Alle Artikel mit dem Schlagwort: Argentinien

„Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano

Ob ich „den Galeano“ kenne? Auf unseren Reisen durch Argentinien, Chile, Bolivien und Peru wurde ich zum wiederholten Male auf dieses Buch angesprochen, vor allem von jungen Leuten. Tenor: Eine Art „Bibel der Unterdrückten“ und Pflichtlektüre, wenn ich mehr über die historischen und politischen Zusammenhänge Lateinamerikas erfahren wolle. Und mehr über die Ursachen der andauernden ökonomischen und politischen Krisen der Länder dort, über deren jahrhundertelange systematische Ausbeutung und Abhängigkeiten vom Weltmarkt, insbesondere im Zeichen des „Freihandels“. Zwar schon 1971 veröffentlicht, aber immer noch hochaktuell. Geschichtsschreibung mit Leidenschaft Tatsächlich hatte ich „den Galeano“ schon kurz nach seinem Erscheinen verschlungen, vermutlich 1974/75, also während meines Studiums der Geschichte. Ich hatte ihn in mehreren Nächten gelesen und war begeistert: von der Klarheit und Leidenschaftlichkeit, mit der der aus Uruguay stammende Autor die Geschichte Lateinamerikas von der Unterwerfung und Kolonisation durch die Spanier und Portugiesen bis zu den Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts und deren westliche Helfer (allen voran die USA)  in einem großen Wurf dargestellt hat. Dies ganz bewusst nicht aus der Sicht „der Sieger“, sondern aus der Perspektive der …

„Apassionata-Tango“ in Buenos Aires

Argentinischen Tango und deutschen Service – beides zusammen findet man im Hotel „Apassionata-Tango“ in der Calle Pasco 272 in Buenos Aires. Wir haben dort zwar nicht selbst übernachtet, aber für die Wunschaktion der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung habe ich mir das Hotel angeschaut. Ein Leser-Paar hatte sich einen Tipp für ein nettes kleines, deutschsprachiges Hotel in der Nähe von traditionellen Tangobars gewünscht. Mehr erfahrt Ihr auf der online-Reise-Seite der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung.

Über Leben in Buenos Aires

Hola amigos, como estáis? Bevor wir Buenos Aires morgen Richtung Mendoza verlassen, hier ein kleines Fazit unserer Eindrücke. Wie ihr wisst, wollen wir auf unserer Reise ein wenig hinter die Kulissen einer Stadt oder eines Landes schauen. Nicht nur ihre touristischen Schauseiten sehen, die üblichen Reiseführer-Tipps und Highlights, sondern so etwas wie die Normalität erleben, also auch die „Rückseiten“ der bereisten Länder erkunden. Doch was ist das, die „Normalität“ einer Megacity wie Buenos Aires, die mit allen Vorstädten etwa 13 Millionen Einwohner hat? Lässt sie sich für Reisende wie uns überhaupt erschließen? Wohl kaum, wenn dazu noch die Sprachbarriere kommt, wie das bei mir der Fall ist. Zwar habe ich hier recht fleißig Spanisch gelernt, aber über einfache Sätze komme ich natürlich (derzeit noch?) nicht hinaus. Zum Glück spricht Elke schon viel fließender, zudem beherrschen etliche jüngere Leute auch Englisch. Stadtwanderungen und Begegnungen Das Leben hier nach nur einem Monat verstehen oder gar beurteilen zu wollen, wäre vermessen – viele Argentinier verstehen ihre Metropole wohl selbst kaum. Ich beschränke mich hier also darauf, meine persönlichen Eindrücke wiederzugeben. …

Kunst ist politisch

Ob an der Straßenecke oder im Museum: Kunst in Buenos Aires ist ziemlich oft ziemlich politisch. Bei Streetart überrascht mich das wenig, bei Museumskunst dagegen schon – zumal in Argentinien die meisten Museen  privat finanziert sind. Doch auch hier werden Werke gezeigt, die Bezug nehmen auf die Zeit der Militärdiktatur in Argentinien von 1976 bis 1983. Damals regierte eine Militärjunta das Land, verfolgte, inhaftierte und folterte gnadenlos Gewerkschafter, Intellektuelle, Studenten, Journalisten und Gegner des Regimes. Mehr als 30.000 Menschen „verschwanden“ für immer. Die Aufarbeitung der Verbrechen dauert bis heute an. Hinzu kommen neue Brennpunkte wie etwa die Inhaftierung von Milagro Sala (Bild oben), Gründerin und Leiterin der sozialen Bewegung Tupac Amaru, deren Freilassung in politischen Wandgemälden gefordert wird und übrigens ganz aktuell auch in einer „urgentaction“ von amnesty international.  Klare Statements im Museum MALBA Auch im  Museum MALBA, die Abkürzung steht für Museo de Arte Latinoamericana de Buenos Aires, sehen wir viele Werke mit klaren politischen Statements: Plakate, die für eine Revolution der Landbevölkerung werben; das Bild „Manifestación“ von Antonio Berni, auf dem eine Demonstration für Brot und Arbeit zu sehen ist, oder ein Selbstportrait der revolutionären mexikanischen Malerin Frida Kahlo, die …

