Alle Artikel mit dem Schlagwort: Peru

„Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano

Ob ich „den Galeano“ kenne? Auf unseren Reisen durch Argentinien, Chile, Bolivien und Peru wurde ich zum wiederholten Male auf dieses Buch angesprochen, vor allem von jungen Leuten. Tenor: Eine Art „Bibel der Unterdrückten“ und Pflichtlektüre, wenn ich mehr über die historischen und politischen Zusammenhänge Lateinamerikas erfahren wolle. Und mehr über die Ursachen der andauernden ökonomischen und politischen Krisen der Länder dort, über deren jahrhundertelange systematische Ausbeutung und Abhängigkeiten vom Weltmarkt, insbesondere im Zeichen des „Freihandels“. Zwar schon 1971 veröffentlicht, aber immer noch hochaktuell. Geschichtsschreibung mit Leidenschaft Tatsächlich hatte ich „den Galeano“ schon kurz nach seinem Erscheinen verschlungen, vermutlich 1974/75, also während meines Studiums der Geschichte. Ich hatte ihn in mehreren Nächten gelesen und war begeistert: von der Klarheit und Leidenschaftlichkeit, mit der der aus Uruguay stammende Autor die Geschichte Lateinamerikas von der Unterwerfung und Kolonisation durch die Spanier und Portugiesen bis zu den Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts und deren westliche Helfer (allen voran die USA)  in einem großen Wurf dargestellt hat. Dies ganz bewusst nicht aus der Sicht „der Sieger“, sondern aus der Perspektive der …

Nahaufnahme:
Indigene Frauen in Bolivien und Peru

Knapp sieben Wochen waren wir nun in Bolivien und Peru unterwegs. Wir sind durch die Anden gefahren; haben uns Machu Picchu, den Titicaca-See und die Nasca-Linien in Peru und den Salar de Uyuni in Bolivien angeschaut; haben das Stadtleben in Sucre, La Paz, Cusco, Arequipa und Lima erkundet – und haben überall indigene Frauen in ihren bunten und sehr besonderen Trachten gesehen. Bolivien und Peru sind die beiden Länder Südamerikas mit dem höchsten Anteil indigener Bevölkerung. Allein in Bolivien leben 37 anerkannte indigene Völker – und leider sind sie meist auch der ärmste Teil der Bevölkerung. Vor allem die Frauen sind deshalb in den Touristenzentren unterwegs und bieten bunte Mützen, warme Schals und kleines Spielzeug an – oder haben ein Alpaka dabei, um sich gegen Geld mit Tier und Tourist fotografieren zu lassen. Ich fühle mich unwohl bei dieser Aktion und zahle auch nur einmal für das „klassische“ Frau-mit-Alpaka-Bild. Bunte Pracht Gleichzeitig fasziniert mich die Kleidung der Frauen und der Stolz, mit der sie ihre Tracht tragen. Sie besteht aus vielen Schichten von Röcken – bis zu zehn Unterröcke und …

Geheimnisvolle Linien in der Wüste

Vielleicht habt Ihr es ja am Wochenende schon in der Zeitung gelesen: Für die Reise-Seite der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung habe ich auch in Peru wieder einen Leserwunsch erfüllt. Lohnt sich der Flug? Annette Bausewein, die im August mit ihrem Mann für zwei Wochen nach Peru reist, wollte wissen „Lohnt sich der Flug über dieses Wüstengebiet oder kann man auch von den Aussichtstürmen die Figuren erkennen?“ Das Ergebnis findet Ihr auf der online-Reise-Seite der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung. Und hier gibt es schon mal eine kleine Diashow vom Flug über die Linien und vom Besuch einer anderen archäologischen Stätte in der Nähe von Nasca: Neue Wünsche sind gefragt Gestern sind wir übrigens in Mexiko angekommen und bereisen hier einen Monat lang Yucatan und Chiapas. Auch hier erfülle ich gerne wieder einen Wunsch oder berichte für Euch über ein bestimmtes Thema. Bitte schickt Eure Ideen bis zum 2. Juli direkt an magazinaktion@pressenetz.de

