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In 19 Monaten um die Welt

Juhu! Wir sind „Weltentdecker des Monats“ im bekannten Reiseblog www.wetravelthworld.de. Schaut doch mal rein – dort gibt es auch noch viele andere außergewöhnliche Reiseberichte sowie Tipps für Vielreisende. Und hier ein Auszug aus dem Interview mit uns. Für alle, die schon lange auf eine kleine Bilanz unserer Weltreise gewartet haben.

Wann wir gemerkt haben, dass wir definitiv mit dem Travelbug infiziert sind:

Wir wurden beide – unabhängig voneinander – schon sehr früh mit dem Reisevirus infiziert. Elke liebt von klein auf Wüstenlandschaften, Wolfgang segelt seit jungen Jahren und träumte stets von einer Weltumsegelung.

Elke kommt aus einer oberfränkischen Kleinstadt und fuhr als Kind mit ihren Eltern immer in den gleichen Urlaubsort in Oberbayern. Ihr erster Flug ging deshalb mit Anfang 20 nach Mexiko, wo sie zwei Monate als Backpackerin unterwegs war.

Auch Wolfgang brach, sobald er konnte, aus dem engen elterlichen Reisehorizont aus und machte sich auf den Weg nach Skandinavien und Irland, später dann in die USA.

Die Idee für unsere gemeinsame Weltreise hatten wir in Kambodscha, als wir unseren Freund Matthias besuchten. Der war dort für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) aktiv und ermöglichte uns ungewöhnliche Einblicke in das Land.

Nach diesen zwei eindrucksvollen – aber viel zu kurzen Wochen – war uns klar: Sobald wie möglich brechen wir selbst zu einer langen Reise auf, bei der wir uns so viel Zeit für Land und Leute nehmen können wie wir brauchen, um auch in das Alltagsleben und die Kultur eines fremden Landes einzutauchen.

Matthias und seine Frau Lilly leben inzwischen mit ihrem kleinen Sohn Leo auf den Philippinen. Klar, dass wir sie bei unserer Reise um die Welt auch in Makati besucht haben – und uns auch die Reisterrassen in Banaue angeschaut haben.

Reisterrassen von Banaue

Was unsere längste Reise war:

Unsere längste Reise war natürlich unsere Weltreise: 19 Monate waren wir nonstop unterwegs – von April 2016 bis Ende Oktober 2017. Elke hat dafür ihren sicheren Job als Pressesprecherin einer großen Hochschule gekündigt, Wolfgang verkaufte das Auto, vermietete das Haus und brach unmittelbar nach seiner Pensionierung zusammen mit Elke auf.

Ab ging’s mit einem One-Way-Ticket in das Wüstenland im Süden Afrikas, nach Namibia. Hier waren wir mit einem Offroader unterwegs und schliefen im Dachzelt des Autos.

Offroader mit Dachzelt in Namibia

Danach haben wir „auf Sicht geplant“, also von Etappe zu Etappe entschieden, wo wir als Nächstes hinwollen. Die am weitesten entfernte Punkte auf unserer Reise waren Orte in Australien, insbesondere Melbourne und Sydney. Allerdings sagt die reine Distanz nichts darüber aus, wie fern – und fremdartig – uns Land und Leute sein können.

Trotz der großen Entfernung war uns diese Kultur vertraut, wir fühlten uns dort schnell zuhause. Wolfgang wäre auch gerne dortgeblieben. Elke würde allerdings lieber in Kapstadt leben…

Was unser lustigstes Reiseerlebnis war:

Besonders schöne Sommertage verlebten wir auf Hornby Island, einer sehr kleinen Insel vor Vancouver Island in Kanada. Wir besuchten Eliza und Roy, bei denen unsere Tochter Lisa Maria kurz zuvor zwei Nächte Couchsurfen war.

Haus mit Garten auf Hornby Island

Auch wir wohnten ein paar Tage bei den beiden und dann boten sie uns spontan an, dass wir während ihres eigenen Urlaubs Haus und Hof hüten können. Dafür mussten wir nur den Garten gießen und Hund, Katze und Hühner füttern.

Kurz zuvor war ihnen allerdings ein Huhn davongelaufen, wir sollten also gut aufpassen. Wolfgang liebte es, die Hühner regelmäßig zu füttern – und das sprach sich offenbar schnell herum. Als wir uns am Tag unserer Abreise schon verabschiedet hatten und losfahren wollten, kam plötzlich ein Huhn um die Ecke: Das verlorene Huhn war zurückgekehrt!

Das verlorene Huhn kehr zurück.

Was auf all unseren Reisen immer dabei sein muss:

Elke: Bei mir ist es Cäcilia, eine kunterbunte, vorlaute Stoffgiraffe aus dem Senegal. Sie ist mittlerweile sehr reiseerfahren und hat schon viel von der Welt gesehen. In Deutschland langweilt sie sich ziemlich und deshalb quängelt sie und drängt auf erneuten Aufbruch in die große weite Welt…

Wolfgang: Ich bin süchtig nach Musik und reise deshalb nicht ohne meinen kleinen Reiselautsprecher. Damit kann ich überall meine Lieblingsmusik hören – auch und gerade in den entlegensten Gebieten. Mein Credo: Bach geht eigentlich überall, am besten aber in grandiosen Landschaften.

Stoffgiraffe, Lautsprecher und Weltkarte

Mit welchem Gepäckstück wir reisen:

Wir reisen beide mit einer Rollenreisetasche von Vaude – Wolfgang hat die große, Elke die kleine. Für 19 Monate Weltreise hatten wir jeweils auch noch einen mittelgroßen Rucksack für Wanderungen dabei. In dem war immer unser Leicht-Schlafsack, eine Regenjacke und eine Zahnbürste – also eine Ausrüstung für den „Notfall“, der übrigens nie eingetreten ist.

Wolfgang Eckart und Elke Zapf aus Nürnberg reisten in 19 Monaten um die Welt.

Was unser größter Reisetraum ist:

Nach der Weltreise ist vor der Weltreise. Deshalb planen wir, künftig mindestens drei Monate im Jahr unterwegs zu sein, sei es mit einem Segelboot oder mit einem orangenen VW-Bus quer durch Europa. Traumziele haben wir natürlich auch noch: Allen voran wollen wir 2019 per Schiff von Patagonien in die Antarktis. Aber auch eine Reise in den Iran oder nach Äthiopien steht ganz oben auf unserer Agenda.

Was uns noch wichtig ist:

Die Weltreise war die beste Entscheidung unseres Lebens – und wir kommen nicht mehr los vom Reisevirus. Besonders wichtig für uns war, dass wir ohne festen Plan gereist sind – und so dem Zufall eine Chance geben konnte.