Ein Ausflug nach Uruguay

Wir geben es zu: Über Uruguay, das kleinste spanischsprachige Land in Südamerika, wussten wir vor unserer Reise so gut wie gar nichts. Dann sahen wir, dass es von Buenos Aires aus mehrmals am Tag Schiffe nach Montevideo oder nach Colonia del Sacramento gibt. Letzteres ist eine hübsche kleine Stadt, die von allen gelobt wurde. Also machten auch wir uns auf den Weg. Und dieser Samstagsausflug hat sich wirklich gelohnt! Schnelle Überfahrt Morgens um 9.00 Uhr legte unsere buquebus-Fähre von Buenos Aires nach Colonia del Sacramento ab. Da wir bei der Fahrt die Landesgrenze von Argentinien nach Uruguay überschritten, mussten wir bereits um 7.30 Uhr am Hafen sein, um die Aus- und Einreiseformalitäten zu erledigen. Alles klappte gut und flott, obwohl es außer uns noch rund 600 andere Wochenendausflügler gab. Kein Wunder, entpuppte sich Colonia del Sacramento doch wirklich als ein echtes Kleinod – trotz der vielen Touristen. Mit dieser Fähre sind wir gefahren – und mit dieser Yacht wäre es noch ein wenig schöner gewesen… Wunderschöne Altstadt Colonia del Sacramento besticht durch eine autofreie Altstadt  – nach drei Wochen Buenos Aires …

¿¡Hablamos Español!?

Es fühlt sich an wie ein Schritt zurück in die Schulzeit: Morgens am Frühstückstisch noch schnell die Hausaufgaben machen, in ziemlicher Eile die Tasche packen und im Laufschritt aus dem Haus gehen. Sobald wir in den Räumen der kleinen Sprachenschule im 11. Stock. angekommen sind, ist es dann aber anders: Unsere Lehrerinnen begrüßen uns mit einem Küsschen auf die Wange und kochen uns einen Tee. Erst dann geht es ans Spanischlernen in der engagierten Sprachenschule ‚portenismia‚ in Buenos Aires, bei der wir gerade einen zweiwöchigen Intensivkurs machen. Beide nehmen wir Einzelunterricht, denn Wolfgang fängt eine neue Sprache an, während ich vor fast 30 Jahren schon einmal einen Spanischkurs an der Uni besucht habe. Natürlich ist davon kaum noch was da, aber an der einen oder anderen Stelle tauchen dann doch etliche Vokabeln und sogar ein bisschen Grammatik auf, an die ich mich erinnern kann. Alles andere lernen wir spielerisch mit kleinen Kärtchen: Persönliche Atmosphäre In jeder Stunde hat meine Lehrerin Ludmila einen neuen Briefumschlag dabei und holt gelbe, blaue oder rote Kärtchen mit bunten Bildern heraus. Jedes Kuvert steht für einen …

Tango und Trödel in San Telmo

JA, es ist touristisch. Und NEIN, wir machen keinen Tangokurs. Trotzdem streifen wir gerne durch San Telmo, den Stadtteil im Südosten von Buenos Aires, der durch alte Häuser mit Patina besticht und für seine Tango-Bars und einen Antiquitätenmarkt am Sonntag bekannt ist. Trödel und Kunsthandwerk Auch am heutigen Ostersonntag gab es rund um die Plaza Dorrego jede Menge Stände mit Antiquitäten, Trödel und Kunsthandwerk: Altes Silberbesteck, bunte Siphon-Flaschen, weiße Häkeldecken, abgegriffene Bücher, polierte Taschenuhren oder auch hippen Schmuck, süße Leckereien, kleine Notizbücher und nette Aquarelle. Alt und jung beim Tango Dazwischen immer wieder Straßenmusiker und Paare, die Tango tanzen. Übrigens nicht nur als Show für Touristen. Denn auch viele porteñas und porteños – wie sich die Bewohnerinnen und Bewohner von Buenos Aires selbst nennen – sind heute hier, bummeln durch das Viertel, schauen den Tangotänzern zu  und genießen die entspannte Atmosphäre in einer Stadt, die unter der Woche niemals zur Ruhe kommt.

Bach im Teatro Colón

Was wir am Palmsonntag im Teatro Colón machen, fragt uns der Taxifahrer – eine Führung? Als er erfährt, dass wir dort hinfahren, um Musik von Johann Sebastian Bach zu hören, ist er begeistert. Da er etwas Deutsch kann, entspinnt sich eine lebendige Unterhaltung. Ja, natürlich kenne er Bach, un Gran Compositor de Alemania. Und dann noch im Colón, dem Stolz der Stadt, das zu den berühmtesten Opernhäusern der Welt gehöre! Hier hätten sie schon alle auf der Bühne gestanden, die großen Stars der Opernwelt wie die Callas oder der Caruso; aber auch Dirigenten wie Toscanini, Bernstein und Barenboim. Das Teatro Colón – ein Prachtbau Er hat nicht zu viel versprochen. Das nach Christoph Columbus benannte Opernhaus von Buenos Aires, 1908 eröffnet, ist ein klassisch-schöner Musiktempel im Stil der Mailänder Scala, so prächtig und glanzvoll, dass wir aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Und es ist groß, sehr groß sogar: Alles in allem bietet es dreieinhalbtausend Besuchern Platz, verteilt auf Parkett und sechs (!) Ränge. Trotz dieser Größe ist es auch berühmt wegen seiner wunderbaren Akustik. Dass …

¡Buenos dias! aus Buenos Aires

Gut angekommen sind wir in Buenos Aires und schicken Euch ein herzliches ¡Buenos dias! aus der argentinischen Hauptstadt. Trotz des heutigen Generalstreiks haben wir uns auf den Weg gemacht und das Zentrum, in dem auch unsere Wohnung liegt, und den ganz besonderen Stadtteil San Telmo erkundet. Hier ein paar Fotos, die alle unter dem Motto ¡buenos dias! stehen. Sehr viel mehr als diese netten Begrüßungsworte und ein paar spanische Grundbegriffe können wir im Moment übrigens noch nicht. Aber das soll sich ändern, denn wir besuchen ab Montag beide einen Sprachkurs. Und hier noch ein Bild vom heutigen Generalstreik: