Autor: Wolfgang

Seekarte Tierra del Fuego

Sehnsuchtsorte am Ende der Welt

„Warum – und das ist nicht nur meine spezielle Sicht – ergreift dieses abweisende, öde Land so von mir Besitz? (…) Ich kann meine Empfindungen nur schwer erklären. Aber es mag daran liegen, dass hier der Einbildung volle Freiheit gegeben ist.“ (Charles Darwin) Was Charles Darwin rückblickend auf seine Reise durch den äußersten Süden Patagoniens – und damit der Südspitze des amerikanischen Kontinents – beschrieb, wirkt noch heute so auf uns. Was wir sehen: eine wild zerklüftete Landschaft aus labyrinthisch verschlungenen Meeresarmen, kargen, unfruchtbaren Inseln und vergletscherten Bergen. Ihr hatte Magellan schon 1520 den Namen „Feuerland“ gegeben. Wer damit – wie ich in jungen Jahren – feuerspeiende Vulkane verbindet, irrt. Vielmehr hatten er und seine Begleiter beobachtet, dass die seit Jahrtausenden dort lebenden Yamana, ein Volk von Seenomaden, auf ihren Kanus stets Feuer mit sich führten. Das Bild prägte sich so ein, dass daraus die an und für sich raue und kalte Region ihren Namen erhielt: Tierro del Fuego, Land des Feuers. Unsere Kreuzfahrt mit der Ventus Australis folgt ihren Spuren ebenso wie denen von …

Straßenszene Proteste in Santiago de Chile

Wenn es Abend wird in Santiago

Spätnachmittag in der chilenischen Metropole: Während die fesch gekleideten Angestellten aus den Banken und Großunternehmen in die Bar gehen, um nach der Arbeit einen Pisco Sour oder ein Bier zu trinken, andere im obligatorischen Verkehrsstau auf dem Nachhauseweg stehen, rüsten sich junge Leute zum Kampf. Von überall her ziehen sie Richtung Plaza Italia, viele mit Atemmasken, das Gesicht vermummt. Sie rüsten sich für den Straßenkampf, der gleich nach Einbruch der Dunkelheit einsetzen wird. Gleichzeitig fahren immer mehr gepanzerte Polizeifahrzeuge auf und beziehen an strategischen Punkten Position. Ein düsteres Bild.

Auf abgelegenen Pfaden der „Via Liguria“

Wir sind zu Fuß unterwegs nach San Pellegrino. Es ist schwülwarm, der Weg oft verwachsen und das Gras steht mannshoch. Gerade erst haben wir uns verlaufen, wir haben offenkundig einen Abzweig verpasst und müssen steil runter. Da ist er wieder, der „Sentiero Partigiano“, der mit einem roten Stern gekennzeichnet ist. Der Partisanenweg führt schier endlos am steilen Hang weit oberhalb eines abgelegenen Tals mit einer tiefen Schlucht und ist Teil der „Via Liguria“, auf der ich drei Tage mit einer Wandergruppe unterwegs bin.

„Unterwegs im Auftrag des Herrn“

Seit deutlich mehr Flüchtlinge nach Europa kommen, ist Afrika bei uns verstärkt ins Blickfeld gerückt. Meist geht es dabei um die gravierenden Probleme, die dieser Kontinent noch immer hat, seltener um die positiven Entwicklungen und Chancen. Eine faire Entwicklungspolitik soll helfen, die Fluchtursachen zu bekämpfen, darüber sind sich (fast) alle einig. „Schluss mit unserem Kolonialismus!“ fordert daher Gerd Müller, CSU-Mitglied (!) und derzeit Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Andere Stimmen hingegen warnen, dass sich Afrika selbst helfen müsse. Der Anspruch, dass die armen Länder Afrikas mit Entwicklungsgeld zu retten seien, sei viel zu ambitioniert. Sich dazu eine eigene Meinung zu bilden, ist gar nicht so einfach. Auch auf unserer Weltreise waren wir ja vielfach mit diesen Fragen konfrontiert gewesen. Da traf es sich gut, dass die Akademie Caritas Pirckheimer Haus in Nürnberg (CPH) im Januar 2018 eine Reise in das westafrikanische Land Senegal organisierte. Anlass war die alljährliche Feier der Partnerschaft zwischen der Diözese Thiès und dem Erzbistum Bamberg.  Mit Siegfried Grillmeyer, dem Direktor des CPH, hatten wir denn auch einen sehr engagierten Delegationsleiter. So organisierte …