Die besten Begegnungen mit den interessantesten Menschen sind nur dadurch entstanden. Zum Beispiel das „Haus-Hüten“ auf Hornby Island oder eine sehr besondere Situation in Südafrika, wo wir in Bulungula an der „Wild Coast“ zufällig einen zeremoniellen Hüttenbau miterlebt haben.

Xhosa-Frau in Südafrika

Männer und Frauen bauen eine Hütte in Bulungula

Wir haben auch sonst vieles ausprobiert und viele tolle Menschen kennengelernt. Vor allem, wenn wir mal länger an einem Ort waren. Zum Beispiel haben wir uns in Kapstadt und in Melbourne jeweils für einen ganzen Monat eine Wohnung gemietet.

Und in Hanoi waren wir eine ganze Woche und hatten so die Zeit, einen Kochkurs zu machen. Sehr lecker! Übrigens haben wir auch als  Vegetarier haben fast immer und überall gut gegessen.

Zutaten für ein leckeres vietnamesisches Gericht

 

 

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Der Kreis schließt sich

Auch zwei Jahre Auszeit sind irgendwann vorbei. Am 4. April 2018 – auf den Tag genau zwei Jahre nach unserem Aufbruch – sind wir wieder in Nürnberg angekommen. Mit dem Zug, mit Gepäck, am Hauptbahnhof. Nun sind wir erst einmal wieder in unserem Haus in Zabo und sind gespannt, wie es weitergeht.

Bleiben wir in Nürnberg oder zieht es uns woanders hin? Sucht Elke sich wieder einen Job oder arbeitet sie freiberuflich? Wo engagiert sich Wolfgang, sei es ehrenamtlich oder nachberuflich in Projekten rund um das Thema Bildung? Schreiben wir ein Buch über unsere Erlebnisse? Finden wir ein neues gemeinsames Projekt, das uns begeistert und weiterhin zu neuen Ufern aufbrechen lässt?  Wir wissen es noch nicht. Aber wir wissen, dass unsere Weltreise die absolut richtige Entscheidung war und es immer noch ganz viel zu entdecken gibt. Vielleicht mit einem VW-Bus oder einem Segelboot. Es wird sich zeigen…

„Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt.“ (aus Afrika)

Reise-ABC

Und bis dahin schreiben wir ab jetzt jede Woche einmal einen Beitrag in einem Reise-ABC. Mit allgemeinen Tipps zum Reisen vermischt mit unseren ganz persönlichen Erfahrungen. Von A wie Apartment bis Z wie Zugfahren. Und vielleicht schaffen wir es ja bis zu D wie Diashow auch mal, eine zu erstellen und Euch einzuladen, wenn sie fertig ist.

„Unterwegs im Auftrag des Herrn“

Seit deutlich mehr Flüchtlinge nach Europa kommen, ist Afrika bei uns verstärkt ins Blickfeld gerückt. Meist geht es dabei um die gravierenden Probleme, die dieser Kontinent noch immer hat, seltener um die positiven Entwicklungen und Chancen. Eine faire Entwicklungspolitik soll helfen, die Fluchtursachen zu bekämpfen, darüber sind sich (fast) alle einig. „Schluss mit unserem Kolonialismus!“ fordert daher Gerd Müller, CSU-Mitglied (!) und derzeit Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Andere Stimmen hingegen warnen, dass sich Afrika selbst helfen müsse. Der Anspruch, dass die armen Länder Afrikas mit Entwicklungsgeld zu retten seien, sei viel zu ambitioniert.

Sich dazu eine eigene Meinung zu bilden, ist gar nicht so einfach. Auch auf unserer Weltreise waren wir ja vielfach mit diesen Fragen konfrontiert gewesen. Da traf es sich gut, dass die Akademie Caritas Pirckheimer Haus in Nürnberg (CPH) im Januar 2018 eine Reise in das westafrikanische Land Senegal organisierte. Anlass war die alljährliche Feier der Partnerschaft zwischen der Diözese Thiès und dem Erzbistum Bamberg.  Mit Siegfried Grillmeyer, dem Direktor des CPH, hatten wir denn auch einen sehr engagierten Delegationsleiter. So organisierte er auch medizinisches Material und Schreibmaterialen zum Mitnehmen. Die Reisegruppe selbst war durchaus heterogen: Neben Siegfried und seinem Sohn Leonhard noch der Verwaltungsleiter CPH („Bruder Klaus“), dazu Mitglieder des Lions-Clubs Nürnberg-Franken. Und ich: weder – noch. Nur recht kirchenfern…

Vom Schneesturm in den Senegal: In Nürnberg ging es mit Verzögerung los, in Paris wurde das Flugzeug erst repariert – dann endlich Ankunft im Maison Dupretre, Thiès

Einblicke in die Bistumspartnerschaft

Bei unserer „Senegalexpedition“ sollte es darum gehen, sich die konkreten Projekte, die im Rahmen dieser Partnerschaft entstanden sind, anzuschauen, die beteiligten Menschen (insbesondere die auf senegalesischer Seite) kennen zu lernen und so ein wenig mehr von der afrikanischen Lebenswirklichkeit zu erfahren – und darüber zu berichten. Ob auch ein Blick hinter die Kulissen möglich sein würde? Auf jeden Fall würde diese Reise eine gute Möglichkeit sein, unsere (Vor)Urteile über Afrika auf den Prüfstand zu stellen.

Der Zugang zur afrikanischen Realität durch die Institution katholische Kirche und ihre Weltsicht war für mich recht gewöhnungsbedürftig. Als „katholisch erzogener Agnostiker“ habe ich keinerlei Talent, diese „Sichtweise aus dem Glauben heraus“ zu teilen. Was mich letztlich aber interessiert, ist die Frage, wie im Kleinen eine gelingende Zusammenarbeit in konkreter Form aussehen kann. Oder anders gesagt: Auf der Suche nach Großem im Kleinen fündig werden. Dahinter steht letztlich aber auch die Frage, ob sich kleinteilige Entwicklungsarbeit überhaupt „lohnt“ oder doch nur den Effekt hat, das eigene Gewissen zu beruhigen. Oder, wie in diesem Fall, vorrangig der Missionsarbeit dient.

Katholisch und farbenfroh: kirchliches Leben im Senegal.

Ein dichtes Besuchsprogramm

Für nur eine Woche Aufenthalt war das Programm sehr ambitioniert: Zahlreiche Begegnungen und Gespräche mit den Akteuren vor Ort, also Vertretern der Diözese Thiès, insbesondere mit Bischof André Gueye, aber auch des Erzbistums Bamberg mit Weihbischof Gössl und einigen Mitarbeitern. Dazu etliche Besichtigungen kirchlich getragener Bildungs- und Sozialprojekte in Thiès und auf dem Land, Besuch von Klöstern und einer großen Moschee in Touba im Landesinneren. Kirchlicher Höhepunkt war ein großer Festgottesdienst in der Kirche von Bambey aus Anlass des elfjährigen Bestehens der Partnerschaft. Ein Highlight war für mich der Empfang beim deutschen Botschafter in Dakar. Dazu gleich mehr.

