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New York, New York!

Der nette Taxifahrer muss ihn suchen, den kleinen, etwas versteckt liegenden Jazzclub in Harlem, wo wir uns mit Monika verabredet haben. Monika kommt aus Duisburg, lebt aber schon seit einigen Jahren in Harlem, New York City, und hat dort eine hübsche kleine Wohnung, in der wir für eine Woche ein Zimmer beziehen. So kommt es, dass wir im Norden Manhattans wohnen, jenseits der 96th Street, einer Straße, die in den 80ern noch eine klare Grenze zwischen weiß und schwarz darstellte und die Gentrifizierung noch nicht im vollen Gange war. Der Norden Manhattans war seinerzeit „no go area“. Heute ist Harlem bunt, an den Ufern des Hudson sind die teureren Wohnlagen, auf den Hügeln hingegen wohnen „Hispanics“ und, im Bezirk um die 125th Street, die „Schwarzen“.

Jazz in Harlem

Als wir den Veterans Club betreten, fängt uns gleich die besondere Atmosphäre ein. An den Wänden hängen Photos von würdig dreinblickenden älteren Herren mit Militärkäppi, also eben den Kriegsveteranen, denen dieser Club gewidmet ist. Als die Band, deren Zusammensetzung im Laufe des Abends mehrfach wechselt, loslegt, hören wir begeistert den Sound, der zu Harlem gehört: swingender Groove von exzellenten Musikern, angeführt von ausdrucksstarkem Saxofonspiel.

Nicht allzu weit weg von hier liegt übrigens das berühmte Apollo Theater in der 125th Str., in dem sie alle einmal aufgetreten sind, die Größen des Jazz und Blues: Billie Holiday, Etta James, Aretha Franklin, Little Richard, Quincy Jones und viele mehr. Auch das Apollo sieht von außen eher unscheinbar aus; rein schaffen wir’s dann leider nicht mehr. New York hat eben so viel zu bieten, dass eine Woche bei weitem nicht ausreicht…

NYC – immer im Wandel

New York hat eine einmalige Museumslandschaft. Den besten Ruf unter Kunstfreunden hat das MoMA, das Museum of Modern Art in Midtown Manhattan. Um es gleich zu sagen: Das hochberühmte MoMA hat uns diesmal eher enttäuscht. Ein Kunsttempel, der so hoffnungslos überfüllt war, dass einem keinerlei Platz und Muße für die Betrachtung der Werke blieb. Vor allem die chinesischen Reisegruppen belagerten die Objekte regelrecht, schoben sich selbst und die Kunst fotografierend vor alle anderen Betrachter, so dass wir schnell die Flucht ergriffen. Außerdem kann es, was das Konzept und die originelle, neugierig machende Auswahl anbelangt, in keiner Weise mit dem tollen MoMA in San Francisco mithalten.

Natürlich waren wir auch im „Met“, dem Metropolitan Museum of Art, an der Ostseite des Central Park mit seinen riesigen Sammlungen. Auf Empfehlung stiegen wir zuerst dem Met aufs Dach, denn von der Terrasse im 5. Stock hat man einen atemberaubenden Blick auf die Skyline von Midtown Manhattan und den Central Park.

Den Park haben wir dann ein paar Tage später mit dem Leihfahrrad abgeradelt, wobei mir gerade dabei aufgefallen ist, was sich seit meinen ersten Besuchen in New York – angefangen von den 80er Jahren – geändert hat: die Stadt ist wesentlich aufgeräumter, sauberer und geregelter geworden. So ist der Parcours für Radfahrer im Park durchweg vorgeschrieben, es geht nur in eine Richtung, überall stehen Ge- und Verbotsschilder und sogar Ampeln (wohlgemerkt, für Fußgänger und Radfahrer). Das hatte ich anders in Erinnerung: bunter, freier, lässiger. Natürlich ist die City nach wie vor laut, schnell und wohl auch hart, ihre Atmosphäre vom ersten Augenblick an aber auch ansteckend und inspirierend. Drogen und Obdachlosigkeit sind – zumindest in Manhattan – aus dem öffentlichen Leben so gut wie verschwunden.

