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Zu Fuß im laotischen Bergland

Nach den entspannten Tagen in Luang Prabang fahren wir weiter nördlich ins Bergland von Laos, um dort für ein paar Tage zu wandern und abgelegene Bergdörfer zu besuchen. Interessant ist diese Region durch die dort lebenden Hmong, eine von nicht weniger als 49 Ethnien im Vielvölkerstaat Laos. Da jede dieser Ethnien ihre eigene Sprache spricht, viele der Bergbauern zudem kein Laotisch können, ist es wichtig, einen Guide zu haben, der ihre Sprache beherrscht. Mit Sii, einem jungen Mann aus der Nähe von Luang Prabang, haben wir Glück. Er spricht nicht nur Hmong, sondern auch recht gut Englisch und kennt sich mit der Natur und den ländlichen Lebensweisen hier oben gut aus.

Von Nong Khiaw, einer schön am Nam Ou Fluss und inmitten einer eindrucksvollen Felslandschaft gelegenen Kleinstadt, machen wir uns auf den Weg. Die Sonne brennt schon am frühen Vormittag erbarmungslos, als wir unsere Wanderung durch Reisfelder beginnen. So sind wir dankbar, dass wir schon bald den Dschungel erreichen, der uns für die nächsten Stunden vor der prallen Sonne schützen wird. Allerdings schauen wir zunächst etwas ungläubig auf den Wasserfall, den wir gleich zu Beginn hochsteigen sollen. Es gibt nämlich praktisch keinen Pfad, sondern nur das Bachbett, das wir durchwaten können. Also Bergstiefel aus, Sandalen an und rein ins nasse, aber ziemliche rutschige Vergnügen!

Wir hangeln uns durch ein tropisch grünes Paradies voll riesiger Bäume, bemooster Felsen und Farne nach oben, durchsteigen mehrfach den reißenden Bach, umgehen die Wasserfälle auf felsigem Gelände und sind froh, als wir unseren ersten Rastplatz – noch immer am Bach – erreichen. Dort wartet ein Mittagsmahl der besonderen Art auf uns: In Bananenblätter eingewickeltes „Fried rice with vegetables“. Es hat uns so gut geschmeckt!

Viele Kinder – wenig Bildung

Oben angekommen, erweitert sich der Pfad und es geht in großer Hitze weiter bergauf durch Reisfelder, bis wir in schöner Hochtallage ein abgeschiedenes Dorf erreichen: Ban Vieng Hinh. Mit etwas über tausend Einwohnern ist es ein großes, weitläufiges Dorf. Als wir erfahren, dass sich diese Zahl auf 150 Familien verteilt, wird rasch klar, warum wir überall so viele Kinder sehen. Sieben Kinder pro Familie sind hier durchaus üblich, mitunter sind es noch mehr. Kinderreichtum als eine Art „Altersvorsorge“? Als wir nachfragen, wie es denn mit deren Bildung bestellt ist, hören wir Erstaunliches: Im nach wie vor kommunistisch regierten Laos gibt’s nämlich keineswegs, wie zu erwarten wäre, „Bildung für alle“, und das kostenlos. Vielmehr wird für den Besuch staatlicher Schulen Schulgeld erhoben! Einfach unglaublich! Das führt gerade auf dem Land dazu, dass nur sehr wenige eine höhere Schulbildung erreichen. Wer dies für seine Kinder will, der muss sie in eines der zahlreichen buddhistischen Klosterschulen stecken – die sind nämlich paradoxerweise kostenlos…

dschungel_kinder

Einfach leben

Im Dorf selbst gibt es viel zu sehen: traditionelles ländliches Leben in Reinform, Bewohner, denen man das harte Leben ansieht, einfache Einraumhütten mit offenen Feuerstellen und starker Verrußung, überall frei herumlaufende Tiere, kaum „Landmaschinen“. Wir dürfen beim Maismahlen (per Hand!) ebenso zuschauen wie wir beim alten Flötenspieler zuhören können. Alles ist offen und zugänglich. Nein, das ist kein laotisches Freilandmuseum, sondern ganz normaler Lebensalltag hier. Das Dorf hat zwar nur lehmige Pistenwege, aber immerhin seit sieben Jahren Strom. Die Nacht verbringen wir bei Familie Vam Meng, im Haus des Dorfvorstehers, in einem einfachen, schilfgrasgedeckten Schlafsaal. Mit Herrn Vam Meng hatten wir abends noch eine interessante politische Diskussion. Er befragte uns nach den politischen Systemen in Deutschland und in den USA, wollte die Unterschiede wissen. Auf Nachfrage unsererseits zur Politik in Laos und seinen Zukunftsvorstellungen stellt sich rasch heraus, dass er voll und ganz die offizielle Parteilinie vertritt. Seine Partei lenke das Land gut mithilfe langfristiger strategischer Ziele. Punkt.