Zu Besuch: beim großen Schulfest, in einer Grundschule – und in der klösterlichen Hostienbäckerei.

Ergänzt wurde das Besuchsprogramm durch touristische Ziele wie den Besuch der Insel Gorée mit einem historischen Gebäude, in dem Westafrikaner, die als Sklaven nach Amerika verschleppt wurden, zusammengetrieben wurden. Heute ist das Haus ein Erinnerungsort für den Sklavenhandel, die Insel selbst ist seit 1978 UNESCO Weltkulturerbe. Allerdings vermittelt sich dem Besucher kaum die besondere Tragik des Ortes, eher wirken Gebäude und Insel heute heiter, ja fast mediterran…

Tragischer und idyllischer Ort: Die Insel Gorée.

Der Senegal, eine stabile Demokratie

Im scharfen Kontrast dazu steht das Festland. Die Hauptstadt Dakar ist zwar eine pulsierende westafrikanische Metropole, doch gleich dahinter breitet sich ein staubiges, armes Land aus. Das Klima im Norden ist – bis auf die Regenzeit im Sommer – heiß und trocken, entsprechend herrscht Savanne vor, Landwirtschaft ist daher mühsam. Amtssprache ist seit der Kolonialzeit Französisch, die Staatsform Republik. Erfreulicherweise gehört der Senegal, der erst 1960 politisch unabhängig wurde, zu den stabilen Demokratien Afrikas. Zu den positiven Entwicklungen gehört auch das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Ethnien und Religionen. Senegal ist ein islamisch dominiertes Land (90%), das Christentum nur sehr gering verbreitet (ca. 5%), doch das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen ist von gegenseitigem Respekt geprägt.

Stabile Demokratie, aber ärmliche Lebensverhältnisse: Alltagsszenen 

Ein smarter Botschafter

Interessante Hintergrundinformationen bekamen wir beim Besuch der Deutschen Botschaft in Dakar. Botschafter Stephan Röken sprach beispielsweise die rasche Bevölkerungsentwicklung im Senegal als fundamentales Problem an. So wuchs die Bevölkerung zwischen 1960 und 2017 von 3 auf 16 Millionen an, davon sind aktuell 60% unter 20 Jahre alt. Migration ist deshalb ein großes Thema, sowohl innerhalb des Senegal (in die Städte) als auch nach Europa und in die USA. Bevorzugtes Ziel der Auswanderung ist Frankreich, wo bereits Hunderttausende Senegalesen leben. Nach Deutschland kommen hingegen nur wenige: circa 1.500 Senegalesen leben zurzeit in Deutschland, einige davon sind übrigens in der zentralen Asylbewerber-Aufnahmeeinrichtung Oberfranken in Bamberg untergebracht.

Im Gespräch: Runde mit dem Botschafter Stephan Röken und Siegfried Grillmeyer in harter Missionsarbeit mit dem Autor

 

Das Problem der Migration

Da der Senegal als sicheres Herkunftsland gilt, haben Asylbewerber praktisch keine Chance auf Anerkennung. Interessanterweise wies Botschafter Röken darauf hin, dass es häufig einen erheblichen Druck seitens der Familien im Senegal gebe, einen der ihren zur Auswanderung nach Europa zu drängen, stellen die dann zu erwarteten Überweisungen doch eine erhebliche Einnahmequelle dar. Werden die jungen Senegalesen dann zurückgeschickt, bedeute das für sie und ihre Familien, dass sie versagt hätten. Allerdings erweise sich die Rückführung als schwierig, weil der Staat sie nicht wiederhaben wolle. Um einer Flucht nach Deutschland schon im Mutterland vorzubeugen, wurde just in der Woche, in der wir dort waren, von deutscher Seite ein Migrationszentrum in Dakar eingerichtet. Dort sollen potenzielle Auswanderer über die Risiken illegaler Migration informiert und Rückkehrern finanzielle Hilfe geleistet werden. Auch investiert Deutschland im Senegal zusätzliche 5,6 Millionen Euro in Projekte, die gezielt Rückkehrern helfen und Arbeitsmöglichkeiten für junge Senegalesen schaffen sollen. Das klingt sehr sinnvoll.

Kirchliche Projekte als Lerngemeinschaft

Auch unsere Gastgeber von der Diözese Thiés kümmern sich darum, jungen Senegalesen eine Perspektive zu geben und Familien vor Ort praktisch zu unterstützen: Letztere durch landwirtschaftliche Projekte und sogenannte Mikrokredite, vornehmlich an Frauen. Erstere durch gute schulische Angebote wie im College St. Gabriel mit 2.300 Schülerinnen und Schülern – von denen übrigens etwa die Hälfte muslimisch ist! Im Gegensatz zu den öffentlichen Schulen, die heillos unterfinanziert sind, gibt es dort hohe Abschlussquoten. Der Staat zahlt zwar nur sehr geringe Zuschüsse, das Schulgeld ist dementsprechend teuer, aber durch Schülerpatenschaften – derzeit um die 900, wiederum aus Oberfranken (!) – können doch auch viele Kinder und Jugendliche aus armen Familien an guter Bildung teilhaben. Das verdient Respekt! Wenn ihr das unterstützten wollt, hier der Link zur Aktion Schulgeld. Das große, lebendige Schulfest, an dem wir als Gäste teilnahmen, war für mich denn auch einer der Höhepunkte der Reise. Begrüßt wurden wir übrigens durch den Schülersprecher – auf Deutsch. So überraschte es dann auch kaum, dass es dort einen „Deutschclub“ gibt.

Oberfrankenpower

Dass auch unsere Gastgeber in Thiés, Bischof Guèye und alle Abbés (Pfarrer), sehr gut Deutsch sprechen, verwundert ebenfalls nicht, da sie als Urlaubsvertretungen lange Jahre in oberfränkischen Pfarreien tätig waren oder noch sind. Sympathisch auch, dass es auf der Ebene der „katholischen Landvolkbewegung“ (ich wusste gar nicht, dass es so etwas noch gibt) zahlreiche Besuche und Begegnungen zwischen Menschen aus Oberfranken und Thiés gibt. Wohl deshalb trafen wir dort auch drei junge Oberfränkinnen, die in Thiés ihr freiwilliges soziales Jahr im kirchlichen Kontext machen, unter ihnen Nena Sünkel aus Burgkundstadt – der berühmten Heimatstadt Elkes.