Grüne Oasen

Gleichzeitig wurden immer mehr Stadtbezirke von Grund auf edelsaniert, so zum Beispiel Chelsea in der Nähe des Hudson River, früher der so genannte Meat Packing District, heute ein Trendviertel. Sahnestück ist der neue Highline Park, der auf der Hochtrasse einer aufgegebenen Stadtbahn entstanden ist. Die Verwaltung wollte sie abreißen, doch die Bürger setzten sich erfolgreich dafür ein, ihn zu sanieren und zu einer schön angelegten, begrünten „Fußgängerzone auf Stelzen“ umzugestalten. Heute ist er eine der großen Attraktionen New Yorks, ermöglicht er doch entspanntes, autofreies Bummeln mitten durch die Stadt mit tollen Ausblicken auf den Hudson River und Bauwerke unterschiedlichster Architekturepochen. New York/Manhattan ist so noch ein bisschen grüner geworden und öffnet sich heute- stärker noch als früher, wie ich finde – dem umgebenden Wasser, seien es Hudson und East River oder dem Meer.

Brooklyn

Das wird uns auch besonders bewusst bei dem Besuch von Brooklyn. Auch hier sind ehemalige Industrieviertel in schicke Wohn- und Bürokomplexe mit zahlreichen Galerien und Cafes samt Uferparks umgewandelt worden, wie zum Beispiel das DUMBO, das unter und zwischen der Manhattan- und der Brooklyn-Brücke liegt. Gleich nebenan finden wir in den Brooklyn Heights wunderschöne und vergleichsweise ruhige Wohngegenden. Begeistert lese ich auf einem kleinen, eher unauffälligem Schild, dass Arthur Miller hier gelebt hat, der große US-Schriftsteller und Dramatiker („Tod eines Handlungsreisenden“). Seine Autobiographie gehört zum Kanon meiner wichtigsten Bücher.

Am Pier 12 in Brooklyn wird die Queen Mary 2 liegen, mit der wir schon am nächsten Tag New York Richtung Hamburg verlassen werden. Wir versuchen, einen Blick von ihr zu erhaschen, können sie aber in dem unübersichtlichen Hafen nicht finden. Erst als wir anderntags auf dem Weg zu ihr über die Brooklyn Bridge fahren, sehen wir erstmals das riesige, elegante Schiff – und sind beeindruckt und erstaunlich nervös.

Reise durch die Naturgeschichte

Dem Tipp eines Freundes folgend, nehme ich mir zum Ende unseres New York Aufenthalts noch das American Museum of Natural History vor, ebenfalls direkt am Central Park gelegen, an seiner Westseite. Er schrieb mir, dass dies ein perfekter Ort sei, um unsere Reise um den Globus abzurunden.

Ich wusste zwar nicht genau, was er damit meinte, aber er hatte recht. Es erzählt nicht nur anschaulich die Naturgeschichte Nordamerikas und präsentiert eine unglaublich große Saurier-Sammlung, sondern schildert auch systematisch die Geschichte der gesamten globalen Flora und Fauna sowie der Entwicklung der tierischen Lebewesen und der Entstehung der Arten. Darwin lässt grüßen. Überhaupt lässt sich das ganze Museum als äußerst anschauliche Darstellung seiner Evolutionstheorie begreifen. Gerade in der heutigen Zeit, in der sogenannte „Kreationisten“ in den USA – aktuell auch in der Türkei – diese infrage stellen, kommt ihm eine wichtige aufklärerische Rolle zu. Hier fällt mir auch Alexander von Humboldt wieder ein, dessen eindrucksvolle Biographie ich erst vor ein paar Monaten in Südamerika gelesen hatte und die mir den Blick geschärft und das Verständnis geweitet hatte für die Natur. Spannend war ja auf der ganzen Reise, zu erleben, wie sich Naturphänomene, Landschaften und auch Kulturen in den unterschiedlichsten Regionen der Welt ähneln können, wenn sie der gleichen Klimazone angehören.

Besonders interessant war für mich die hervorragende Abteilung über die Frühgeschichte der Menschen, genauer gesagt über die Entwicklung vom Primaten zum heutigen Menschen. Hatte ich doch vor kurzem Yuval Noah Hararis Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ gelesen (ebenfalls auf die Empfehlung eines Freundes hin), das ebenso gut zur Abrundung unserer Reise durch unterschiedliche Weltregionen und deren Kulturen passte wie diese sehr anschaulich und lebendig gestaltete Abteilung. Ich gebe beides gerne als Empfehlung weiter, das Buch und das Museum…

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