2018: Aufbruch zu Neuem

Das Jahr 2017 ist vorbei, damit auch unser Trip um die Welt. 19 Monate unterwegs zu sein, ohne festen Wohnsitz, dafür mit immer neuen Eindrücken und Begegnungen in den verschiedensten Ländern und Erdteilen – das war eine grandiose Erfahrung. Wir sind uns einig: Das war das Beste, was wir tun konnten. Diese Entscheidung war goldrichtig! Allerdings hat unser Leben dadurch auch seine Richtung geändert. Wir leben bewusster, wohl auch intensiver. Und wir sehen manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Das hat auch dazu geführt, dass uns manches hierzulande fremd geworden ist: Sei es die – aus unserer Sicht – eigentümlich respektlose, ja unfreundliche Art und Weise des Umgangs miteinander, die verbreitete Rechthaberei, die eigenartig unzufriedene Grundstimmung. Auch das politische Klima ist spürbar rauer geworden, der Ton lauter und schärfer, vor allem im rechten Lager. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass wir sensibler als früher darauf reagieren. Wir nehmen uns jedenfalls vor, gelassen und optimistisch zu bleiben. Sehr eigene Erfahrungen Wir sind nach wie vor sehr dankbar, dass wir auf unserer Tour immer gesund …

New York, New York!

Der nette Taxifahrer muss ihn suchen, den kleinen, etwas versteckt liegenden Jazzclub in Harlem, wo wir uns mit Monika verabredet haben. Monika kommt aus Duisburg, lebt aber schon seit einigen Jahren in Harlem, New York City, und hat dort eine hübsche kleine Wohnung, in der wir für eine Woche ein Zimmer beziehen. So kommt es, dass wir im Norden Manhattans wohnen, jenseits der 96th Street, einer Straße, die in den 80ern noch eine klare Grenze zwischen weiß und schwarz darstellte und die Gentrifizierung noch nicht im vollen Gange war. Der Norden Manhattans war seinerzeit „no go area“. Heute ist Harlem bunt, an den Ufern des Hudson sind die teureren Wohnlagen, auf den Hügeln hingegen wohnen „Hispanics“ und, im Bezirk um die 125th Street, die „Schwarzen“. Jazz in Harlem Als wir den Veterans Club betreten, fängt uns gleich die besondere Atmosphäre ein. An den Wänden hängen Photos von würdig dreinblickenden älteren Herren mit Militärkäppi, also eben den Kriegsveteranen, denen dieser Club gewidmet ist. Als die Band, deren Zusammensetzung im Laufe des Abends mehrfach wechselt, loslegt, hören …

Elisa und Roy,
Hornby Island

25. August. Wehmütiger Abschied von Hornby Island, vor allem von Elisa und Roy, unseren großzügigen Gastgebern. Wir sitzen im IslandLinkBus nach Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, etwa 200 Kilometer weiter südlich. Gerade entdecke ich den aktuellen Farewell-Facebook-Post von Elisa, die uns erst vor einer Stunde über Denman Island an die Fähre nach Buckley Bay gefahren hatte. Wir sind wieder on the road. Zwei schöne, abwechslungsreiche Wochen auf Hornby sind vorbei. Zwei Wochen, in denen wir nicht nur die wunderschöne kleine Insel erkundeten, sondern auch so etwas wie kanadisches Landleben erleben konnten. Einfach und gut. Couchsurfen Rückblick: Ohne unsere Tochter Lisa wären wir nie nach Hornby Island gekommen. Sie war gegen Ende ihrer fünfmonatigen Work & Travel-Kanadareise als Couchsurferin unterwegs und bei Elisa und Roy die erste, die das dort machte. Sie war zwar nur drei Tage dort – aber so begeistert von den beiden, dass sie uns aufgetragen hat: „Da müsst ihr hin, die müsst ihr kennen lernen“. Elisa ihrerseits erzählt die Geschichte so, dass sie von Lisa so angetan war, dass sie auch den Papa …

Was für ein Paar!