Mein Resümee

Mein persönliches Fazit zu unserer kurzen Senegalreise: Wir trafen im Land auf sehr freundliche, hilfsbereite und unkomplizierte Gastgeber, die uns Einblick gaben in ihre engagierte kirchliche Arbeit und – dies allerdings weit weniger – in den Alltag der Menschen dort. Manche Projekte, die wir besuchen durften, waren vorbildlich, andere warfen schon Fragen nach dem Sinn und Zweck auf – und nach der Nachhaltigkeit solcher Entwicklungsvorhaben. Bei einigen Stationen unseres Besuchsprogramms hätten wir gerne mehr erfahren, bekamen aber nur zögerliche Auskünfte. Allerdings waren wir auch zu kurz dort, um wirklich „hinter die Kulissen“ schauen zu können. Und, wie ein Teilnehmer meinte, wir haben’s sehr katholisch gesehen. Na klar, schließlich waren wir ja „im Auftrag des Herrn unterwegs.“ Alles in allem war diese Reise ein intensives Erlebnis, voller nachwirkender Bilder und Eindrücke. Ich bin gespannt, was wir Teilnehmenden daraus machen und wie es nun weitergeht. Die Wege des Herrn sind bekanntlich ja unergründlich…

2018: Aufbruch zu Neuem

Das Jahr 2017 ist vorbei, damit auch unser Trip um die Welt. 19 Monate unterwegs zu sein, ohne festen Wohnsitz, dafür mit immer neuen Eindrücken und Begegnungen in den verschiedensten Ländern und Erdteilen – das war eine grandiose Erfahrung. Wir sind uns einig: Das war das Beste, was wir tun konnten. Diese Entscheidung war goldrichtig!

Allerdings hat unser Leben dadurch auch seine Richtung geändert. Wir leben bewusster, wohl auch intensiver. Und wir sehen manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Das hat auch dazu geführt, dass uns manches hierzulande fremd geworden ist: Sei es die – aus unserer Sicht – eigentümlich respektlose, ja unfreundliche Art und Weise des Umgangs miteinander, die verbreitete Rechthaberei, die eigenartig unzufriedene Grundstimmung. Auch das politische Klima ist spürbar rauer geworden, der Ton lauter und schärfer, vor allem im rechten Lager. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass wir sensibler als früher darauf reagieren. Wir nehmen uns jedenfalls vor, gelassen und optimistisch zu bleiben.

Sehr eigene Erfahrungen

Wir sind nach wie vor sehr dankbar, dass wir auf unserer Tour immer gesund geblieben sind. Wichtig war auch die Erfahrung, wie wenig wir eigentlich zu einem glücklichen Leben brauchen. Wir haben die Masse an Dingen, die den Alltag hier ausmachen, jedenfalls nicht vermisst. Auch nicht vermisst haben wir die vertrauten bürokratischen Zumutungen wie Steuererklärung und Versicherungsabrechnung und die aufwändige Planerei des Alltags. Wie viel Zeit das frisst! Was uns hingegen riesig freut, sind die zahlreichen Menschen, die uns via Blog oder auf anderen Wegen auf unserer Reise begleitet – und auch ermuntert – haben. Und auch danach. Niemals hätten wir gedacht, dass wir so viele Klicks (immerhin schon knapp 58.000) bekommen würden. Besonders haben wir uns über jeden Kommentar gefreut – und sei er auch noch so kurz. Für uns war die unmittelbare Resonanz auf unsere Beiträge nicht nur ein schönes Lebenszeichen aus der Heimat, sondern auch ein Signal der aktiven Anteilnahme. Generell gesprochen ist Resonanz ja letztlich das, was wir von anderen, vor allem von unseren Freunden erhoffen oder erwarten – und natürlich gilt das auch umgekehrt.

Neue Freundschaften

Neue Freundschaften sind unterwegs und auch zuhause entstanden, alte haben sich gefestigt – oder manche auch gelockert. Natürlich freuen wir uns, wenn wir hier von unserer Reise erzählen können. Doch wir machen derzeit die Erfahrung, dass sich das Interesse sehr in Grenzen hält – ausgenommen bei Freunden, die selbst schon viel unterwegs gewesen und immer wieder mal zu neuen Ufern aufgebrochen sind. Vielleicht hängt das ja damit zusammen, dass die Erfahrungshorizonte sich auseinander entwickelt haben. Vielleicht sind wir manchen ja auch selbst fremd geworden. Deswegen erzählen wir eher wenig – und empfinden das mittlerweile auch als ganz normal. Das „Schwelgen in Erinnerungen“ liegt uns ohnehin nicht so. Gestern, am Silvesterabend, haben wir uns tatsächlich das erste Mal gemeinsam Fotos von unserer Reise angeschaut.

Züricher Freunde: Karin und Beni aus der Schweiz haben wir in Laos kennengelernt und haben sie nun in Zürich besucht.

Vieles ist offen

Nun gilt es für uns, sich neue, gemeinsame Ziele zu stecken. Wie viel Aufbruch, wie viel Veränderung muten wir uns selbst (weiterhin) zu? Oder wollen bzw. brauchen wir jetzt wieder mehr Alltag, mehr Vertrautes, mehr Beständigkeit? Vieles ist derzeit noch offen: Wie genau wir leben wollen. Und wo. Gibt es ein neues Projekt, das uns gemeinsam begeistern könnte? Wenn ja, starten wir das dann hier – oder doch im Ausland?

Da wir noch bis März 2018 in unserem Winterquartier in Konstanz bleiben werden, haben wir noch etwas Zeit für die Klärung.

Klar ist bislang eigentlich nur, dass wir auch weiterhin viel reisen wollen. Elke würde ohnehin lieber heute als morgen nach Kapstadt fliegen. Oder mit einen orangen VW-Bus durch Europa fahren. Ich hingegen hänge der Idee an, zu Fuß eine längere Alpendurchquerung von Ost nach West zu machen. Oder mit einem Boot von der nördlichen Adria bis in die Ägäis segeln. Man wird sehen, was uns das Jahr 2018 bringt. Unser derzeitiger Lieblingsspruch kann uns dabei vielleicht leiten:

„Kühner als das Unbekannte zu erforschen kann es sein, Bekanntes infrage zu stellen“ (frei zitiert nach Paul Watzlawick )

„Unser erstes Mal“ als neue Rubrik

Da wir vieles auf unserer Reise das erste Mal gemacht haben, wollen wir darüber auch in diesem Blog berichten und haben die neue Rubrik „unser erstes Mal“ eingerichtet. Lasst Euch überraschen, welche Geschichten von unserer Weltreise wir da so erzählen werden. Für uns beide war (und ist) es auf jeden Fall immer wieder eine schöne Erfahrung, Neues auszuprobieren – egal, wie gut oder schlecht wir uns dabei anstellen. Demnächst also dazu mehr.