Von Komfortgrenzen und Gastfreundschaft

Der zweite Tag führt uns durch eine wundervolle Berg- und Tallandschaft, vorbei an großen Hopfenfeldern. Wie wir erfahren, wird der Hopfen, der im Übrigen ganz anders aussieht als bei uns, für „Beerlao“ in Vientiane angebaut – die einzige Biermarke in Laos. Da gerade Erntezeit ist, begegnen wir zahlreichen Einheimischen, die hier bei Gluthitze eine extrem harte Arbeit verrichten – übrigens meist Frauen. Als wir erneut für mehrere Stunden in den Dschungel eintauchen, wird es phasenweise ungemütlich: Wir machen erneut die Bekanntschaft mit zahllosen Blutegeln, die sich sogar durch unsere festen Bergschuhe arbeiten, sodass wir immer wieder anhalten und sie „abpflücken“ dürfen. Eine durchaus eklige Angelegenheit!

Im Dorf angekommen, beziehen wir erneut bei einer einheimischen Familie Quartier. Als wir die kleine Hütte sehen, in der wir übernachten sollen, müssen wir allerdings erst einmal ganz tief durchschnaufen – und überlegen sogar kurz, ob wir nicht vorzeitig ins Tal zurückkehren sollten. Ein Raum für uns und die ganze Familie, weder eine Waschgelegenheit („am Bach“) noch ein Klo („hinterm Haus“), eine offene Feuerstelle – wie hier üblich ohne Rauchabzug – , mittendrin Hühner und Schweine, die uns über die Füße laufen. Für Städter wie uns schon gewöhnungsbedürftig! Wir bereuen es schließlich nicht, unsere Komfortgrenzen zu überwinden und dort zu bleiben. Als wir alle zusammen auf kleinsten Hockern im Kreis zusammensitzen und das Abendessen einnehmen, sind wir endlich bei der freundlichen Gastfamilie Toua Xiong richtig angekommen. Da es in diesem kleinen, sehr abgelegenen Dorf auch keinen Strom gibt, haben wir vorher ein paar Dosen „Beerlao“ ins kühle Bachwasser gelegt. So geht’s auch ohne Kühlschrank!

Abstieg durch Bambuswälder

Am dritten Tag brechen wir – wegen der zu erwartenden Hitze – sehr früh auf und machen uns an den Abstieg ins Tal. Am frühen Morgen ist der Ausblick während der Wanderung besonders eindrucksvoll, da wir unter uns die Wolken und darüber in der Ferne die Bergspitzen des laotischen Hochlands sehen. Was uns zudem beeindruckt, sind die den Weg säumenden – und manchmal auch versperrenden – hochaufragenden Bambusstauden, die wie riesige Mikadostäbe wirr auseinanderzufallen scheinen. Als wir schließlich die Straße im Tal erreichen, die uns via Tuktuk in die Kleinstadt Nong Khiaw zurückbringt, freuen wir uns doch darauf, wieder in die uns vertrautere „moderne Zivilisation“ samt ihren Annehmlichkeiten zurückzukehren. Dennoch haben wir bei dieser Tour persönliche Erfahrungen gemacht, die wir so schnell nicht vergessen werden.

 

 

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1 Kommentare

  1. Lisa Maria Eckart sagt

    Tolle Bilder! Hört sich nach einer super Erfahrung an, in dem laotischen Bergdorf bei der Familie zu übernachten und seine Komfortgrenzen einmal gänzlich zu überwinden!
    Sehr paradox doch allerdings die Tatsache, dass Schulen im kommunistischen Laos nicht kostenlos sind…

Wir freuen uns über Eure Kommentare!

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