Goldene Masken und erotische Figuren

Die Familiengeschichte liest sich wie ein Roman von Gabriel García Marquez oder – weil wir in Peru sind – von Mario Vargas Llosa. Ein 25-Jähriger beschließt, Kunst zu sammeln, trägt im Laufe seines Lebens mehr als 45.000 Stücke zusammen und stellt sie in einem wunderschönen privaten Museum in Lima aus. Wir waren gestern dort zu Besuch und sind immer noch begeistert vom Museum Larco in Lima. Fast eine Dreiviertelstunde dauert unsere Fahrt mit dem Taxi aus der Innenstadt zum „Museo Arqueológico Rafael Larco Herrera“. So bekommen wir gleich einiges vom Leben in der peruanischen Hauptstadt mit. Von den völlig überlasteten Straßen, von einem Großbrand im Zentrum der Stadt, von den Straßen in den besseren Vierteln, in denen die Mittelklasse wohnt. Und dann kommen wir vor einem großen weißen Gebäude an, das über und über mit roten, pinken und orangen Bougainvilleas bewachsen ist. Wir treten durch das schmiedeeiserne und sehr gut bewachte Tor ein und befinden uns in einer Oase der Ruhe und der Schönheit in dieser Neun-Millionen-Metropole. Stilvolles Cafe Das Haus ist schön, der Garten ebenso – und natürlich auch das Museumscafe. …

„Titicaca Lodge Peru“ auf den Islas Flotantes

Eigentlich wollte ich gar nicht mehr hier hin: An den Titicaca-See, der auf 3.812 Metern liegt und der höchste schiffbare See der Welt ist. Warum? Nun, wir sind schon seit fast vier Wochen im Andenhochland unterwegs, haben uns von 2.400 Metern in San Pedro de Atacama auf 3.400 Meter in Cusco hoch gearbeitet – und natürlich ist es hier nachts empfindlich kalt. Am Titicacasee fällt das Thermometer schnell mal auf Minus 15 Grad. Das macht mich langsam aber sicher ein wenig höhenmüde. Doch Wolfgang hat mich überzeugt, und ich habe im Ausgleich die „Titicaca Lodge Peru“ gebucht, eine ganz besondere Unterkunft auf den Uros-Inseln, die für Weltreisende eigentlich etwas zu teuer ist… Morgens um sechs kommt unser Nachtbus aus Cusco in Puno am Titicacasee an. Wir haben acht Stunden Fahrt hinter uns, konnten im Bus sogar ganz gut schlafen  – und sind nun ein wenig gespannt, wie es weitergeht. Kommt uns Julio, der Besitzer der „Titicaca Lodge Peru“ wirklich morgens um halb sieben abholen? Schließlich muss er von einer der Islas Flotantes, auf denen das Volk der Uros noch heute lebt, erst einmal …

Auf den Spuren der Inkas

Cusco im Süden Perus. Wir sehen die Silhouette einer schönen, fast mediterran anmutenden Stadt, erbaut im spanischen Kolonialstil. Überall macht- und prachtvolle barocke Kirchen, allen voran die riesige Kathedrale an der Plaza de Armas. Darum das Häusermeer mit den typischen Atriumhäusern. In den Straßen quirliges Leben. Nahezu nichts erinnert baulich daran, dass dies einstmals die Hauptstadt des riesigen Inkareiches war und für die damaligen Menschen der Mittelpunkt der Welt. Die goldgierigen Spanier eroberten Anfang des 16. Jahrhunderts im Auftrag der Krone und im Zeichen des Kreuzes nahezu im Handumdrehen das Inkareich. Sie raubten, mordeten oder versklavten die Einwohner und löschten bewusst alles aus, was diese erschaffen hatten. Nichts sollte mehr an die Inkas, ihre Kulturleistungen und ihren Glauben erinnern. Bittere Ironie der Geschichte: Es waren die Inkas selbst, die etwa 300 Jahre lang andere Völker wie die Nasca, die Mochica und die Huari unterworfen und jegliche Erinnerung an deren hochstehende Kulturen unterdrückt hatten. Die Sieger schreiben ihre Geschichte eben stets aus ihrer Perspektive. Peru und sein reiches Erbe Doch beiden Eroberern, weder den Inkas noch …