Auch das Reisen bleibt natürlich ein Thema: Da ich im Januar an einer „Multiplikatorenreise“ in das westafrikanische Land Senegal teilnehmen werde, möchte ich auch darüber berichten. Seit zehn Jahren besteht nämlich zwischen der Diözese Thiés im Senegal und der Erzdiözese Bamberg eine Partnerschaft. Mit Siegfried Grillmeyer, dem Leiter der Akademie caritas-pirckheimer-haus in Nürnberg und Organisator der Reise, werde ich die Möglichkeit bekommen, in die Komplexität afrikanischer Lebenswelten fernab touristischer Wege einzutauchen und einige Sozial- und Bildungsprojekte zu besuchen. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet! Einen Bericht wird es in der Rubrik Afrika geben, denn wir haben unsere Artikel nun nach Kontinenten im Menü geordnet.

Alles Gute für 2018

Wir wünschen euch von Herzen alles Gute für 2018, natürlich Glück und Gesundheit, aber auch viele schöne Reisen und spannende neue Erfahrungen.

Stürmische Heimkehr

„Sturmtief Herwart fegt über Deutschland.“ So titelte die Tagesschau – und wir waren mittendrin. Eigentlich sollte unsere Transatlantik-Passage mit der Queen Mary 2 gestern Abend in Hamburg enden, heute wollten wir schon in Berlin bei Hannah und Lissy sein. Doch das Wetter wollte es anders…

Über weite Teile von Norddeutschland zog Sturmtief Herwart in der Nacht hinweg und brachte Böen in Orkanstärke mit sich. Unser Kapitän hatte uns schon mittags darauf vorbereitet, dass die See im Lauf des Tages rauer werden wird.Und sie wurde so rau, dass die Hamburger Hafenbehörde uns aus Sicherheitsgründen die Einfahrt in die Elbe nicht erlauben konnte. Wir hatten also eine ziemlich stürmische Nacht und verbrachten heute einen zusätzlichen Tag am Schiff.

Seit dem späten Nachmittag hat sich die Lage zum Glück beruhigt, hin und und wieder kam sogar die Sonne durch. Gegen 14 Uhr fuhren wir dann schließlich von der Nordsee in die Elbe ein und nähern uns jetzt langsam dem Hamburger Hafen. Um 21 Uhr sollen wir dort einlaufen, noch ein letztes Mal im sicheren Hafen übernachten und morgen an Land gehen.

Die Weltreise ist damit wirklich zu Ende – mit einer ziemlich stürmischen Rückkehr nach Deutschland. Wer weiß, wofür das ein Zeichen ist?

“Keiner kommt von einer Reise so zurück, wie er weggefahren ist.“(Graham Greene)

Mit der Queen Mary 2 über den Atlantik

„Good afternoon ladies and gentlemen – this is your captain.“ Mit diesen Worten beginnt Christopher Wells jeden Mittag pünktlich um 12 Uhr seine offizielle Durchsage. Wir befinden uns an Bord der Queen Mary 2 auf der letzten Etappe unserer Reise um die Welt. Nun geht es „nur noch“ von New York nach Hamburg, einmal quer über den Atlantik. Neun Tage dauert diese Reise mit dem Schiff statt neun Stunden mit dem Flugzeug. Ganz bewusst haben wir uns für diese langsame Art des Reisens entschieden, denn wir wollen uns behutsam der alten Heimat und der Rückkehr in ein normales Leben nähern.

Entdeckt haben wir die Schiffspassage – wie so viele Dinge auf dieser Reise – durch einen Zufall. Als wir im April dieses Jahres zum zweiten Teil unserer Weltreise aufbrechen, sehe ich im Flugzeug von Madrid nach Buenos Aires eine Anzeige. Im Bordmagazin wirbt die Reederei Cunard Lines für ihre unterschiedlichen Transatlantik-Passagen – und bietet im Oktober besonders günstige Kabinen an. Wer mich kennt, weiß, dass ich Schnäppchen liebe – und so nehme ich die Anzeige mit in unser airbnb-Apartment in Buenos Aires. Wir erkunden die Stadt, wir nehmen Spanischunterricht, wir wagen einen Tangoabend – und wir sprechen hin und wieder über das Schiff: Wollen wir uns jetzt schon festlegen, wann wir zurückfahren? Hat das Angebot einen Haken? Passt diese Art des Reisens zu uns?

Nach einigem Hin und Her, entscheiden wir uns dafür, schließlich wollen wir auf der Reise auch immer wieder Neues ausprobieren. Und die Vorstellung, am Ende ganz langsam nach Hause zu fahren und noch einmal Zeit zum Nachdenken zu haben, spricht uns an. Über Herbert Bröckel, unseren Reiselotsen in Deutschland, buchen wir die Passage, wissen alles bestens geregelt und erkunden Lateinamerika auf eigene Faust.

Ein echter Ozeandampfer

Inzwischen ist es sieben Monate später, und wir sind wirklich an Bord der Queen Mary 2. Zusammen mit 2.498 anderen Passagieren aus insgesamt 31 Nationen. Die meisten sind US-Amerikaner, Briten und Deutsche, denn das Schiff startet in New York, legt in Southampton an und endet schließlich im Hamburger Hafen. Offizielle Bordsprache ist Englisch, aber wir hören auch ganz viel Deutsch und lernen an Bord einige nette Landsleute kennen. Das langsame Annähern an die Heimat beginnt also schon hier.

Wir führen – bei gutem Essen und einem Gläschen Wein – angeregte Gespräche über Kunst, Kultur und Politik. Und auch unsere Kleidung verrät nicht mehr, dass wir in den letzten Wochen im Zelt übernachtet und tagsüber meist in T-Shirt und kurzen Hosen herumgelaufen sind. An Bord des Ozeandampfers gilt eine strenge Kleiderordnung – was wir bei der Buchung nicht wirklich bedacht haben – und vor allem ich mache mich in ein paar Tage vor dem Ablegen des Schiffs ziemlich verrückt. In New York suche ich ewig nach einem kleinen Schwarzen, das mir passt und bezahlbar ist. Dazu kommen dann noch Schuhe, und am Freitag morgen – nur ein paar Stunden bevor wir auf das Schiff gehen – kaufe ich mir noch panisch eine schwarze Hose und schwarze Bluse. Wolfgang nimmt das Ganze viel gelassener, kauft sich aber auch einen blauen Anzug und später an Bord noch eine Fliege (!). So sind wir gerüstet für die Abende an Bord, die formale Kleidung erfordern…

