Canyon fahren wir am 24. September – und hier liegt, genau drei Monate vor Weihnachten,  der erste Schnee. Ganz zart weiß gepudert ist der Waldboden hie rin Arizona, und gleichzeitig leuchten die Blätter der Birken golden und rot in der Herbstsonne. Was für ein Rausch der Farben! Und ein paar Kilometer weiter dann der Blick in den Grand Canyon.

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Bryce Canyon

Absoluter Höhepunkt ist der Bryce Canyon in Utah. Ein Paradies für Naturliebhaber und Fotografen, denn die Felspyramiden, die hier hoodoos heißen, schimmern je nach Tageszeit und Sonnenlicht mal braun-weiß, ocker-golden oder leuchtend rot. Während es hier oben auf rund 2.400 Metern tagsüber ordentlich heiß ist, sind wir beim Sonnenauf- und untergang sehr froh über unsere Daunenjacken.

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America the Beautiful Pass

Zum Schluss noch ein ganz praktischer Tipp: Wenn Ihr selbst mal die Nationalparks in den USA bereisen wollt, kauft Euch den  America the Beautiful Pass. Er kostet nur 80 Dollar und gilt für zwei Personen in allen Nationalparks. Ein echtes Schnäppchen, das man hier sonst lange suchen muss.

Eine Stadt zum Auswandern?

Kunst und Künstler. Auf Schritt sind sie präsent in Santa Fe, der Hauptstadt New Mexikos im Südwesten der USA. Auf unserem Roadtrip durch die Vereinigten Staaten machen wir hier Station, und ich erkunde für Heike Hofmann bei der monatlichen Wunschaktion das besondere Flair dieser Stadt. Denn hierhin ist die  Schweizer Bestsellerautorin Milena Moser ausgewandert und hat darüber zwei Bücher geschrieben. Wäre das auch was für uns?

Verliebt in ein Haus

Den Artikel findet Ihr auf der online-Reise-Seite der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung und in der Printausgabe von diesem Wochenende. Die beiden Bücher „Das Glück sieht immer anders aus“ und „Hinter diesen blauen Bergen“ finde ich übrigens richtig gut. Aber selbst in einer Casita in Santa Fe zu leben, können wir uns gar nicht vorstellen – obwohl es viele schöne Ecken gibt:

Ein Wunsch für New York?

Die letzte große Station unserer Weltreise ist New York im Oktober. Habt Ihr einen Wunsch, den ich dort erfüllen kann? Oder ein besonderes Thema, über das ich berichten soll? Da wir danach zurück nach Deutschland fahren, könnte ich auch was mitbringen…

Also: Macht doch bitte mit und schickt Eure Wünsche bis zum 3. Oktober direkt an magazinaktion@pressenetz.de

Be bear aware!

Ganz am Ende sehen wir tatsächlich noch einen: Im Grand-Teton-Nationalpark, auf einer kleinen Nebenstrecke, tappt zwei Autos vor uns ein Braunbär ganz gemütlich über die Straße. Schon seit vier Tagen werden wir dauernd vor ihm und anderen Bären gewarnt, denn wir wandern und zelten im Yellowstone- und im Grand-Teton-Nationalpark – und beide sind bear country.

Doch zurück zum Anfang: Vor fünf Tagen haben wir am Flughafen von Seattle unseren Mietwagen abgeholt. Dank unseres hervorragenden Reiselotsen Herbert Bröckel ist es ein ziemlich großes Auto – ein Hyundai Santa Fe – für einen ziemlich guten Preis und ohne Einweggebühr. Unser fünf-wöchiger Roadtrip von Seattle durch die Nationalparks im Nord- und Südwesten der USA bis hinunter nach San Francisco kann also beginnen.

Großeinkauf fürs Campen

Erster Stopp ist ein großer Walmart in der Nähe des Flughafens. Nach eineinhalb Stunden haben wir ein Zelt, eine Luftmatratze, Kopfkissen und Bettdecken, Campingstühle und -tisch, Propanflaschen und Kocher, Töpfe, Geschirr und Besteck, eine Kühlbox und viel Kleinkram gekauft. Knapp dreihundert Dollar geben wir dafür aus, so viel kosten hier schon zwei Nächte in einem günstigen Hotel. Und an diesem Wochenende sind ohnehin alle Unterkünfte besonders teuer und schon lange im Voraus ausgebucht. Am Montag ist Labour Day, im ganzen Land ist also langes Wochenende – und weil danach die Schule wieder angeht, sind wirklich alle noch einmal mit der gesamten Familie unterwegs.