Obwohl sie ein höchst spannendes und abenteuerliches Leben in Chiapas/Mexiko geführt haben, sind beide bei uns wohl weitgehend unbekannt: Frans Blom, dänischer Archäologe und Trudy Duby-Blom, Photographin und Umweltschützerin aus der Schweiz. Wir sind auf sie gestoßen, als wir das Museum Na Bolom in San Christobal de las Casas besucht haben. Ein Ort, an dem viele Geschichten erzählt werden: über die Lacandonen-Indianer, einen kleinen, fast verschwundenen Stamm aus dem Grenzgebiet zwischen Chiapas und Guatemala, über die Entdeckungsgeschichte der Maya-Ruinen im tiefen Urwald dieser Region, über das stattliche Anwesen selbst (das früher ein Kloster war), vor allem aber über dessen einstigen Bewohner. Ein Leben für die Ureinwohner Gertrude Duby aus dem Berner Oberland hatte sich schon früh politisch und publizistisch engagiert, war in der deutschen Widerstandsbewegung gegen Hitler aktiv und war deshalb sogar kurze Zeit in einem Lager interniert. 1940 konnte sie aber nach Mexiko fliehen, wo sie sich zunächst als Sozialarbeiterin engagierte. Doch erst als sie 1948 auf den dänischen Archäologen Frans Blom traf, der den Urwald von Chiapas nach Maya-Ruinen durchstreifte, fand sie ihre …

„Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano

Ob ich „den Galeano“ kenne? Auf unseren Reisen durch Argentinien, Chile, Bolivien und Peru wurde ich zum wiederholten Male auf dieses Buch angesprochen, vor allem von jungen Leuten. Tenor: Eine Art „Bibel der Unterdrückten“ und Pflichtlektüre, wenn ich mehr über die historischen und politischen Zusammenhänge Lateinamerikas erfahren wolle. Und mehr über die Ursachen der andauernden ökonomischen und politischen Krisen der Länder dort, über deren jahrhundertelange systematische Ausbeutung und Abhängigkeiten vom Weltmarkt, insbesondere im Zeichen des „Freihandels“. Zwar schon 1971 veröffentlicht, aber immer noch hochaktuell. Geschichtsschreibung mit Leidenschaft Tatsächlich hatte ich „den Galeano“ schon kurz nach seinem Erscheinen verschlungen, vermutlich 1974/75, also während meines Studiums der Geschichte. Ich hatte ihn in mehreren Nächten gelesen und war begeistert: von der Klarheit und Leidenschaftlichkeit, mit der der aus Uruguay stammende Autor die Geschichte Lateinamerikas von der Unterwerfung und Kolonisation durch die Spanier und Portugiesen bis zu den Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts und deren westliche Helfer (allen voran die USA)  in einem großen Wurf dargestellt hat. Dies ganz bewusst nicht aus der Sicht „der Sieger“, sondern aus der Perspektive der …

Auf den Spuren der Inkas

Cusco im Süden Perus. Wir sehen die Silhouette einer schönen, fast mediterran anmutenden Stadt, erbaut im spanischen Kolonialstil. Überall macht- und prachtvolle barocke Kirchen, allen voran die riesige Kathedrale an der Plaza de Armas. Darum das Häusermeer mit den typischen Atriumhäusern. In den Straßen quirliges Leben. Nahezu nichts erinnert baulich daran, dass dies einstmals die Hauptstadt des riesigen Inkareiches war und für die damaligen Menschen der Mittelpunkt der Welt. Die goldgierigen Spanier eroberten Anfang des 16. Jahrhunderts im Auftrag der Krone und im Zeichen des Kreuzes nahezu im Handumdrehen das Inkareich. Sie raubten, mordeten oder versklavten die Einwohner und löschten bewusst alles aus, was diese erschaffen hatten. Nichts sollte mehr an die Inkas, ihre Kulturleistungen und ihren Glauben erinnern. Bittere Ironie der Geschichte: Es waren die Inkas selbst, die etwa 300 Jahre lang andere Völker wie die Nasca, die Mochica und die Huari unterworfen und jegliche Erinnerung an deren hochstehende Kulturen unterdrückt hatten. Die Sieger schreiben ihre Geschichte eben stets aus ihrer Perspektive. Peru und sein reiches Erbe Doch beiden Eroberern, weder den Inkas noch …