An Pier 12 in Brooklyn wird es ernst

Das Gute an diesen Vorgaben ist, dass ich in New York gar keine Zeit mehr habe, über die Heimreise, über das Ende der Weltreise, über das Leben danach nachzudenken. Viel lieber genieße ich New York in vollen Zügen – und erst als wir in das Uber-Taxi steigen, das uns zum Pier 12 in Brooklyn bringt, werde ich deswegen nervös. Sind wirklich schon eineinhalb Jahre vorbei? Wie wird es zuhause sein? Können wir nicht einfach in New York bleiben? Fragen über Fragen schießen mir durch den Kopf während ich aus dem Fenster schaue und wir von Harlem an Manhattan vorbei nach Brooklyn fahren. Gestern sind wir noch – wie Hunderte andere Touristen – von Brooklyn nach Manhattan über die Brooklyn Bridge gelaufen, heute fahren wir mit dem Auto in die andere Richtung und sehen von der Brücke aus die Queen Mary 2 am Pier liegen. Ein stolzes und schönes Schiff. Ein Schiff, auf das der Begriff Ozeandampfer noch zutrifft.

Bei strahlendem Sonnenschein checken wir am 20. Oktober nachmittags um 15.30 Uhr ein. Die Formalitäten gehen schnell und absolut unkompliziert über die Bühne, obwohl wir aus den USA ausreisen. Und schon eine halbe Stunde später sind wir in unserer Kabine mit der Nummer 4101 und finden eine kleine Flasche Sekt zur Begrüßung. So kann es gerne weiter gehen…

Mit Blick auf die Freiheitsstatue und die Skyline von Manhattan stoßen wir an und legen ein paar Stunden später vor dieser wunderbaren Kulisse ab. Inzwischen ist es dunkel geworden, und wir sehen zum Abschied das Lichtermeer von Manhattan, die beleuchtete Brooklyn Bridge und das Empire State Building, dessen Spitze heute lila strahlt.

Pianomen aus dem Allgäu

Abends gehen wir zum ersten Mal in das schicke Britannia Restaurant, in dem nun jeden Abend ein Tisch für uns reserviert ist. Das viergängige Menü hier ist auch in der vegetarischen Variante sehr gut. Und danach können wir jeden Abend aussuchen, ob wir noch einen Drink in der Bar nehmen (immer), uns ein Musical im Bordtheater (manchmal) anschauen oder zum Maskenball (nie) gehen. Das Programm ist bunt und bietet jeden Tag die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Uns beeindrucken vor allem die Vorträge von Mark Landler, er ist Journalist der New York Times und seit Jahren deren White House Correspondent.

Und wir genießen die beiden Konzerte von Pianotainment von Stephan Weh und Marcel Dorn. Im Cafe lernen wir die beiden „Jungs“ aus dem Allgäu, die mit ihrem Programm um die ganze Welt reisen, später auch noch persönlich kennen.

Europa rückt näher

Inzwischen ist schon Tag fünf unserer Seereise angebrochen. Kapitän Wells erläutert uns – gewürzt mit einer Prise britischen Humors – dass wir seit New York schon 2.300 Seemeilen zurückgelegt haben und damit zum ersten Mal auf dieser Seereise näher an Europa als am amerikanischen Kontinent sind. Die Stelle, an der die Titanic vor 105 Jahren gesunken ist, haben wir übrigens schon vorgestern Nacht ohne Zwischenfälle passiert. Jeden Tag nach der Durchsage des Kapitäns wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Aus 12 Uhr mittags wird ganz schnell 13 Uhr Bordzeit. Der Zeitunterschied zur Heimat wird jeden Tag ein bisschen weniger, die Tage vergehen schnell an Bord – und am Sonntag wird unsere Reise dann wirklich zu Ende sein.

Grüne Promenade mitten in Manhattan

New York ist nicht nur die aufregendste Stadt der Welt, sondern an einigen Stellen auch richtig grün und erholsam. Für Leserin Susanne Böck aus Nürnberg schauten wir uns bei der monatlichen Wunschaktion  den High Line Park an. „Wie ist es, durch diese grüne Ader zu laufen, während in der Mega-City das Leben tobt?“, wollte sie wissen.

Den Artikel findet Ihr auf der online-Reise-Seite der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung und in der Printausgabe von diesem Wochenende. Bilder gibt es auch schon hier:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Danke fürs Mitmachen!

Durch die Wunschaktion habe ich viele interessante Menschen kennengelernt, neue Dinge ausprobiert und spannende Einblicke bekommen. Danke an alle, die mitgemacht haben. Und danke an Gudrun Bayer und Matthias Niese von der Reiseredaktion.

New York, New York!

Der nette Taxifahrer muss ihn suchen, den kleinen, etwas versteckt liegenden Jazzclub in Harlem, wo wir uns mit Monika verabredet haben. Monika kommt aus Duisburg, lebt aber schon seit einigen Jahren in Harlem, New York City, und hat dort eine hübsche kleine Wohnung, in der wir für eine Woche ein Zimmer beziehen. So kommt es, dass wir im Norden Manhattans wohnen, jenseits der 96th Street, einer Straße, die in den 80ern noch eine klare Grenze zwischen weiß und schwarz darstellte und die Gentrifizierung noch nicht im vollen Gange war. Der Norden Manhattans war seinerzeit „no go area“. Heute ist Harlem bunt, an den Ufern des Hudson sind die teureren Wohnlagen, auf den Hügeln hingegen wohnen „Hispanics“ und, im Bezirk um die 125th Street, die „Schwarzen“.

Jazz in Harlem

Als wir den Veterans Club betreten, fängt uns gleich die besondere Atmosphäre ein. An den Wänden hängen Photos von würdig dreinblickenden älteren Herren mit Militärkäppi, also eben den Kriegsveteranen, denen dieser Club gewidmet ist. Als die Band, deren Zusammensetzung im Laufe des Abends mehrfach wechselt, loslegt, hören wir begeistert den Sound, der zu Harlem gehört: swingender Groove von exzellenten Musikern, angeführt von ausdrucksstarkem Saxofonspiel.

Nicht allzu weit weg von hier liegt übrigens das berühmte Apollo Theater in der 125th Str., in dem sie alle einmal aufgetreten sind, die Größen des Jazz und Blues: Billie Holiday, Etta James, Aretha Franklin, Little Richard, Quincy Jones und viele mehr. Auch das Apollo sieht von außen eher unscheinbar aus; rein schaffen wir’s dann leider nicht mehr. New York hat eben so viel zu bieten, dass eine Woche bei weitem nicht ausreicht…

NYC – immer im Wandel

New York hat eine einmalige Museumslandschaft. Den besten Ruf unter Kunstfreunden hat das MoMA, das Museum of Modern Art in Midtown Manhattan. Um es gleich zu sagen: Das hochberühmte MoMA hat uns diesmal eher enttäuscht. Ein Kunsttempel, der so hoffnungslos überfüllt war, dass einem keinerlei Platz und Muße für die Betrachtung der Werke blieb. Vor allem die chinesischen Reisegruppen belagerten die Objekte regelrecht, schoben sich selbst und die Kunst fotografierend vor alle anderen Betrachter, so dass wir schnell die Flucht ergriffen. Außerdem kann es, was das Konzept und die originelle, neugierig machende Auswahl anbelangt, in keiner Weise mit dem tollen MoMA in San Francisco mithalten.