Die ersten Nächte im Zelt

Zum Glück finden wir irgendwo auf dem Weg knapp zwei Fahrstunden nordöstlich von Seattle einen kleinen Campingplatz, der noch ein paar Plätze frei hat. Hier schlagen wir zum ersten Mal seit sehr sehr vielen Jahren unser Zelt auf – und sind begeistert, wie einfach das inzwischen geht. Nach zehn Minuten ist das kleine gelb-graue Zelt fertig aufgebaut, und noch einmal zehn Minuten später ist unser „Glamping“-Bett hergerichtet. Nach einem harmlosen Abendessen, mit dem wir unseren Kocher und das Geschirr eingeweiht haben, schlüpfen wir zufrieden in unsere Schlafsäcke und fühlen uns pudelwohl.

Zwei Tage später sieht das schon ein wenig anders aus. Wir sind inzwischen im Yellowstone Nationalpark angekommen und zelten zwei Nächte auf dem Bridge Bay Campground auf mehr als 2.300 Metern Höhe. Während es tagsüber wunderbar sonnig ist, wird es nachts richtig kalt. Das Thermometer sinkt unter Null – und für uns beide ist es das erste Mal, dass wir bei Minusgraden zelten. Trotz Skiunterwäsche, Daunenjacke, Schlafsack und Zudecken frieren wir ganz schön und brauchen am Morgen mehrere Tassen heißen Tee zum Wärmen. In der zweiten Nacht schlafen wir übrigens im Kofferraum unseres Autos – bei der Auswahl des Wagens hatten wir eigens darauf geachtet, dass wir die Rückbank umklappen und eine Luftmatratze reinlegen können. Wie gut! Denn im Auto ist es doch ein paar Grad wärmer als im Zelt.

Das Essen kommt in die Box

Die Teebeutel für den Frühstückstee haben wir – wie das Wasser und alle anderen Lebensmittel und Kochutensilien – in einer großen Box aus Metall gelagert, die nur mit einem ganz besonderen Handgriff geöffnet werden kann. Solche food storages gibt es auf allen Campingplätzen in bear country, manchmal sogar an Wanderwegen und Badeseen. Denn Bären haben einen feinen Geruchssinn und werden von allem, was nach Essen riecht, magisch angezogen. So kommt es pro Jahr im Durchschnitt zu 14 tödlichen Begegnungen zwischen Mensch und Bär. Schützen kann man sich mit Bärenspray, das man hier bei jeder noch so kleinen Wanderung mitnehmen soll.

Farbenprächtige Naturwunder

Tagsüber schauen wir uns die Highlights des Yellowstone-Nationalparks an: Den Old Faithful, der zwar noch zuverlässig, aber wenig beeindruckend ist; das Midway Geysir Basin, den Grand Prismatic Spring, den Grand Canyon of the Yellow Stone, den Yellowstone Lake und die Mammoth Hot Springs Terraces. Überall sprudelnde Geysire, farbenfrohe Bassins, heiße Quellen, schroffe Felsen – und immer wieder auch große Bisonherden, die in der weiten Hochebene grasen.

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Außer uns sind gefühlt alle US-Amerikaner, die keine schulpflichtigen Kinder mehr haben, gerade im Yellowstone-Nationalpark unterwegs und nutzen die Nachsaison. Das führt zu Staus (!) auf den Straßen durch den Nationalpark und zu völlig überfüllten Parkplätzen. Einsame und unberührte Natur hatten wir zwar nicht wirklich erwartet, einen solchen Ansturm Anfang September aber auch nicht.

Berge im Rauch

Der benachbarte Grand-Teton-Nationalpark, den wir als nächstes ansteuern, ist genauso voll. Alle wollen die majestätische Bergkette sehen, die uns Europäer stark an die Alpen erinnert.

Pech ist nur, dass seit rund sechs Wochen unzählige, großflächige Waldbrände in den nordwestlichen US-Bundesstaaten Washington, Idaho und Montana toben und der Himmel fast immer rauchverhangen ist. Die schönen Berge sind deshalb nur zu erahnen, von klarer Sicht kann keine Rede sein. Während in den internationalen Medien vom Hochwasser in Houston die Rede ist, haben die Menschen hier genau das gegenteilige Problem: Die lokalen Zeitungen in Montana titeln mit der schlimmsten Dürre seit Jahren.

Auch wir erleben das Thema Waldbrand schon seit Kanada mit. In Vancouver und auf Hornby Island war der Himmel fast immer smokey, die grandiose Bergkulisse sahen wir nur selten. Und als wir dann in den USA mit unserem Mietwagen von Seattle nach Yellowstone fuhren, hatten wir in einer Region schon nachmittags um drei einen so rauchig-dunklen Himmel, dass es wie abends um acht aussah.

Morgen fahren wir weiter in Richtung Süden. Da soll die Sicht wieder besser sein – und vielleicht läuft uns auf dem Weg dorthin ja noch einmal ein Bär über den Weg.

Obdachlos in Seattle

Wer im Internet nach Reisetipps für Seattle sucht, stößt sofort auf einen Filmtitel: „Schlaflos in Seattle“, eine Romanze mit Meg Ryan und Tom Hanks aus dem Jahr 1993. Natürlich habe auch ich den Film damals im Kino gesehen und hinterher Reisepläne für die USA geschmiedet. Viel Zeit ist seitdem vergangen, doch gestern sind wir in Seattle angekommen. Für mich ist es die erste Reise in die Vereinigten Staaten, Wolfgang dagegen war schon ziemlich oft hier – einmal auch in Seattle. Für ihn ist es deshalb nichts Neues, für mich schon: Überall in der Innenstadt gibt es Obdachlose. Männer und Frauen, Alte und Junge, Schwarze und Weiße.

Obdachlos im reichen Land

Schon morgens sehen wir sie in den kleinen Zwischenräumen der großen Einkaufsstraßen. Sie liegen noch schlafend im Eingangsbereich eines Parkhauses. Sie sitzen mit einer Gitarre auf den Stühlen eines Cafés, das noch nicht geöffnet hat. Sie stehen bettelnd an einer Ampel.

Im Lauf des Tages fallen uns auch etliche Polizisten auf, die immer in Zweierteams mit dem Fahrrad in der Innenstadt unterwegs sind und Menschen ohne festen Wohnsitz kontrollieren. Sie zeigen Präsenz und sorgen für ein Gefühl der Sicherheit. Und manchmal helfen sie auch – gleich zweimal sehe ich heute Polizisten, die einen Krankenwagen rufen, weil ein Obdachloser kollabiert ist.

Die Ambulanz hören wir von unserem Hotelzimmer aus nachts auch oft vorbeifahren. Sicher wird sie auch zu anderen Einsätzen gerufen. Aber als wir nach einem frühen Abendessen in Downtown zu unserem Quartier in Japantown gelaufen sind, waren sehr viele Menschen unterwegs, die nur ihr Bündel zum Schlafen oder einen Einkaufswagen mit ihren Habseligkeiten dabeihatten.

Mehr als 500.000 Menschen ohne festen Wohnsitz

Warum gibt es das in einem so reichen Land wie den USA? Warum berührt mich das hier noch mehr als in Indien? Wie sehr wird sich die Lage unter der aktuellen Regierung verschlimmern? Warum soll auch noch der kleine Schutz, den Obamacare bietet, abgeschafft werden? Die Situation macht mich ratlos. Schon jetzt sind laut einer aktuellen Statistik mehr als eine halbe Million US-Bürger/innen ohne festen Wohnsitz, ein Viertel davon Kinder! Darüber hinaus sind rund 60 Prozent der Obdachlosen schwarz, so dass Menschenrechtler auch von einem Rassismusproblem sprechen, denn ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt nur ein Viertel. (Mehr Infos dazu in einem heute-Bericht: http://www.heute.de/san-francisco-rekordsumme-im-kampf-gegen-obdachlosigkeit-47148726.html)

Traurige top five

Seattle gehört übrigens zu den fünf Städten in den USA, in denen die meisten Obdachlosen leben. „Schlaflos in Seattle“ sind hier also sicher sehr viele – aber nicht wegen Liebeskummer.