Natürlich waren wir auch im „Met“, dem Metropolitan Museum of Art, an der Ostseite des Central Park mit seinen riesigen Sammlungen. Auf Empfehlung stiegen wir zuerst dem Met aufs Dach, denn von der Terrasse im 5. Stock hat man einen atemberaubenden Blick auf die Skyline von Midtown Manhattan und den Central Park.

Den Park haben wir dann ein paar Tage später mit dem Leihfahrrad abgeradelt, wobei mir gerade dabei aufgefallen ist, was sich seit meinen ersten Besuchen in New York – angefangen von den 80er Jahren – geändert hat: die Stadt ist wesentlich aufgeräumter, sauberer und geregelter geworden. So ist der Parcours für Radfahrer im Park durchweg vorgeschrieben, es geht nur in eine Richtung, überall stehen Ge- und Verbotsschilder und sogar Ampeln (wohlgemerkt, für Fußgänger und Radfahrer). Das hatte ich anders in Erinnerung: bunter, freier, lässiger. Natürlich ist die City nach wie vor laut, schnell und wohl auch hart, ihre Atmosphäre vom ersten Augenblick an aber auch ansteckend und inspirierend. Drogen und Obdachlosigkeit sind – zumindest in Manhattan – aus dem öffentlichen Leben so gut wie verschwunden.

Grüne Oasen

Gleichzeitig wurden immer mehr Stadtbezirke von Grund auf edelsaniert, so zum Beispiel Chelsea in der Nähe des Hudson River, früher der so genannte Meat Packing District, heute ein Trendviertel. Sahnestück ist der neue Highline Park, der auf der Hochtrasse einer aufgegebenen Stadtbahn entstanden ist. Die Verwaltung wollte sie abreißen, doch die Bürger setzten sich erfolgreich dafür ein, ihn zu sanieren und zu einer schön angelegten, begrünten „Fußgängerzone auf Stelzen“ umzugestalten. Heute ist er eine der großen Attraktionen New Yorks, ermöglicht er doch entspanntes, autofreies Bummeln mitten durch die Stadt mit tollen Ausblicken auf den Hudson River und Bauwerke unterschiedlichster Architekturepochen. New York/Manhattan ist so noch ein bisschen grüner geworden und öffnet sich heute- stärker noch als früher, wie ich finde – dem umgebenden Wasser, seien es Hudson und East River oder dem Meer.

Brooklyn

Das wird uns auch besonders bewusst bei dem Besuch von Brooklyn. Auch hier sind ehemalige Industrieviertel in schicke Wohn- und Bürokomplexe mit zahlreichen Galerien und Cafes samt Uferparks umgewandelt worden, wie zum Beispiel das DUMBO, das unter und zwischen der Manhattan- und der Brooklyn-Brücke liegt. Gleich nebenan finden wir in den Brooklyn Heights wunderschöne und vergleichsweise ruhige Wohngegenden. Begeistert lese ich auf einem kleinen, eher unauffälligem Schild, dass Arthur Miller hier gelebt hat, der große US-Schriftsteller und Dramatiker („Tod eines Handlungsreisenden“). Seine Autobiographie gehört zum Kanon meiner wichtigsten Bücher.

Am Pier 12 in Brooklyn wird die Queen Mary 2 liegen, mit der wir schon am nächsten Tag New York Richtung Hamburg verlassen werden. Wir versuchen, einen Blick von ihr zu erhaschen, können sie aber in dem unübersichtlichen Hafen nicht finden. Erst als wir anderntags auf dem Weg zu ihr über die Brooklyn Bridge fahren, sehen wir erstmals das riesige, elegante Schiff – und sind beeindruckt und erstaunlich nervös.

Reise durch die Naturgeschichte

Dem Tipp eines Freundes folgend, nehme ich mir zum Ende unseres New York Aufenthalts noch das American Museum of Natural History vor, ebenfalls direkt am Central Park gelegen, an seiner Westseite. Er schrieb mir, dass dies ein perfekter Ort sei, um unsere Reise um den Globus abzurunden.

Ich wusste zwar nicht genau, was er damit meinte, aber er hatte recht. Es erzählt nicht nur anschaulich die Naturgeschichte Nordamerikas und präsentiert eine unglaublich große Saurier-Sammlung, sondern schildert auch systematisch die Geschichte der gesamten globalen Flora und Fauna sowie der Entwicklung der tierischen Lebewesen und der Entstehung der Arten. Darwin lässt grüßen. Überhaupt lässt sich das ganze Museum als äußerst anschauliche Darstellung seiner Evolutionstheorie begreifen. Gerade in der heutigen Zeit, in der sogenannte „Kreationisten“ in den USA – aktuell auch in der Türkei – diese infrage stellen, kommt ihm eine wichtige aufklärerische Rolle zu. Hier fällt mir auch Alexander von Humboldt wieder ein, dessen eindrucksvolle Biographie ich erst vor ein paar Monaten in Südamerika gelesen hatte und die mir den Blick geschärft und das Verständnis geweitet hatte für die Natur. Spannend war ja auf der ganzen Reise, zu erleben, wie sich Naturphänomene, Landschaften und auch Kulturen in den unterschiedlichsten Regionen der Welt ähneln können, wenn sie der gleichen Klimazone angehören.

Besonders interessant war für mich die hervorragende Abteilung über die Frühgeschichte der Menschen, genauer gesagt über die Entwicklung vom Primaten zum heutigen Menschen. Hatte ich doch vor kurzem Yuval Noah Hararis Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ gelesen (ebenfalls auf die Empfehlung eines Freundes hin), das ebenso gut zur Abrundung unserer Reise durch unterschiedliche Weltregionen und deren Kulturen passte wie diese sehr anschaulich und lebendig gestaltete Abteilung. Ich gebe beides gerne als Empfehlung weiter, das Buch und das Museum…

Ein Zimmer in Harlem

Mitten im quirligen und multikulturellen Harlem lag unsere Unterkunft in New York. Ein sehr schönes Zimmer in einer gemütlichen Wohnung – bei einer deutschen Gastgeberin. Monika stammt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet, aber vor ein paar Jahren kam sie nach New York, verliebte sich in die Stadt und ist geblieben. Ihr schöne Zwei-Zimmer-Wohnung teilt sie sich seitdem gerne mit Gästen aus aller Welt.

Um ehrlich zu sein hatten wir vorher ein wenig Bedenken, wie das so sein wird. Sonst hatten wir ja immer Apartments gebucht, die wir für uns allein hatten. Und nun zurück in WG-Zeiten? Ja, ein bisschen war es schon so. Aber so wie in den allerbesten WG-Zeiten. Monika machte morgens ein leckeres kleines Frühstück für uns. Wir kochten dafür abends mal in der gut ausgestatteten Küche für uns Drei und saßen dann noch lange bei einem Glas Wein zusammen und unterhielten uns über „Gott und die Welt“ und gute Bücher.

Mit der U-Bahn in die Stadt

Die Wohnung liegt direkt am Riverside Drive in der Nähe von Hudson River und Riverbank State Park. Und gleich um die Ecke gibt es sowohl eine U-Bahn-Station als auch eine Buslinie nach Midtown. Die Fahrt von Harlem nach Manhattan dauert mit der subway nur eine knappe halbe Stunde, was in New York wirklich schnell ist. Und übrigens fühlten wir uns immer sicher in der U-Bahn.

Quirliger Stadtteil

Harlem selbst ist ein lebhaftes multikulturelles Viertel mit kleinen Geschäften, Restaurants, Bars und Jazz Clubs. An einem Abend zeigte uns Monika ihren Lieblinsgclub, von dem auch wir ganz begeistert waren. Und auch sonst hat sie jede Menge tolle Tipps und gute Ratschläge für New York City. Sie hat sogar eine ganz private kleine App entwickelt mit all ihren Lieblingsorten und Tipps zu Veranstaltungen.

Bezahlbare Unterkunft im teuren NYC

Unsere letzte Unterkunft der Weltreise war also wieder einmal ein Volltreffer. Und dieses Mal hatten wir sie nicht über airbnb gebucht, sondern über homestay – eine andere Plattform, die vor allem in den USA und Kanada sehr viele Angebote hat.

Wenn Ihr selbst mal nach New York fliegt und eine bezahlbare und schöne Bleibe in dieser sehr teuren Stadt sucht, dann schaut doch mal hier rein: https://www.homestay.com/de/united-states/new-york/126688-gastfamilie-in-hamilton-hights-new-york

Im Rausch der Formen und Farben

Zuerst begeistert uns noch die ungewohnte Weite der Landschaft: Fast jede Straße auf unserem Roadtrip durch den Südwesten der USA führt kilometerlang geradeaus, nur selten kommt uns ein Auto entgegen, rechts und links sehen wir nichts außer Gras, Steppe und manchmal einem Busch. Doch dann fahren wir in die Nationalparks – und mit ihnen setzt ein Rausch der Formen und Farben ein:

Dinosaur Nationalpark

Nach dem Yellowstone und Grand Teton Nationalpark landen wir eher zufällig im wenig bekannten Dinosaur Nationalpark in Utah. Hier schauen wir uns im Museum die 149 Millionen Jahre alten Dinosaurier-Fossilien an, wandern auf dem Sound of Silence Trail, bewundern die Petroglyphen im roten Fels und zelten auf der wunderschönen Green River Campsite.

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Arches Nationalpark

Nächste Station ist der Arches Nationalpark bei Moab in Utah. Schon als wir morgens zum Parkeingang fahren, wissen wir, dass wir hier nicht allein sein werden. Ein Auto reiht sich an das andere! Trotzdem machen wir auch hier wieder Wanderungen und sehen wunderbare Natur: hochaufragende Felsen in bizarren Formationen, jahrtausendealte Petroglyphen und natürlich die berühmten Bögen und Brücken aus rotem Fels, die dem Park seinen Namen gaben.

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Mesa Verde

Grüner Tisch bedeutet Mesa Verde auf Deutsch und ist der Name eines ganz besonderen Nationalparks in Colorado: Er ist der einzige Nationalpark in den gesamten USA, der zum Schutz eines archäologischen Ortes und nicht zum Schutz der Natur eingerichtet wurde. Erhalten sind Siedlungen mitten im Fels dieses Tafelbergs, in denen frühe Anasazi-Stämme rund 700 Jahre lang – von ca. 600 bis 1300 nach Christus – lebten. Mit einer Rangerin erkunden wir die alten Felssiedlungen und dürfen uns dabei durch enge Höhlen zwängen und auf luftigen Leitern nach oben klettern.

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Monument Valley

Unzählige Western und so mancher Werbefilm wurden schon im Monument Valley gedreht, das im Vier-Länder-Eck zwischen Utah, Arizona, Colorado und New Mexiko liegt. Die roten Tafelberge eignen sich bestens als Kulisse für jede Form von Wild-West-Feeling. Da wir selbst aber mit dem Auto statt dem Pferd gekommen sind, verbringen wir hier nur ein paar Stunden und genießen die spektakuläre Aussicht.

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Glen Canyon Nationalpark

Die Glen Canyon National Recreation Area ist so groß, dass sie auf dem Gebiet von gleich zwei Bundesstaaten – Arizona und Utah – liegt. Wir zelten am Lake Powell, machen eine Bootstour in den Antelope Canyon, wandern den einsamen Wiregrass Trail und und genießen am Horseshoe Bend die Aussicht auf den Colorado River in Hufeisenform.

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Grand Canyon Nationalpark

Zum North Rim des Grand Canyon fahren wir am 24. September – und hier liegt, genau drei Monate vor Weihnachten,  der erste Schnee. Ganz zart weiß gepudert ist der Waldboden hie rin Arizona, und gleichzeitig leuchten die Blätter der Birken golden und rot in der Herbstsonne. Was für ein Rausch der Farben! Und ein paar Kilometer weiter dann der Blick in den Grand Canyon.

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Bryce Canyon

Absoluter Höhepunkt ist der Bryce Canyon in Utah. Ein Paradies für Naturliebhaber und Fotografen, denn die Felspyramiden, die hier hoodoos heißen, schimmern je nach Tageszeit und Sonnenlicht mal braun-weiß, ocker-golden oder leuchtend rot. Während es hier oben auf rund 2.400 Metern tagsüber ordentlich heiß ist, sind wir beim Sonnenauf- und untergang sehr froh über unsere Daunenjacken.

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America the Beautiful Pass

Zum Schluss noch ein ganz praktischer Tipp: Wenn Ihr selbst mal die Nationalparks in den USA bereisen wollt, kauft Euch den  America the Beautiful Pass. Er kostet nur 80 Dollar und gilt für zwei Personen in allen Nationalparks. Ein echtes Schnäppchen, das man hier sonst lange suchen muss.